Schlagwort: Drama

  • „Rose“ – Filmkritik: Ein Unwetter zieht auf

    „Rose“ – Filmkritik: Ein Unwetter zieht auf

    © Match Factory, Piffl Medien

    17. Jahrhundert, während des Dreißigjährigen Krieges: Einige Jahre hat Rose (Sandra Hüller) als männlicher Soldat gekämpft – ein Projektil, welches seine rechte Wange durchschlug, vernarbt ihn permanent. Kämpfen konnte Rose, weil er sich als Mann ausgibt und gelesen wird. Als er mit einem Erbschein ausgestattet eines Tages in ein abgelegenes Dorf kommt und einen leerstehenden Hof für sich reklamiert, reagiert die Gemeinschaft verhalten. Doch Rose möchte sich niederlassen, sich integrieren. Funktioniert sein Vorhaben zunächst, zeigt er sich spendabel und hilfsbereit, heiratet sogar, bricht seine Scheinwelt nach einem Unfall beim Imkern in sich zusammen.

    Das deutsch-österreichische Historiendrama von Regisseur Markus Schleinzer will zum Diskutieren anregen. Gibt der Film Menschen, die wie Rose gelebt haben, eine Stimme? Wie verändert Rose die Geschlechterrollen (im festen binären System Mann/Frau) im Mikrokosmos protestantisches Dorf? Inwiefern kann sich Roses Ehefrau Suzanna (Caro Braun) selbst ermächtigen, wenn sie die Geschicke steuert, als sich Rose von zahlreichen Bienenstichen erholt? Und wie äußert sich die Antwort des Patriarchats, wenn es sich angegriffen fühlt? Schleinzer geht diese Fragen behutsam an, schneidet im entscheidenden Moment oft weg und füllt die Leerstellen durch Marisa Growaldt als Erzählerin aus dem Off. In poetisch anmutenden Worten überlässt sie es der Fantasie der Zuschauer*innen, jene Bilder zu füllen.

    Wenn Roses Konstrukt zu brechen beginnt und er sich Suzanne öffnet, offenbart sich der emotionale Kern des Films: das Zusammenspiel von Sandra Hüller und Caro Braun. Hüller bringt durch ihren Ruf eine angelegte Präsenz mit, mit der sich jede*r messen lassen muss. Ihre große Stärke, sich eine Figur einzuverleiben, zeitgleich sich aber nicht in den Vordergrund zu spielen, öffnet Räume, die Caro Braun zu nutzen weiß. Vorher als Theaterschauspielerin tätig, gibt sie in „Rose“ ein starkes Spielfilmdebüt. 

    Kameramann Gerald Kerkletz, der mit Schleinzer auch in seinen beiden vorherigen Filmen „Michael“ und „Angelo“ zusammengearbeitet hat, kreiert für „Rose“ einen einprägsamen Schwarz-weiß-Look mit satten Grautönen und starken Kontrasten. Die Kamera steht oft still, wahrt jene Distanz, die Rose von ihren Mitmenschen einfordert. In Erinnerung bleibt die arrangierte Hochzeit von Großbauertochter Suzanna und Rose. Die Kamera beobachtet die Zeremonie aus der Ferne, sodass die Kirche gut erkennbar, die Töne dumpf hörbar, aber die Menschen nicht identifizierbar sind. 

    Plagiatsvorwürfe und verschenktes Potenzial

    Roses Geschichte basiert auf Überlieferungen von Frauen, die sich als Männer ausgaben, um sich bessere Lebensumstände zu ermöglichen. So zumindest beschreiben mehrere während des Produktionsprozesses publizierte Artikel die historischen Vorbilder des Films. Die Darstellung bröckelt nun gewaltig, nachdem Autorin Angela Steidele einen Gastbeitrag für die FAZ verfasst hat, in dem sie dem österreichischen Regisseur Schleinzer vorwirft, ohne Rückfrage Inhalte aus ihrer Biografie „In Männerkleidern – Das verwegene Leben der Catharina Margaretha Linck alias Anastasius Lagrantinus Rosenstengel, hingerichtet 1721“ und ihren Roman „Rosenstengel“ übernommen zu haben. 

    Steideles Ausführungen lassen „Rose“ wesentlich konservativer wirken, als es anfangs scheint. Ihr größter Kritikpunkt am Film selbst ist, dass er „die atemberaubende Originalstory verstümmelt“, denn: Rosenstengels Geschlecht sei bei weitem fluider als im Film dargestellt, die beiden Verheirateten führten eine Liebesbeziehung und keine Zweckgemeinschaft, und die Strafen seien historisch inakkurat, da sie zu hart ausfielen. Ja, Rosenstengel wurde hingerichtet, aber die Argumente, welche Rose während des Prozesses vorgeworfen werden, hätten historisch kaum für eine Hinrichtung gereicht, argumentiert Steidele. Zudem wurde die historische Suzanna zu Zuchthaus und nicht zum Tod verurteilt. 

    „Rose“ steht in seiner Auflösung queeren Filmen aus dem 20. Jahrhundert vor dem New Queer Cinema nahe. Ein glückliches Ende kann es nicht geben. Selbst wenn die vermeintliche Vorlage Raum für eine gnädigere Auflösung bietet. Wenn der Film die Einschreibung einer inakkuraten, vor allem brutaleren Geschichte unternimmt, den Frauen den sicheren Tod zuschreibt, läuft er Gefahr, im schlimmsten Fall sogar zu schaden

    Diese Kritik erschien im Rahmen des Filmkritik Workshops, des Lichter Filmfest Frankfurt International 2026.

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  • Essay: „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?“(1932) – Die Zensur des letzten linken Films der Weimarer Republik

    Essay: „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?“(1932) – Die Zensur des letzten linken Films der Weimarer Republik

    Bild: © Praesens-Film, Alive Vertrieb und Marketing

    Am 12. November 1918, drei Tage nach der Ausrufung der Weimarer Republik, wurde die Aufhebung jeder Zensur verkündet. 1920, nur anderthalb Jahre später, wurden Filme mit dem Reichslichtspielgesetz erneut zensiert und erhielten eine Sonderstellung. Zu groß war die Angst konservativer bis rechter Parteien vor möglicher Beeinflussung der Bevölkerung durch revolutionäre Filme. Sollte ein Film im Kino aufgeführt werden, musste er erst von einer Filmprüfungsstelle oder der als höchster Instanz fungierenden Film-Oberprüfungsstelle in Berlin zugelassen werden. Einer solchen Prüfung unterzog sich auch „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?“

    Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?

    Der proletarische Film ist in drei Akte aufgeteilt und handelt von den Folgen der Weltwirtschaftskrise, dargestellt anhand der Familie Bönike. Die ersten beiden Akte drehen sich um diese Familie und zeigen ihre prekäre Wohnsituation nach ihrem erzwungenen Umzug auf den titelgebenden Arbeiterzeltplatz Kuhle Wampe. Der letzte Akt zeigt ein Arbeiter*innensportfest und steht im Zeichen der Solidarität von Arbeiter*innen.

    Verwirklicht wurde der Film von einer Gruppe, bestehend aus dem Regisseur Slatan Dudow, den Schriftstellern Bertolt Brecht und Ernst Ottwalt und dem Komponisten Hanns Eisler. Die Dreharbeiten verliefen chaotisch, was vor allem mit dem geringen Budget zu tun hatte.

    Bild: © Praesens-Film, Alive Vertrieb und Marketing

    Die geldgebende Produktionsfirma Prometheus-Film GmbH ging während der Dreharbeiten bankrott, die Produktionsfirma Praesens-Film übernahm. Doch das Unternehmen konnte nur einen Teil der Kosten decken. Über die Dreharbeiten schrieben Wolfgang Gersch und Werner Hecht

    „So entstand ein Film, mit mehrfachen Unterbrechungen während der Arbeit, indem die Schauspieler und Mitarbeiter auf Honorare verzichteten und Tausende Arbeitersportler für eine S-Bahn-Fahrkarte und eine Bockwurst mitmachte. Der Film kam also unter in jeder Beziehung ungewöhnlichen Umständen zustande.“ 

    Der Fall ›Kuhle Wampe‹, 1969, S. 172.

    Dieser progressive und in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Film traf auf eine präfaschistische Filmzensur. 

    Zensur und ein letztes Halleluja der freien Meinungsäußerung 

    Die Filmprüfstelle in Berlin kam am 31. März 1932 zum Entschluss, dass der Film in der Lage sei, die „öffentliche Sicherheit und Ordnung und lebenswichtige Interessen des Staates zu gefährden“.[1] Die Aufführung des Filmes wurde untersagt. 

    Eine Reaktion folgte prompt. Noch am selben Tag reichte die Gegenseite eine Beschwerde gegen das Verbot ein. Es kam zu Demonstrationen und medial empörten sich vor allem linke bis linksbürgerliche Zeitungen. Das kommunistische Blatt Welt am Abend schrieb:

    „Ein guter Anschauungsunterricht für alle, die etwa immer noch glauben, dass der Unterschied zwischen dem schleichenden und offenen Faschismus sei so besonders groß“

    Welt am Abend, 1. April 1932[2]

    Am 9. April 1932 erhielt „Kuhle Wampe“ von der Film-Oberprüfstelle zunächst ein erneutes Verbot und wurde schließlich am 25. April stark zensiert und ohne Jugendfreigabe zur Vorführung freigegeben. Gersch und Hecht werten die Situation wie folgt: 

    „Einmal noch konnte sich in letzter Stunde der Druck der Öffentlichkeit, insbesondere der proletarischen Organisation, gegen die Kulturdiktatur des Staates durchsetzen – ein gewiß alarmierendes Ereignis für die im Hinterhalt lauernden Faschisten.“

    Der Fall ›Kuhle Wampe‹, 1969, S. 174.

    Eine wenig beachtete Uraufführung erlebte der Film in Moskau am 14. Mai 1932. Knapp zwei Wochen später, am 30. Mai, feierte der Film schließlich seine Deutschlandpremiere, in Berlin. Presseberichten zufolge, sollen rund 14.000 Menschen den Film in der ersten Woche gesehen haben. 

    Verbotene Stellen

    Das verschollene Drehbuch von „Kuhle Wampe“, macht es schwer nachzuvollziehen, welche Szenen zensiert wurden. Glücklicherweise haben Wolfgang Gersch und Werner Hecht in Kuhle Wampe. Protokoll des Films und Materialien nicht nur die veröffentlichte Version des Films protokolliert, sondern auch die Protokolle der Zensurprüfungen, sowie Presseberichte und Beiträge von Mitgliedern der Filmgruppe festgehalten. 

    Aus den Zensurprotokollen lassen sich Änderungen an der Originalversion des Films nachvollziehen. Um einen Eindruck zu vermitteln, welche Themen den Zensor*innen Dornen im Auge waren, möchte ich vier Stellen vorstellen: 

    1. „Halt ihm aber nicht gleich wieder die Notverordnung unter die Nase.“

    Diesen Satz sagt Mutter Bönike (Lilli Schoenborn) zu ihrem Ehemann (Max Sablotzki). Sie nimmt damit ihren arbeitslosen Sohn (Alfred Schäfer) in Schutz, der von Vater Bönike für das fehlende Geld verantwortlich gemacht wird. Im Film begeht der Sohn kurz nach dem Gespräch Suizid. 

    Die Filmprüfstelle untersagte mit dieser Streichung, Kritik am Staat. Die gemeinte Notverordnung stammt von Reichspräsident Paul von Hindenburg und sah eine Kürzung der Arbeitslosenunterstützung um zehn Prozent vor.

    Thematisch passend gibt es noch eine weitere zensierte Stelle, deren Kontext sich leider nicht rekonstruieren lässt: „Vielleicht siehst du dir auch mal die neue Verordnung über den Abbau der Arbeitslosenunterstützung an. Dreißig Mark weniger im Monat.“  

    2. „§ 218 Abs. 1: Eine Frau, die ihre Frucht im Mutterleib tötet oder die Tötung durch andere zuläßt, wird mit Gefängnis bestraft.“

    Ein Handlungsstrang dreht sich um Anni Bönikes (Hertha Thiele) Schwangerschaft und ihre Entscheidung, das Kind abzutreiben. Die Zensor*innen wollten offenbar Annis Überlegungen unsichtbar machen und verbaten die Einblendung des Paragrafen. In dieser und einer anderen Szene, in der Mitglieder des kommunistischen Arbeiter*innensportverbandes Geld für die Abtreibung aufbringen, sahen sie den Aufruf, sich dem Paragrafen zu widersetzen. 

    In der veröffentlichten Version ist die Schwangerschaft weiterhin Thema. Auf einem Spaziergang setzt eine Montage ein, als ihr eine Gruppe Kinder entgegenkommt. Diese beinhaltet assoziative Bilder, welche Anschaffungen sie nach der Geburt erwarten würden (Spielzeug, Kleidung, Lebensmittel) und assoziative Bilder zu den kostspieligen Vorbereitungen auf die Beerdigung ihres Bruders – eine Auseinandersetzung mit der kapitalistischen Realität, wenn es um Leben und Tod geht. Es ist wahrscheinlich, dass die Einblendung des Paragrafen Teil dieser Montage war. 

    3. Eine Bildfolge, in der ein Auto mit der Aufschrift „Fromm’s Acterscheint

    Bei „Fromm’s Act“ handelt es sich um das erste Markenkondom der Welt, erfunden von Julius Fromm und seit 1916 auf dem Markt. Die Filmprüfstelle hielt die Einblendung „für einen allzu billigen Hinweis darauf, wie die jungen Leute die aus ihrem Verhältnis erwachsenen Schwierigkeiten hätten vermeiden können“[3]

    Daraus lässt sich schließen, dass auch das Thema Verhütung ein Tabuthema für die Leinwände war, sei es auch nur für wenige Sekunden.

    4. Eine Nacktbadeszene

    Im Film gibt es eine Nacktbadeszene, in der eine Kirche an der anderen Seite des Ufers zu erkennen ist. Die Filmprüfstelle empört sich: 

    „Bei der Szene, in der die jungen Mädchen und Männer nackt baden, hört man im Hintergrund Kirchenglocken läuten und sieht den Kirchturm. Das ist doch absichtlich. Damit soll offenbar die kommunistische Nacktkultur in scharfen Gegensatz gestellt werden zur christlichen Kultur, auf der das deutsche Staatswesen beruht.“

    Filmprüfstelle Berlin, 31. März 1932[4]

    Die abwertenden Worte gegenüber dem Kommunismus sprechen Bände, über das Maß, bei dem in der Filmzensur bereits vor 1933 gemessen wurde. Denn die Zensur betraf vor allem progressive und kaum nationalistische Filme.

    Bild: Ein Schild erinnert heute, wo der Arbeiter*innenzeltplatz „Kuhle Wampe“ stand. © Leon Frank 

    Die Freude über die gewonnenen Proteste währte nicht lange. Am 26. März 1933 wurde der Film von der inzwischen faschistischen Filmprüfstelle verboten. Es war der letzte politisch linksgerichtete Film der Weimarer Republik.

    Ein kleiner Filmtipp zum Abschluss: Im DEFA-Dokudrama „Ein Feigenblatt für Kuhle Wampe“ aus 1975 wurden die Sitzungen der Filmprüfstellen, wie auch verbotene Szenen nachgestellt – unter anderem die Nacktbadeszene. 


    [1] Gersch/Hecht 1969, S. 110.

    [2] Zit. nach Gersch/Hecht 1969, S. 145.

    [3] Gersch/Hecht 1969, S. 139.

    [4] Gersch/Hecht 1969, S. 116.

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  • Jahresrückblick 2025 | Leon 

    Jahresrückblick 2025 | Leon 

    Bild: © Two Seasons, Two Strangers Production / The Fool / Bitters End

    Das Kinojahr 2025 ist vorbei und für mich bleibt ein etwas ernüchterter Blick zurück. Ich habe mich in diesem Jahr eher auf ältere Filme (und meine Bachelorarbeit) konzentriert, weshalb ich weniger gesehen habe als gewöhnlich. Listenkandidaten wie „One Battle After Another“ oder „Sentimental Value“ blieben mir bisher verwehrt – Filme wie „Bugonia“ und „Ein einfacher Unfall“ haben mich leider enttäuscht.  

    Es verbleiben fünf Filme, die in für mich aktiveren Kinojahren teilweise auch auf einer Geheimtipp-Liste hätten landen können. Diese sollen nun hier gebührend Erwähnung finden! Achtung: Manche Filme haben ihren Kinostart erst 2026 oder suchen noch einen Verleih.

    Unter den Filmen finden sich zwei weitere Top-Listen: Eine mit Lang- und eine mit Kurzfilmen, die ich 2025 entdeckt habe. Wirf auch dort gerne einen Blick hinein!

    Ich blicke hinaus auf ein ereignisreicheres 2026 – für meinen Letterboxd-Account, aber auch für Cinescaped!   

    1. „The Mastermind“  

    Bild: © Mubi

    Mein Liebling aus diesem Jahr! Josh O’Conner spielt das, was er am besten spielt: Einen Drifter auf der Suche nach etwas – in diesem Fall etwas nicht Vorhandenem. Kelly Reichardt inszeniert hier einen Slow-Heist-Film, der seine eigenen Strukturen nach und nach auflöst.  

    2. „Eight Postcards from Utopia“ 

    Bild: © Heretic

    Hochinteressante Found-Footage-Dokumentation von Radu Jude und Christian Ferencz-Flatz, bestehend aus Werbeclips aus dem postsozialistischen Rumänien. In acht Kategorien aufgeteilt, offenbart der Film in den Kapitalismus gesetzte Hoffnungen, die heute (und wohl auch damals) absurd wirken. André Pitz schrieb passend in seiner Review: „Es wird suggeriert: Der Mensch ist nur, wenn er konsumiert.“ 

    3. „Do You Love Me?“

    Bild: © Lightdox / Films de Force Majeure / My Little Films / Wood Water Films

    Von Lana Daher kuratierte audiovisuelle Reise durch 70 Jahre libanesische Geschichte. Beim Q&A auf dem Filmfest Hamburg erzählte einer der Produzenten, dass Daher erst durch den Film erkannt habe, dass sie in einem Kriegsgebiet aufgewachsen ist. Die Spuren haben sich im Material verewigt. 

    4. „Kontinental 25‘“

    Bild: © Grandfilm

    Moralische Abgründe à la Radu Jude. Über eine Gerichtsvollzieherin (Eszter Tompa), die nach dem Selbstmord eines Obdachlosen, an dem sie eine Teilschuld trägt, verzweifelt versucht ihr Gewissen reinzuwaschen. Judes Satire wird begleitet von einem für ihn charakterisierenden Internet-Humor. Sidenote: In einer Bar hängt ein „Kuhle Wampe: oder Wem gehört die Welt?“-Poster! Über den Film habe ich im Sommer meine Bachelorarbeit geschrieben und zur Zensurgeschichte des Films erscheint demnächst ein Artikel. 

    5. „Two Seasons, Two Strangers“ 

    Bild: © Two Seasons, Two Strangers Production / The Fool / Bitters End

    Ein Film-in-Film: Regisseur Shô Miyake untersucht in zwei Episoden die Beziehungen von Fremden, die an unterschiedlichen Orten und Jahreszeiten aufeinandertreffen. Im Fokus stehen dabei nicht nur die Jahreszeiten Sommer und Winter, sondern auch die Elemente Wasser und Eis. Herausgekommen ist ein ruhiger, minimalistischer und angenehm zu schauender Film. 

    Alte Neu-Entdeckungen

    1. The Strange Case of Angelica (2010)
    2. High and Low (1963)
    3. Blow Out (1981)
    4. Once (2007)
    5. Jacquot de Nantes (1991)
    6. Mishima – Life in Four Chapters (1985)
    7. Deep Red (1975)
    8. The Bitter Stems (1956)
    9. Fargo (1996)
    10. Le Circle Rouge (1970)

    Kurzfilm-Entdeckungen

    1. Lloyd Wong, Unfinished (2025)
    2. Der Ausdruck der Hände (1997)
    3. Buba (1930)
    4. Castle of Otranto (1977)
    5. Roulement, rouerie, aubage (1978)
    6. Podwórka (2009)
    7. Nr. 1 – Aus Berichten der Wach- und Patrouillendienste (1985)
    8. The Exquisite Corpus (2015)
    9. Chess Fever (1925)
    10. New York Portrait, Chapter II (1981)

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  • „Blue Moon“ (2025) – Zwischen Jazz, Dialog und Sentimentalität – Ein persönlicher Festivalessay über die Magie des Kinos

    „Blue Moon“ (2025) – Zwischen Jazz, Dialog und Sentimentalität – Ein persönlicher Festivalessay über die Magie des Kinos

    Bild: © Sabrina Lantos / Sony Pictures Classics

    Warum mich Richard Linklaters Echtzeitfilm über Kunst, Freundschaft und Musik nachhaltig berührt hat


    Wir schreiben meinen sechsten Festivaltag auf der Berlinale 2025. Vierzehn Filme haben bereits ihre Spuren hinterlassen – im Kopf wie auch im Körper. Denn mit jedem weiteren Festivaltag verdichtet sich nicht nur das Erlebte, sondern auch der Schlafmangel, unter dem die ein oder andere Früh- und Spätvorstellung bereits leiden musste.

    Doch an diesem Dienstagvormittag überwiegt vor allem eines: meine gute Laune und die pure Vorfreude auf die Weltpremiere von „Blue Moon“ (2025), dem neuen Film von Richard Linklater, wegen dem ich unter anderem überhaupt zur Berlinale wollte. Ein guter Freund und Kollege hält mir dankenswerterweise einen Platz im Berlinale Palast frei, die Vorstellung ist – wenig überraschend – auch als Pressevorführung gut besucht.

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    Der Film erzählt die Geschichte des Songwriters Lorenz Hart (Ethan Hawke), der den Abend des 31. März 1943 in der Bar Sardi’s verbringt. Hier findet die Premierenfeier des erfolgreichen Musicals „Oklahoma!“ seines ehemaligen Partners, dem Komponisten Richard Rodgers (Andrew Scott) statt, auf der es sich nur so nach anderen bekannten Künstler*innen mit Rang und Namen tummelt. In Echtzeit schildert der Film die Ereignisse des Abends, die ein Bild von Freundschaft, Liebe und Kunst zeichnen, welches mich zutiefst berührt hat.


    Schon lange habe ich nicht mehr so viel während eines Films geschmunzelt; vor Freude, Lachen und Traurigkeit Tränen vergossen. Es hat mich so glücklich gemacht, diesen Film in einem so großen Saal mit so vielen anderen Leuten zu sehen, die offenbar genauso viel Spaß hatten wie ich und an den gleichen Stellen wie ich sichtlich ergriffen waren. Ich hätte Ethan Hawke als Lorenz Hart stundenlang zuhören können – nicht nur, weil er diesen fantastisch spielte, sondern weil er dieser Figur derart Leben einhauchte, dass ich ihr hätte weiter zuhören wollen, wie sie begeistert ihre Anekdoten erzählt.


    Es fühlte sich für mich so an, als säße ich mit Lorenz Hart am Tresen bei Barkeeper Eddie (Bobby Cannavale) und lausche dem ganzen Geschehen – so als wäre ich wirklich vor Ort dabei und hätte alles miterlebt. Die Dialoge waren anekdotisch, philosophisch, poetisch, scharfsinnig, witzig und mit so viel Sanftmut, Detailverliebtheit und Sentimentalität versehen, dass ich jeder Figur etwas abgewinnen konnte, weil jede Figur in all ihrer Ambivalenz mit so viel Feingefühl und Liebe behandelt wurde.


    Trotzdem kam mir ein Andrew Scott ein wenig zu kurz als Richard Rodgers und eine Margaret Qualley ging auch etwas unter als Elizabeth Weiland. Inwiefern das dem Fokus auf Lorenz Hart geschuldet ist oder den wahren Begebenheiten zur damaligen Zeit, das kann ich so leider nicht beurteilen. Auch eine der Fragen, die ich sehr gerne auf der Pressekonferenz gestellt hätte.


    Macht es den Film für mich weniger gut? Nein, denn ich konnte mich voll und ganz auf den Film und seine Figuren einlassen. Ich hatte Spaß mit dem Film, war unterhalten, berührt und ergriffen. Dass Lorenz Hart ausgerechnet zwei meiner liebsten Jazzstandards mit „Blue Moon“ (1933) und „My Funny Valentine“ (1937) geschrieben hatte, machte das Kinoerlebnis für mich nur noch besonderer.

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    Nach dem Film joggen alle, die die Pressekonferenz von „Blue Moon“ im Anschluss auf dem Schirm haben, ins Grand Hyatt Hotel. Gerade so finde ich noch einen Platz. Ich überlege mir also während des Rennens die Fragen, die ich stellen möchte und schreibe diese am Platz als Notiz in mein Handy. Ich muss auf jeden Fall die Fragen ablesen, denke ich mir. Zu aufgeregt bin ich, mit Richard Linklater und Ethan Hawke in einem Raum zu sitzen. Zu übermüdet bin ich, um noch weiter klar denken und spontan reagieren zu können, denn der Schlafmangel der vergangenen Tage ist hiermit doch allgegenwärtig. So melde ich mich, allerdings nie energisch genug, nie auffällig genug. Ich werte ein Nicken des Moderators als ein OK zu viel und komme natürlich nicht mehr dran, weil ich mich ja auch noch nebenbei auf die Antworten und Fragen der anderen konzentriere. Schade!


    Doch schnell verfliegt die Enttäuschung über eine verpasste Frage. Zurück bleibt die Dankbarkeit, diesen Film einer meiner Lieblingsregisseure bei seiner Weltpremiere auf der Berlinale gesehen haben zu dürfen – ein besonderes Kinoerlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde.

    Gesehen im Rahmen der Berlinale 2025 in der Sektion Wettbewerb 2025.

    Bewertung: 9/10 ♥️

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  • „Lurker“ (2025) – Filmkritik: Wenn Fan-Sein zur Obsession wird

    „Lurker“ (2025) – Filmkritik: Wenn Fan-Sein zur Obsession wird

    Bild: © Universal Pictures International Germany

    Théodore Pellerin und Archie Madekwe glänzen in Alex Russells Regiedebüt – Ein Psychothriller über Ruhm, Anerkennung und soziale Hierarchien

    Der junge Matthew (Théodore Pellerin) arbeitet in einem Bekleidungsladen, wo er auf den angehenden Popstar Oliver (Archie Madekwe) trifft. Mit einer scheinbar unbedeutenden Geste zieht er Olivers Aufmerksamkeit auf sich – und gewinnt ihn für sich. Oliver nimmt Matthew in seinen inneren Kreis auf. Matthew genießt diesen besonderen Status in Olivers Entourage, bis er merkt, dass er gar nicht so besonders ist, wie er dachte und eben doch austauschbar ist.


    Zu Beginn erweckt „Lurker“ den Eindruck eines leichten Dramas über eine ungleiche Freundschaft – vielleicht sogar einer schwulen Liebesgeschichte. Stattdessen entfaltet sich eine tiefgründige Charakterstudie über Star und Fan.


    Oliver lebt in einer Blase aus Ja-Sagern, die ihm genau das geben, was er hören und sehen will. Eine klare soziale Hierarchie bestimmt sein Umfeld. Für seine Fans und seine Entourage ist er „jemand“ – bewundert, beachtet, unantastbar. In diese Welt tritt Matthew, der vermeintlich naive Außenseiter, der jedoch genau weiß, wie er Oliver beeindrucken kann. Was anfangs wie eine authentische Freundschaft wirkt, wird bald zu einem manipulativen Spiel um Einfluss und Status.


    Hier zeigt sich das zentrale Thema des Films: Menschen wollen gesehen werden. Und manche gehen dafür weit – um bestimmten Menschen zu gefallen, um zu bestimmten Bubbles zu gehören. Ein gewisses Ansehen, eine gewisse Sinnhaftigkeit zu genießen, weil sie sich dann wie „jemand“ fühlen. Weil sie sich dann so fühlen, als wären sie etwas Besonderes. Matthews Streben nach Anerkennung spiegelt sich in Olivers Selbstinszenierung als gefeierter Künstler wider, der seine Bestätigung aus der Bewunderung seiner Fans zieht.

    Mit seinem cleveren Drehbuch und einer inszenatorischen Finesse, dem wiederholten Spiel mit Meta-Perspektiven, entwickelt der Film eine düstere Sogwirkung mit erfrischend kreativen Kniffen. Der Plot ist nicht so leicht zu durchschauen und hält einen konstant neugierig. Besonders hervorzuheben ist der raffinierte Einsatz der Kamera, die eine zusätzliche narrative Ebene eröffnet, die unter anderem Matthews Blick auf die Welt und seine wachsende Obsession spürbar macht.


    Nicht zuletzt sorgt das überragend nuancierte Schauspiel von Théodore Pellerin und Archie Madekwe in den Hauptrollen, wie auch das stimmige Spiel des gesamten Casts, dafür, dass wir mit den Figuren mitfühlen, mitfiebern, leiden und rätseln.


    So entfaltet sich ein spannender, verstörender Psychothriller, dessen zynisches Ende voller schwarzem Humor noch lange nachhallt. Subtil, aber konsequent, spiegelt der Film die Einsamkeit, fehlende Selbstwirksamkeit, mangelnde Reflektionsfähigkeit und Orientierungslosigkeit unserer Gesellschaft in der Social-Media-Ära wider. Man sehnt sich augenscheinlich nach Ehrlichkeit und Authentizität, sieht sich dieser dann doch nicht gewachsen und flüchtet sich in oberflächliche Verbindungen.


    Tonal bewegt sich der Film geschickt zwischen Indie-Ästhetik, stylischen Bildern und bewusstem Cringe. Doch nicht nur das: Der Film ist auch ein scharfsinniger Kommentar über Stardom, blindem Fan-Sein, die Musikindustrie, Selbstbild und künstlerische Wahrheit – über das, was wir verkaufen und wie wir es verkaufen.

    Gesehen im Rahmen der Berlinale 2025 in der Sektion Berlinale Special Gala.

    Bewertung: 9/10 ♥️

    Abenteuer Animation Berlinale Berlinale 2025 Biopic Deutsches Kino Doku Drama Fantasy Festivalberichterstattung Filme Filmfest Hamburg Filmfestival Filmfest München FILMZ Geschichte Horror Kino Komödie Krimi Kurzfilm Lichter Filmfest Frankfurt International Liebe Locarno Filmfestival Miniserie Musik Mystery Neo-Noir Psychothriller Romanze Satire Sci-Fi Serie Streaming Thriller Wahre Begebenheiten

  • „Rave On“ (2025) – Warum wir bleiben, wenn wir längst gehen sollten

    „Rave On“ (2025) – Warum wir bleiben, wenn wir längst gehen sollten

    Bild: © Weltkino

    Eine essayistische Filmkritik über Techno, Drogen, Eskapismus, Quarterlife Crisis und die Sehnsucht nach Verbindung – in der Berliner Clubkultur

    Eine Nacht, ein Rausch, ein Rave.

    In Rave On“ (Regie & Drehbuch: Viktor Jakovleski & Nikias Chryssos) wird nicht viel erklärt, sondern vielmehr erlebt. Wer hier eine stringente Handlung erwartet, wird vermutlich enttäuscht. Denn dieser Film funktioniert eher wie eine ausufernde Clubnacht: chaotisch, atmosphärisch, treibend, manchmal bewusstseinsverändernd, manchmal einfach nur anstrengend – aber irgendwie trotzdem aufregend und vor allem ehrlich in seiner vermeintlichen Inhaltslosigkeit.

    Im Zentrum steht Kosmo (Aaron Altaras), einst gefeierter DJ, heute Produzent, eher Beobachter seiner selbst. Sein Plan für den Abend ist schlicht, fast naiv: Er will seinem Idol Troy Porter (Jamal Moss aka Hieroglyphic Being) in seinem alten Lieblingsclub in Berlin seine neue Platte persönlich überreichen – ein letzter Versuch, einen Traum zu retten, der Jahre zuvor in genau diesem Club zerbrach. Was als relativ simpler Plan beginnt, entgleitet ihm schnell und verwandelt sich in einen fiebrigen Trip, in dem Realität und Rausch, Nostalgie und Ernüchterung miteinander verschwimmen.

    Rave On“ fühlt sich an wie ein durchtanzter Fiebertraum, der sich manchmal zieht, dann wieder beschleunigt, der sich in Stroboskoplicht auflöst und sich irgendwo zwischen Ekstase und Selbstverlust verflüssigt. Man kann ihn nicht kontrollieren. Man muss sich ihm hingeben – oder draußen bleiben.

    Die Dialoge wirken lebendig, ungefiltert, beiläufig – erstaunlich realistisch. Sie klingen selten nach „Film“, sondern eher wie die Gespräche, die man um fünf Uhr morgens an irgendeiner Bar führt – mal ehrlich, mal tiefgründig, mal belanglos, mal benebelt, aber für einen kurzen Moment verstanden.

    Das Schauspiel – allen voran Aaron Altaras – ist so nuanciert und unmittelbar, dass man die Figur Kosmo fast körperlich fühlen kann. Seine Entschlossenheit. Seine Unsicherheit. Seine Sehnsucht. Sein Stolpern. Sein Straucheln. Sein verzweifeltes Festhalten an einer Vision, die schon beim Betreten des Clubs zum Scheitern verurteilt scheint. Altaras’ bemerkenswerte Intensität und Leichtigkeit im Spiel tragen den Film und machen ihn greifbar. Weil man ihm glaubt. Weil man spürt, dass er etwas sucht – vielleicht Bestätigung, vielleicht Anschluss, vielleicht einfach nur ein kurzer Moment der Wärme.

    Kosmo will eigentlich nichts nehmen, will clean bleiben. Doch der Widerstand hält nur so lange, bis ihn die Nacht und ihre Versuchungen einholen. LSD, Speed, Hasch, Keta – der Cocktail wirkt. Nicht zuletzt durch Kamera-, Bild- und Toneffekte kann man förmlich spüren, wie sich die Wahrnehmung mit jeder Substanz verschiebt. Nicht überinszeniert, nicht bagatellisiert – authentisch. Der Geruch von triefendem Schweiß, ein klebriger Clubboden, bekannte Gesichter, pure Reizüberflutung. Einst Kosmos Zuhause, wirkt die Berliner Technoszene auf ihn heute eher fremd: weniger subversiver Rückzugsraum als ästhetisierte Scheinfreiheit, Fake-Deep-Talks, aber auch Momente echter Achtsamkeit und aufrichtiger Menschlichkeit.

    Film als Vibe & Kommentar Der Club als Spiegel der Gesellschaft

    Die Berliner Technoszene wird hier nicht verklärt, sondern gespiegelt. Es geht weniger um Musik als um Vibe und Style. Eine Clubnacht wird zur Sinnsuche, zum Fiebertraum zwischen Awareness-Raum und Keta-Überdosis, zwischen spirituellem Palaver und echter Verbundenheit, zwischen Zigaretten nach dem Sex und einem Schulterklopfen von Fremden, das mehr Trost spendet als das Hochgefühl auf dem Dancefloor.

    Ja, „Rave On“ hat wenig Plot. Aber genau das macht ihn so treffend. Wie eine echte Partynacht ist er weniger narrativ als atmosphärisch. Rhythmisch, synthetisch, hypnotisch, repetitiv – wie der Sound, den er einfängt. Man wandert von Raum zu Raum, verliert das Zeitgefühl, verliert die Orientierung, verliert irgendwann die eigenen Grenzen. Und am Morgen kommt die Hangxiety, der Comedown, die Leere – aber auch das eigenartige Gefühl, etwas erlebt zu haben, das nur in dieser diffusen Zwischenwelt möglich war.

    Da sind wir bei den Fragen, die der Film nur andeutet, aber nie direkt ausspricht – zur Mechanik hinter dem Rausch:

    Warum konsumieren wir eigentlich? Warum können wir nicht aufhören, wenn genug ist? Ballern weiter, trinken weiter… bis zum Blackout? Warum bleiben wir noch ein bisschen, wenn wir längst zu müde sind, draußen die Sonne schon aufgeht, der erste Bus wieder fährt?

    Ist es wirklich FOMO? Haben wir wirklich Angst, etwas zu verpassen oder ist es die Gier nach mehr? Und nein, nicht unbedingt die Gier im eigentlichen Sinne, kein reiner Hedonismus, sondern eher die Neugier, die einen antreibt, vielleicht eben doch noch zu bleiben? In der leisen Hoffnung, dass doch noch irgendetwas passiert? Etwas von Bedeutung? Etwas, das uns länger vom Alltag entfliehen lässt?

    Techno wird hier zur Metapher für Gier, Neugier, Selbstverlust – und das Bedürfnis, sich aufzulösen und gleichzeitig wiederzufinden.

    Der Film verharmlost Drogen nicht. Er entzaubert sie. Zeigt, wie leer das Versprechen dahinter ist. Wie fragil das Glück. Wie schnell man im Awareness-Raum landet, ohne sich an den Weg dorthin zu erinnern. Und wie viele Menschen in diesen Nächten eigentlich nach Verbindung suchen, nicht nach Ekstase.

    Freiheit & Privileg – die männliche Perspektive

    Man könnte fragen: Braucht es wirklich wieder einen männlichen Protagonisten in seiner Quarterlife Crisis?
    In diesem Fall: ja. Denn ein solcher Film funktioniert gerade deshalb, weil er zeigt, wie unbedarft, kopflos und frei ein Mann sich allein (!) in dieser Nacht treiben lassen kann – ohne Angst vor Übergriffen, ohne ständiges Kontrollieren der eigenen Grenzen. Eine weiblich gelesene Figur hätte diese Nacht nicht so selbstverständlich derart sorglos erleben können – und das ist keine Moralkeule, sondern Realität. Die Naivität, die Freiheit, die Unachtsamkeit des männlichen Protagonisten – das ist ein Privileg.

    Zeitgeist, Rausch & Realitäten

    Gleichzeitig spiegelt „Rave On“ auch unsere Gegenwart wider. Die Annahme, Gen Z würde kaum noch trinken – „Enthaltsamkeit ist der neue Rausch“ – scheint eine andere Realität auszublenden. Denn Perspektivlosigkeit, Angstzustände, Depression und Stress sind in dieser Generation präsent wie kaum zuvor. Es wäre naiv zu glauben, dass sie deshalb komplett enthaltsam lebt. Die Rauschmittel verändern sich, nicht jedoch der Wunsch nach Rausch. Der Wunsch nach einem kurzen Ausweg aus einer Welt, die zu laut, zu schnell, zu überwältigend ist.

    Der Film wird in seinen besten Momenten zu einem Spiegel dieser Lebenswelten. Man kann auch völlig nüchtern auf einem Rave sein und trotzdem oder gerade deswegen die unschönen Seiten und unangenehmen Wahrheiten der aktuellen Partykultur sehen, oder eben seine Augen davor verschließen und so tun, als hätte man diese Parallelwelt nie gesehen. Denn richtig, sich etwas vorzumachen, ist auch eine Form der Realitätsflucht, nur eben eine kontrolliertere und bewusstere.

    Rave On“ ist weder moralische Abrechnung noch verherrlichender Partyfilm. Er ist ein ungeschöntes Porträt einer Berliner Clubnacht – ein Rauschfilm ohne Romantisierung, ein Vibe-Film ohne Pose.

    Wer sich darauf einlässt, wird eine ehrliche, rohe, manchmal anstrengende, manchmal faszinierende Erfahrung machen – wie eine Nacht, die nicht unbedingt gut war, aber erkenntnisreich.
    Eine Nacht, die man teils bereut und gleichzeitig schätzt, weil man irgendwie froh ist, dabei gewesen zu sein.

    In diesem Sinne: Rave on – but be aware of the K-hole.

    Gesehen im Rahmen des Filmfest München 2025 in der Sektion Neues Deutsches Kino

    Bewertung: 7/10

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  • „Islands“ (2025) – Filmkritik: Slow-Burn Mystery-Thriller im Urlaubsgewand

    „Islands“ (2025) – Filmkritik: Slow-Burn Mystery-Thriller im Urlaubsgewand

    Bild: © Juan Sarmiento G. / 2025 augenschein Filmproduktion, LEONINE Studios

    Jan-Ole Gersters Vacation Noir setzt auf subtile Spannung, hypnotische Atmosphäre und ein rätselhaftes Beziehungsgeflecht auf Fuerteventura.

    In „Islands“ sehen wir Tennistrainer Tom (Sam Riley) bei seiner Arbeit auf der kanarischen Insel Fuerteventura. Wenn er nicht auf dem Tennisplatz ist, vertreibt er sich seine Zeit mit Partys, Alkohol und flüchtigen Affären. Bis er eines Tages die Familie Maguire kennenlernt, die ihn aus seiner Alltagsmonotomie herauszuholen scheint. Anne (Stacy Martin) möchte unbedingt Tennisstunden für ihren Sohn Anton (Dylan Torrell) bei Tom buchen und freundet sich mit ihm an. Tom versteht sich auf Anhieb gut mit Anne, ihrem Mann Dave (Jack Farthing) und dem kleinen Anton und führt die Familie auf der Insel herum. Doch die Idylle trügt: Spannungen zwischen Anne und Dave werden immer spürbarer und plötzlich verschwindet Dave spurlos. Anne und Tom werden verdächtigt, etwas mit dem Verschwinden zu tun zu haben.


    „Islands“ ist ein Paradebeispiel für meisterhaftes Slow-Burn-Kino. Ein Vacation Noir, der mit faszinierenden Bildkompositionen und einer dichten, geheimnisvollen Atmosphäre fesseln kann – ähnlich wie „Burning“ (2018) oder die Serie „Ripley“ (2024). Natürlich weckt der Film auch Assoziationen an „Der talentierte Mr. Ripley“ (1999) – allein durch die Dreier-Figuren-Konstellation und das Urlaubs-Setting.

    Stilistisch erinnert der Film allerdings weit stärker an die Serie „Ripley“, insbesondere in der statischen, perfekt komponierten Bildsprache, die eine trügerische Harmonie ausstrahlt bis kleine Unruhemomente diese Ordnung brechen und Unbehagen erzeugen. Dieser visuelle Stil weist auch Parallelen zu Yorgos Lanthimos auf, der mit seinen fotografisch anmutenden, beinahe triptychonartigen Kompositionen ein ähnliches Spannungsverhältnis schafft.

    Doch „Islands“ funktioniert nicht nur über seine hypnotischen Bilder. Es ist das langsame Erzähltempo, das seine eigene Sogkraft entfalten kann. Der Film packt dabei nicht mit klassischen Thriller-Mechanismen, sondern zieht durch eine stetige, schleichende Ungewissheit seine Zuschauer*innen in seinen Bann.

    Wer sich darauf einlässt, wird in einen rätselhaften Strudel aus Andeutungen und latenter Bedrohung gezogen, was wiederum an „Burning“ erinnert.

    Sam Rileys Schauspiel ist so facettenreich in seiner Subtilität, dass das, was durch Mimik oder Gestik transportiert wird, oft mehr sagt als die gesprochenen Worte allein.

    So entsteht ein Mystery-Crime-Film, der viel Raum für unterschiedliche Interpretationen und Lesarten lässt.

    Für mich ist es ein Film über verpasste Chancen, Verantwortung, Verpflichtung, Freiheit und die eigene Sinnhaftigkeit.

    Gesehen im Rahmen der Berlinale 2025 in der Sektion Berlinale Special Gala.

    Bewertung: 8/10 ♥️

    Ausschnitt von Melanie aus der Pressekonferenz zu Islands vom 16.02.2025

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  • „A Thousand and One“ (2023) – Filmkritik: Ein bewegendes Sozialdrama über Identität, Gentrifizierung und Mutterliebe

    „A Thousand and One“ (2023) – Filmkritik: Ein bewegendes Sozialdrama über Identität, Gentrifizierung und Mutterliebe

    Bild: (c)Universal Pictures / Focus Features, eOne Features, LLC

    Ein kraftvolles Regiedebüt von A.V. RockwellTeyana Taylor brilliert in einer authentischen Geschichte über Kampf, Hoffnung und die Schattenseiten New Yorks.

    New York City, 1994: Die obdachlose Inez (Teyana Taylor) kehrt von einem Gefängnisaufenthalt zurück in die Straßen Brooklyns und versucht sich als Friseurin durchzuschlagen. Als sie mitbekommt, dass sich ihr 6-jähriger Sohn Terry (Aaron Kingsley Adetola), nach dem Versuch aus seiner Pflegefamilie auszubrechen, verletzt im Krankenhaus befindet, beschließt die unerschrockene Inez ihren Sohn zu entführen. Gemeinsam gelingt es ihnen, sich ein neues, gutes Leben aufzubauen, bis ihr Geheimnis aufzufliegen droht.

    „I’ll go to war for you, you know that? Against anybody. Against this whole fucked-up city.“ 

    A Thousand and One (2023) ist ein Film über Mutter und Sohn auf der Suche nach Identität & Stabilität in einer Welt voller Armut, Rassismus & systemischer Diskriminierung

    Mit starken, lebendigen Bildern der sich wandelnden, gentrifizierenden Stadt New York Citys, einem eindrucksvoll atmosphärischem Score und einem großartigen Schauspiel des gesamten Casts, überzeugt der Film mit dem Realismus seiner Bilder, übt damit beobachtend seine eindringliche Kritik an Politik und Gesellschaft. 

    Der unermüdliche Kampf der Mutter Inez, ihrem Kind unter allen Umständen eine Zukunft zu ermöglichen, die ihr selbst aufgrund ihrer Herkunft und Biographie verwehrt geblieben ist, berührt dank der hervorragend nuancierten Performance Teyana Taylors.

    „Look. I don’t know what the fuck to tell you, T. But there’s more to life than fucked-up beginnings.“ 

    Der Film schafft eine Form der Authentizität, die über erzählstrukturelle Lücken und Längen hinwegsehen lässt, da sie sich trotz episodenartigen Aufbaus organisch nachvollziehbar zu einem stimmigen Mosaik zusammenfügen

    Nur zurecht wurde das Debüt (!!) der afroamerikanischen Regisseurin und Drehbuchautorin A.V. Rockwell, die selbst in Queens, New York geboren und aufgewachsen ist, mit dem Hauptpreis der Jury auf dem Sundance-Festival prämiert.

    Bewertung: 8/10 ♥️

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  • „Yannick“ (2023) – Filmkritik: Quentin Dupieux’ clevere Gesellschaftssatire über Kunst, Elitismus und die Macht des Zuhörens

    „Yannick“ (2023) – Filmkritik: Quentin Dupieux’ clevere Gesellschaftssatire über Kunst, Elitismus und die Macht des Zuhörens

    Bild: © Chi-Fou-Mi Productions, Atelier de Production

    Ein unerwarteter Theatercrash wird zur schonungslosen Reflexion über Privilegien, Empathie und den fehlenden Dialog in unserer Gesellschaft.

    Yannick“ ist viel mehr als eine böse Gesellschaftssatire, die mit den Zuschauererwartungen spielt. Ist der Film auf der Meta-Ebene sicherlich auf den ersten Blick vor allem auch als Kritik an den eingefahrenen Formen von Kunst, Intellektualismus & Elitismus zu verstehen, entfaltet das Kammerspiel in seiner kurzen Laufzeit peu à peu noch viel mehr Spielraum für Interpretationen und regt weiter Diskurse über Kunstverständnis & Konventionen an.

    Letztlich geht es tatsächlich auch genau um die titelgebende Variable Yannick – ein Mensch, ein Zuschauer, der seiner Welt kurz entfliehen möchte und im Theater nach Zuflucht und Unterhaltung sucht. Er kritisiert das Theaterstück, die Schauspieler*innen, aber vor allen Dingen die herablassende, pseudointellektuelle Attitüde dieser. Dabei hat Yannick sehr wohl auch berechtigte Punkte und gute Argumente, die für ihn sprechen. Er sei aber ja nur ein Nachtwächter, der sich extra für dieses Stück Entertainment frei genommen hat, ein „Loser“, der sich hier so derart aufspielt.
    Blöd, dass man dem Loser erst zuhört, wenn er zur „Gefahr“ für andere wird, für die doch eher privilegiertere Mehrheit.

    Genau hier liegt meiner Meinung nach die Kernaussage des Films – unserer Gesellschaft fehlt es an Dialog und der Fähigkeit anderen Menschen wirklich zuzuhören, uns für diese zu interessieren.

    Es darf uns nicht erst interessieren, wenn es uns direkt betrifft. Interesse am Gegenüber hat dabei auch viel mit Menschlichkeit und Empathie zu tun, die in unserer schnelllebigen Leistungsgesellschaft oft auf der Strecke bleiben, uns aber ja sogar auch immer persönlich bereichern können, da der Mensch ohne soziale Bindungen nun mal auch nicht (über-)leben kann. Anstatt unserem Gegenüber wirklich zuzuhören und verstehen zu wollen, warum diese Person dieser Meinung ist und dementsprechend handelt, verpassen wir die Chance etwas dazu zu lernen und eine gute Lösung zu finden, entscheiden uns dann doch lieber für die gewaltvolle/gewaltbereite Eskalation.

    Unterschätze eben nie deine Mitmenschen, dein Gegenüber! Behandele Menschen nie von oben herab. Denn es wird immer jemanden geben, der es besser weiß als du und etwas besser kann als du. Und ist es nur eine unterhaltsamere Geschichte zu erzählen…

    Bewertung: 9/10 ♥️

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  • „Aus meiner Haut“ (2022) – Filmkritik: Ein intelligenter Sci-Fi-Liebesfilm über Identität, Körper und Selbstwahrnehmung

    „Aus meiner Haut“ (2022) – Filmkritik: Ein intelligenter Sci-Fi-Liebesfilm über Identität, Körper und Selbstwahrnehmung

    Bild:(c) X Verleih

    Wie viel trennt Körper und Geist? „Aus meiner Haut“ wirft große Fragen über Identität, Liebe und Selbstakzeptanz auf – in einer faszinierenden Mischung aus magischem Realismus und emotionaler Tiefe.

    „Aus meiner Haut“ ist kein komplizierter, verschachtelter Mysteryfilm, wenngleich er sich Elementen des magischen Realismus bedient, welche das komplexe Beziehungskonstrukt unserer beiden Hauptprotagonisten, Tristan (Jonas Dassler) und Leyla (Mala Emde), zum Wanken bringen.
    Dabei geht es hier eigentlich gar nicht unbedingt primär um die Beziehung zwischen Tristan und Leyla, sondern letztlich viel mehr um die Beziehung zu sich selbst und seinem Körper, allen voran der Frage, ob Körper und Geist getrennt oder als Einheit betrachtet werden sollten.

    Kann ein kranker, gebeutelter Körper auch den Geist krank machen oder ist es gar andersherum? Eine Frage mit der sich z. B. auch die Psychosomatik bereits in der Medizin immer häufiger auseinandersetzt, schließlich macht die mentale Gesundheit einiges an der ganzheitlichen körperlichen Gesundheit eines Menschen aus.

    Zwar erfahren wir im Verlauf des Films nur wenig über die Vergangenheit von Leyla und Tristan, dem vorliegenden Trauma und den Gründen der Depression Leylas, was für mich aber gerade die Stärke dieses Films ausmacht.

    Denn wie oft beantwortet man die Frage „Wie geht’s dir?“ eigentlich wahrheitsgemäß? Mal antwortet man aus Höflichkeit unehrlich, mal aus Schamgefühl, weil man den anderen nicht damit belasten will oder aus Selbstschutz, um sich nicht weiter damit auseinandersetzen zu müssen.
    Wie oft nehmen wir uns denn wirklich mal die Zeit, in uns hineinzuhorchen und zu ergründen wie es uns ergeht?

    Und wie soll eine außenstehende Person verstehen können, was man selbst gerade fühlt, wie man sich gerade fühlt, wenn diese so etwas noch nicht erlebt hat – eben nicht in deinem Körper steckt. Das muss sich auch Leyla gedacht haben, nachdem Tristan sie fragt „Geht es dir denn wirklich so schlecht?“

    Leyla fühlt sich anfangs gefangen im eigenen Körper, sieht das Experiment als eine Art Chance auf „Heilung“ und fühlt sich in anderen Körpern befreiter und lebendiger denn je. Im Verlauf des Films erlernt sie quasi nach und nach wieder zu leben ohne ihren schweren „Altlasten“ auf den Schultern ihres gebeutelten Körpers.

    Leylas psychischer wie körperlicher Zustand stellt ihre Beziehung zu Tristan auf die Probe. Kann man eine andere Person lieben, wenn man sich selbst nicht liebt? Verliebt man sich wirklich in den Menschen, die Persönlichkeit eines diesen oder doch viel mehr in die eigene Vorstellung dessen? Oder ist es doch das Oberflächliche eines Menschen, welches wir als Projektionsfläche nutzen?

    „Aus meiner Haut“ ist ein Film der viele Themen anreißt, einige Fässer aufmacht und in verschiedenste Gewässer mit seinen Fußspitzen eintaucht, um in erster Linie zum Nachdenken anzuregen. Dabei muss er nicht alles aussprechen, weiter konkretisieren oder ausmalen, darin liegt viel mehr die Stärke wie auch Freiheit des filmischen Gedankenexperiments.

    Hier wird nicht geurteilt oder vermessen etwas behauptet, nicht stigmatisiert oder bewertet – es liegt alles im Auge des Betrachters, der Perspektive, die man einzunehmen vermag.

    Der Film von Alex Schaad bietet viel Hirnfutter als Buffet an, wie sehr man sich daran bedient, hängt davon ab wie viel Hunger man mitbringt und wie schnell man von den Häppchen gesättigt ist.

    Wer Lust auf ein philosophisches Gedankenexperiment mit Körpertauschelementen aus „Altered Carbon“ und der mysteriösen Kommunenatmosphäre aus „Midsommar“ (ohne Horror!) hat, wird hier definitiv fündig.

    Fazit:Aus meiner Haut“ ist ein intelligenter SciFi-Liebesfilm aus Deutschland, der mit einfachen, aber cleveren, authentischen Dialogen und Wendungen äußerst erfrischend und geistig anregend auf mich wirkte. Klare Empfehlung, wer sich nach etwas zum Nachdenken sehnt!

    Bewertung: 8/10 ♥️

    Abenteuer Animation Berlinale Berlinale 2025 Biopic Deutsches Kino Doku Drama Fantasy Festivalberichterstattung Filme Filmfest Hamburg Filmfestival Filmfest München FILMZ Geschichte Horror Kino Komödie Krimi Kurzfilm Lichter Filmfest Frankfurt International Liebe Locarno Filmfestival Miniserie Musik Mystery Neo-Noir Psychothriller Romanze Satire Sci-Fi Serie Streaming Thriller Wahre Begebenheiten