Autor: Melanie

  • „Der Killer“ (2023) – Filmkritik: David Finchers eiskalter Thriller in Perfektion

    „Der Killer“ (2023) – Filmkritik: David Finchers eiskalter Thriller in Perfektion

    Bild: (c) Netflix

    Minimalistisch, effektiv und stylish – Michael Fassbender brilliert in einem präzise inszenierten Neo-Noir mit Killer-Soundtrack und packender Atmosphäre.

    Der Killer (Michael Fassbender) arbeitet schon jahrelang als skrupelloser Auftragsmörder, der immer äußerst methodisch und kalt bei seiner Arbeit vorgeht. Doch das alles ändert sich nach einem gescheiterten Auftrag, der ihm zum Verhängnis wird. Der Jäger wird zum Gejagten.

    „Stick to the plan. Anticipate, don’t improvise. Trust no one.“ Except for the Smiths. They had some Killer songs.

    Dieses Mantra zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film, sowohl auf der Plot-Ebene wie auch der ästhetischen Ebene. Fassbenders Spiel fügt sich dabei wunderbar in die simple Effizienz des Films ein, sagt seine Figur auch passend an einer Stelle:

    „If I’m effective, it’s because of one simple fact. I don’t give a fuck.“

    „Der Killer“ (sowohl Film wie Figur) ist simpel und effektiv, genau darin liegt auch die Stärke des Films. Getragen von dem top Schnitt, der top Kamera und einem gelungenen Drehbuch, hat der Film ein sehr angenehmes Pacing. 

    Das Colorgrading in Kombination mit dem (wieder mal) brillanten Score von Trent Reznor & Atticus Ross und dem fantastischen Sounddesign sorgen für eine unheimlich dichte Atmosphäre, die mit Fassbenders Killer Monologen aus dem Off eine besondere Sogkraft entfalten, wobei letzteres auch sehr an Dexter Morgan erinnert. 

    Auch Witz und Cleverness kommen an dieser Stelle nicht zu kurz, sei es der Nutzen von AirBnBs, den Vorteilen von Amazon Prime oder auch der Griff zur Käsereibe. Dabei darf die herausragend choreographierte Kampfszene nicht unerwähnt bleiben, die sehr mitreißend inszeniert wurde. 

    Fazit: Der Film ist einfach durch und durch crisp ohne große Spielereien und unnötigen Twists. Dafür ist er aber verdammt effektiv in dem was er macht und was er letztlich ist. Mag vielleicht nichts „Besonderes“ sein, ich mag’s jedenfalls. Es lebe der Hund!

    Bewertung: 8/10 ♥️

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  • „Styx“ (2018) – Filmkritik: Ein kompromissloser Blick auf Menschlichkeit, Privilegien und moralische Dilemmata auf hoher See

    „Styx“ (2018) – Filmkritik: Ein kompromissloser Blick auf Menschlichkeit, Privilegien und moralische Dilemmata auf hoher See

    Bild: © Zorro / 24 Bilder

    Wolfgang Fischers „Styx“ überzeugt mit starker Bildsprache und intensiver Stille, hinterlässt aber auch einen faden Beigeschmack westlicher Perspektiven.

    Styx“ ist nüchtern, kompromisslos, aber auch privilegiert.

    Viele Fragen tun sich im Laufe des Films auf, auf die weder die Figuren, noch der Film, noch das Publikum so recht eine Antwort suchen bzw. wissen.

    Sicherlich sind die mythologischen Verweise spannend bis passend und auch die metaphorische Kontextualisierung zu Charles Darwins Insel Ascension wie Asa Gray wirkt erstmal stimmig. Für mich bleibt in diesem Zusammenhang allerdings eher ein fader Beigeschmack, da „Styx“, vor allem beim Drehbuch und den Dialogen, doch immer eine westliche, bildungsbürgerliche Perspektive auf die Geschehnisse im Film einnimmt und diese unangenehm durchdringt.

    Hier funktioniert „Styx“ für mich in den wortlosen bis wortkargen Szenen wesentlich besser, ist in diesen insgesamt deutlich stärker.

    Susanne Wolffs Schauspiel wirkt dem schwächelnden Drehbuch deutlich entgegen, doch ist mir die Rolle des Jungen viel zu einseitig geschrieben, wenngleich fantastisch durch Gedion Oduar Wekesa gespielt.

    Fazit: Das reine Schauspiel, wie auch die Kamera- und Tonarbeit, sorgen letztlich trotzdem für einen bildgewaltigen Film, der einen wichtigen Beitrag zum Flüchtlingsthema leistet und die Fragen nach Menschlichkeit und Altruismus aufwirft, jedoch angenehm unbequem unbeantwortet lässt.

    Bewertung: 7/10

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  • „American Fiction“ (2023) – Filmkritik: Satire trifft Familiendrama, doch bleibt beides an der Oberfläche

    „American Fiction“ (2023) – Filmkritik: Satire trifft Familiendrama, doch bleibt beides an der Oberfläche

    Bild: © MGM, Orion Pictures

    Cord Jeffersons Film beleuchtet die Absurdität von Authentizität in der Literaturbranche und hinterfragt Erwartungen sowie Vorurteile – bleibt dabei jedoch erzählerisch zwiegespalten.

    Thelonious Ellison, genannt „Monk“, (Jeffrey Wright) arbeitet als Universitätsprofessor für englische Literatur. Neben der Hochschullehre schreibt Monk auch selbst Romane, gilt zwar als angesehener Schriftsteller, jedoch hält sein Verleger seine letzten Manuskripte für „nicht schwarz genug“ für die breite Leserschaft. Frustriert vom Erfolg des in seinen Augen klischeebehafteten Bestseller-Romandebüts der Afroamerikanerin Sintara Golden (Issa Rae), beginnt er selbst einen derart plakativen Roman unter einem Pseudonym zu schreiben. Dieser wird zu Freuden seines Verlegers direkt von einem angesehenen Verlag abgekauft und unmittelbar nach seiner Veröffentlichung schon zum Bestseller – zum Leidwesen Monks, der sich beschämt hinter dem Pseudonym versteckt und von Gewissensbissen geplagt wird.

    Ich mag die Prämisse von „American Fiction“ sehr, mir gefällt die Idee, aber die Umsetzung hat mich leider nicht soo abgeholt.

    Es wirkt für mich stellenweise so als ob der Film zwei Geschichten erzählt, die satirische Leidensgeschichte eines Schriftstellers und ein eigentlich vielschichtiges Familiendrama auf der anderen Seite. In beiden Geschichten kratzt man für meinen Geschmack mehr an der Oberfläche, wo doch beide Geschichten viel mehr bieten. 

    Die Charakterentwicklung Monks ist für mich nicht immer ganz nachvollziehbar, einige zwischenmenschlichen Entwicklungen kommen etwas aus dem Nichts, weil doch alle Charaktere außer Monk eher eindimensional bleiben. Das liegt nicht am Schauspiel, sondern viel mehr am Drehbuch. 

    Auch die Dialoge wirken manchmal etwas hölzern, fast unnatürlich. Zwar mögen die weiblichen Charaktere auf den ersten Blick alle erstmal stark geschrieben sein, jedoch wirken sie durch ihre Eindimensionalität streckenweise künstlich feministisch. Denn ein

    „Geniuses are lonely, because they can’t connect with the rest of us.“ – Agnes Ellison

    hab ich von Monks Mutter nun wirklich nicht gebraucht, als sie Monks Vater und ihren Sohn als Genies bezeichnet.

    „Potential is what people see, when they think, what’s in front of them isn’t good enough.“ – Sintara Golden

    „One Day you will maybe learn that not being able to relate to other people isn’t a badge of honor.“ – Coraline

    Auch diese klugen Sätze wirken am Ende auf mich eher wie Kalendersprüche, zwar klug, aber viel folgt darauf nicht. 

    Trotz alldem trifft der Film wie seine Romanvorlage „Erasure“ (2001) einen wichtigen Punkt in diesen Zeiten mit seiner Kritik am Establishment der Afroamerikanischen Literatur, unseren Erwartungen und Vorurteilen.

    American Fiction ist für mich ein Film, der einen darüber nachdenken lässt, ob man „Authentizität“ in einer Film-/Literatur-/Kunstkritik generell überhaupt anführen sollte bzw. jemals wirklich konnte. 

    Bewertung: 6/10

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