Schlagwort: Deutsches Kino

  • „Rose“ – Filmkritik: Ein Unwetter zieht auf

    „Rose“ – Filmkritik: Ein Unwetter zieht auf

    © Match Factory, Piffl Medien

    17. Jahrhundert, während des Dreißigjährigen Krieges: Einige Jahre hat Rose (Sandra Hüller) als männlicher Soldat gekämpft – ein Projektil, welches seine rechte Wange durchschlug, vernarbt ihn permanent. Kämpfen konnte Rose, weil er sich als Mann ausgibt und gelesen wird. Als er mit einem Erbschein ausgestattet eines Tages in ein abgelegenes Dorf kommt und einen leerstehenden Hof für sich reklamiert, reagiert die Gemeinschaft verhalten. Doch Rose möchte sich niederlassen, sich integrieren. Funktioniert sein Vorhaben zunächst, zeigt er sich spendabel und hilfsbereit, heiratet sogar, bricht seine Scheinwelt nach einem Unfall beim Imkern in sich zusammen.

    Das deutsch-österreichische Historiendrama von Regisseur Markus Schleinzer will zum Diskutieren anregen. Gibt der Film Menschen, die wie Rose gelebt haben, eine Stimme? Wie verändert Rose die Geschlechterrollen (im festen binären System Mann/Frau) im Mikrokosmos protestantisches Dorf? Inwiefern kann sich Roses Ehefrau Suzanna (Caro Braun) selbst ermächtigen, wenn sie die Geschicke steuert, als sich Rose von zahlreichen Bienenstichen erholt? Und wie äußert sich die Antwort des Patriarchats, wenn es sich angegriffen fühlt? Schleinzer geht diese Fragen behutsam an, schneidet im entscheidenden Moment oft weg und füllt die Leerstellen durch Marisa Growaldt als Erzählerin aus dem Off. In poetisch anmutenden Worten überlässt sie es der Fantasie der Zuschauer*innen, jene Bilder zu füllen.

    Wenn Roses Konstrukt zu brechen beginnt und er sich Suzanne öffnet, offenbart sich der emotionale Kern des Films: das Zusammenspiel von Sandra Hüller und Caro Braun. Hüller bringt durch ihren Ruf eine angelegte Präsenz mit, mit der sich jede*r messen lassen muss. Ihre große Stärke, sich eine Figur einzuverleiben, zeitgleich sich aber nicht in den Vordergrund zu spielen, öffnet Räume, die Caro Braun zu nutzen weiß. Vorher als Theaterschauspielerin tätig, gibt sie in „Rose“ ein starkes Spielfilmdebüt. 

    Kameramann Gerald Kerkletz, der mit Schleinzer auch in seinen beiden vorherigen Filmen „Michael“ und „Angelo“ zusammengearbeitet hat, kreiert für „Rose“ einen einprägsamen Schwarz-weiß-Look mit satten Grautönen und starken Kontrasten. Die Kamera steht oft still, wahrt jene Distanz, die Rose von ihren Mitmenschen einfordert. In Erinnerung bleibt die arrangierte Hochzeit von Großbauertochter Suzanna und Rose. Die Kamera beobachtet die Zeremonie aus der Ferne, sodass die Kirche gut erkennbar, die Töne dumpf hörbar, aber die Menschen nicht identifizierbar sind. 

    Plagiatsvorwürfe und verschenktes Potenzial

    Roses Geschichte basiert auf Überlieferungen von Frauen, die sich als Männer ausgaben, um sich bessere Lebensumstände zu ermöglichen. So zumindest beschreiben mehrere während des Produktionsprozesses publizierte Artikel die historischen Vorbilder des Films. Die Darstellung bröckelt nun gewaltig, nachdem Autorin Angela Steidele einen Gastbeitrag für die FAZ verfasst hat, in dem sie dem österreichischen Regisseur Schleinzer vorwirft, ohne Rückfrage Inhalte aus ihrer Biografie „In Männerkleidern – Das verwegene Leben der Catharina Margaretha Linck alias Anastasius Lagrantinus Rosenstengel, hingerichtet 1721“ und ihren Roman „Rosenstengel“ übernommen zu haben. 

    Steideles Ausführungen lassen „Rose“ wesentlich konservativer wirken, als es anfangs scheint. Ihr größter Kritikpunkt am Film selbst ist, dass er „die atemberaubende Originalstory verstümmelt“, denn: Rosenstengels Geschlecht sei bei weitem fluider als im Film dargestellt, die beiden Verheirateten führten eine Liebesbeziehung und keine Zweckgemeinschaft, und die Strafen seien historisch inakkurat, da sie zu hart ausfielen. Ja, Rosenstengel wurde hingerichtet, aber die Argumente, welche Rose während des Prozesses vorgeworfen werden, hätten historisch kaum für eine Hinrichtung gereicht, argumentiert Steidele. Zudem wurde die historische Suzanna zu Zuchthaus und nicht zum Tod verurteilt. 

    „Rose“ steht in seiner Auflösung queeren Filmen aus dem 20. Jahrhundert vor dem New Queer Cinema nahe. Ein glückliches Ende kann es nicht geben. Selbst wenn die vermeintliche Vorlage Raum für eine gnädigere Auflösung bietet. Wenn der Film die Einschreibung einer inakkuraten, vor allem brutaleren Geschichte unternimmt, den Frauen den sicheren Tod zuschreibt, läuft er Gefahr, im schlimmsten Fall sogar zu schaden

    Diese Kritik erschien im Rahmen des Filmkritik Workshops, des Lichter Filmfest Frankfurt International 2026.

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  • Essay: „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?“(1932) – Die Zensur des letzten linken Films der Weimarer Republik

    Essay: „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?“(1932) – Die Zensur des letzten linken Films der Weimarer Republik

    Bild: © Praesens-Film, Alive Vertrieb und Marketing

    Am 12. November 1918, drei Tage nach der Ausrufung der Weimarer Republik, wurde die Aufhebung jeder Zensur verkündet. 1920, nur anderthalb Jahre später, wurden Filme mit dem Reichslichtspielgesetz erneut zensiert und erhielten eine Sonderstellung. Zu groß war die Angst konservativer bis rechter Parteien vor möglicher Beeinflussung der Bevölkerung durch revolutionäre Filme. Sollte ein Film im Kino aufgeführt werden, musste er erst von einer Filmprüfungsstelle oder der als höchster Instanz fungierenden Film-Oberprüfungsstelle in Berlin zugelassen werden. Einer solchen Prüfung unterzog sich auch „Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?“

    Kuhle Wampe oder: Wem gehört die Welt?

    Der proletarische Film ist in drei Akte aufgeteilt und handelt von den Folgen der Weltwirtschaftskrise, dargestellt anhand der Familie Bönike. Die ersten beiden Akte drehen sich um diese Familie und zeigen ihre prekäre Wohnsituation nach ihrem erzwungenen Umzug auf den titelgebenden Arbeiterzeltplatz Kuhle Wampe. Der letzte Akt zeigt ein Arbeiter*innensportfest und steht im Zeichen der Solidarität von Arbeiter*innen.

    Verwirklicht wurde der Film von einer Gruppe, bestehend aus dem Regisseur Slatan Dudow, den Schriftstellern Bertolt Brecht und Ernst Ottwalt und dem Komponisten Hanns Eisler. Die Dreharbeiten verliefen chaotisch, was vor allem mit dem geringen Budget zu tun hatte.

    Bild: © Praesens-Film, Alive Vertrieb und Marketing

    Die geldgebende Produktionsfirma Prometheus-Film GmbH ging während der Dreharbeiten bankrott, die Produktionsfirma Praesens-Film übernahm. Doch das Unternehmen konnte nur einen Teil der Kosten decken. Über die Dreharbeiten schrieben Wolfgang Gersch und Werner Hecht

    „So entstand ein Film, mit mehrfachen Unterbrechungen während der Arbeit, indem die Schauspieler und Mitarbeiter auf Honorare verzichteten und Tausende Arbeitersportler für eine S-Bahn-Fahrkarte und eine Bockwurst mitmachte. Der Film kam also unter in jeder Beziehung ungewöhnlichen Umständen zustande.“ 

    Der Fall ›Kuhle Wampe‹, 1969, S. 172.

    Dieser progressive und in vielerlei Hinsicht ungewöhnliche Film traf auf eine präfaschistische Filmzensur. 

    Zensur und ein letztes Halleluja der freien Meinungsäußerung 

    Die Filmprüfstelle in Berlin kam am 31. März 1932 zum Entschluss, dass der Film in der Lage sei, die „öffentliche Sicherheit und Ordnung und lebenswichtige Interessen des Staates zu gefährden“.[1] Die Aufführung des Filmes wurde untersagt. 

    Eine Reaktion folgte prompt. Noch am selben Tag reichte die Gegenseite eine Beschwerde gegen das Verbot ein. Es kam zu Demonstrationen und medial empörten sich vor allem linke bis linksbürgerliche Zeitungen. Das kommunistische Blatt Welt am Abend schrieb:

    „Ein guter Anschauungsunterricht für alle, die etwa immer noch glauben, dass der Unterschied zwischen dem schleichenden und offenen Faschismus sei so besonders groß“

    Welt am Abend, 1. April 1932[2]

    Am 9. April 1932 erhielt „Kuhle Wampe“ von der Film-Oberprüfstelle zunächst ein erneutes Verbot und wurde schließlich am 25. April stark zensiert und ohne Jugendfreigabe zur Vorführung freigegeben. Gersch und Hecht werten die Situation wie folgt: 

    „Einmal noch konnte sich in letzter Stunde der Druck der Öffentlichkeit, insbesondere der proletarischen Organisation, gegen die Kulturdiktatur des Staates durchsetzen – ein gewiß alarmierendes Ereignis für die im Hinterhalt lauernden Faschisten.“

    Der Fall ›Kuhle Wampe‹, 1969, S. 174.

    Eine wenig beachtete Uraufführung erlebte der Film in Moskau am 14. Mai 1932. Knapp zwei Wochen später, am 30. Mai, feierte der Film schließlich seine Deutschlandpremiere, in Berlin. Presseberichten zufolge, sollen rund 14.000 Menschen den Film in der ersten Woche gesehen haben. 

    Verbotene Stellen

    Das verschollene Drehbuch von „Kuhle Wampe“, macht es schwer nachzuvollziehen, welche Szenen zensiert wurden. Glücklicherweise haben Wolfgang Gersch und Werner Hecht in Kuhle Wampe. Protokoll des Films und Materialien nicht nur die veröffentlichte Version des Films protokolliert, sondern auch die Protokolle der Zensurprüfungen, sowie Presseberichte und Beiträge von Mitgliedern der Filmgruppe festgehalten. 

    Aus den Zensurprotokollen lassen sich Änderungen an der Originalversion des Films nachvollziehen. Um einen Eindruck zu vermitteln, welche Themen den Zensor*innen Dornen im Auge waren, möchte ich vier Stellen vorstellen: 

    1. „Halt ihm aber nicht gleich wieder die Notverordnung unter die Nase.“

    Diesen Satz sagt Mutter Bönike (Lilli Schoenborn) zu ihrem Ehemann (Max Sablotzki). Sie nimmt damit ihren arbeitslosen Sohn (Alfred Schäfer) in Schutz, der von Vater Bönike für das fehlende Geld verantwortlich gemacht wird. Im Film begeht der Sohn kurz nach dem Gespräch Suizid. 

    Die Filmprüfstelle untersagte mit dieser Streichung, Kritik am Staat. Die gemeinte Notverordnung stammt von Reichspräsident Paul von Hindenburg und sah eine Kürzung der Arbeitslosenunterstützung um zehn Prozent vor.

    Thematisch passend gibt es noch eine weitere zensierte Stelle, deren Kontext sich leider nicht rekonstruieren lässt: „Vielleicht siehst du dir auch mal die neue Verordnung über den Abbau der Arbeitslosenunterstützung an. Dreißig Mark weniger im Monat.“  

    2. „§ 218 Abs. 1: Eine Frau, die ihre Frucht im Mutterleib tötet oder die Tötung durch andere zuläßt, wird mit Gefängnis bestraft.“

    Ein Handlungsstrang dreht sich um Anni Bönikes (Hertha Thiele) Schwangerschaft und ihre Entscheidung, das Kind abzutreiben. Die Zensor*innen wollten offenbar Annis Überlegungen unsichtbar machen und verbaten die Einblendung des Paragrafen. In dieser und einer anderen Szene, in der Mitglieder des kommunistischen Arbeiter*innensportverbandes Geld für die Abtreibung aufbringen, sahen sie den Aufruf, sich dem Paragrafen zu widersetzen. 

    In der veröffentlichten Version ist die Schwangerschaft weiterhin Thema. Auf einem Spaziergang setzt eine Montage ein, als ihr eine Gruppe Kinder entgegenkommt. Diese beinhaltet assoziative Bilder, welche Anschaffungen sie nach der Geburt erwarten würden (Spielzeug, Kleidung, Lebensmittel) und assoziative Bilder zu den kostspieligen Vorbereitungen auf die Beerdigung ihres Bruders – eine Auseinandersetzung mit der kapitalistischen Realität, wenn es um Leben und Tod geht. Es ist wahrscheinlich, dass die Einblendung des Paragrafen Teil dieser Montage war. 

    3. Eine Bildfolge, in der ein Auto mit der Aufschrift „Fromm’s Acterscheint

    Bei „Fromm’s Act“ handelt es sich um das erste Markenkondom der Welt, erfunden von Julius Fromm und seit 1916 auf dem Markt. Die Filmprüfstelle hielt die Einblendung „für einen allzu billigen Hinweis darauf, wie die jungen Leute die aus ihrem Verhältnis erwachsenen Schwierigkeiten hätten vermeiden können“[3]

    Daraus lässt sich schließen, dass auch das Thema Verhütung ein Tabuthema für die Leinwände war, sei es auch nur für wenige Sekunden.

    4. Eine Nacktbadeszene

    Im Film gibt es eine Nacktbadeszene, in der eine Kirche an der anderen Seite des Ufers zu erkennen ist. Die Filmprüfstelle empört sich: 

    „Bei der Szene, in der die jungen Mädchen und Männer nackt baden, hört man im Hintergrund Kirchenglocken läuten und sieht den Kirchturm. Das ist doch absichtlich. Damit soll offenbar die kommunistische Nacktkultur in scharfen Gegensatz gestellt werden zur christlichen Kultur, auf der das deutsche Staatswesen beruht.“

    Filmprüfstelle Berlin, 31. März 1932[4]

    Die abwertenden Worte gegenüber dem Kommunismus sprechen Bände, über das Maß, bei dem in der Filmzensur bereits vor 1933 gemessen wurde. Denn die Zensur betraf vor allem progressive und kaum nationalistische Filme.

    Bild: Ein Schild erinnert heute, wo der Arbeiter*innenzeltplatz „Kuhle Wampe“ stand. © Leon Frank 

    Die Freude über die gewonnenen Proteste währte nicht lange. Am 26. März 1933 wurde der Film von der inzwischen faschistischen Filmprüfstelle verboten. Es war der letzte politisch linksgerichtete Film der Weimarer Republik.

    Ein kleiner Filmtipp zum Abschluss: Im DEFA-Dokudrama „Ein Feigenblatt für Kuhle Wampe“ aus 1975 wurden die Sitzungen der Filmprüfstellen, wie auch verbotene Szenen nachgestellt – unter anderem die Nacktbadeszene. 


    [1] Gersch/Hecht 1969, S. 110.

    [2] Zit. nach Gersch/Hecht 1969, S. 145.

    [3] Gersch/Hecht 1969, S. 139.

    [4] Gersch/Hecht 1969, S. 116.

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  • Highlights & Lowlights – FILMZ 2025 – Festivallogbuch

    Highlights & Lowlights – FILMZ 2025 – Festivallogbuch

    Bild: Eröffnung des FILMZ im Kleinen Haus des Staatstheaters Mainz © Melanie Eckert

    Hier ein kleiner Überblick über meine Festivalhöhepunkte und persönlichen Eindrücke zur 24. Ausgabe des FILMZ – Festival des deutschen Kinos in Mainz.

    Als gebürtige Mainzerin könnte man meinen, dass FILMZ längst zu meinen festen Kinotraditionen gehört. Doch erstaunlicherweise war das bislang (noch) nicht der Fall. Dieser Festivalbesuch war damit tatsächlich überfällig.

    Schon zu Schulzeiten kannte ich das FILMZ – und nahm mir jedes Jahr vor, irgendwann hinzugehen. Aber damals fehlte mir der Mut. Ich dachte, dort irgendwie nicht hinzupassen: zu jung, zu wenig filmgebildet, zu unsicher. Und so blieb es lange beim Vorsatz.

    2018 hatte ich dann die Ehre, im Capitol & Palatin als Programmkinomitarbeiterin anzufangen. FILMZ habe ich in dieser Zeit vor allem hinter den Kulissen erlebt: hinter dem Tresen, im Projektionsraum, im Kinosaal. Das Festival des deutschen Kinos wird vor allem von ehrenamtlichen, filmbegeisterten Menschen organisiert – überwiegend jungen Filmwissenschafts-Studierenden der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

    Und wie es bei ehrenamtlich getragenen Festivals oft der Fall ist, waren die Ausgaben sehr unterschiedlich gut organisiert – je nachdem, wer in welchem Jahr welche Aufgaben übernommen hat. Das soll nicht nach versteckter Kritik klingen, das ist schlichtweg die Realität eines jeden Filmfestivals, das auf die Mitarbeit von Ehrenamtlichen und Volontär*innen – und damit auf deren Engagement und Idealismus – angewiesen ist.

    Mein „Irgendwann“ wurde schließlich die 24. Ausgabe von FILMZ – meine erste, die ich als akkreditierte Besucherin bewusst wahrgenommen und erlebt habe. Warum ausgerechnet 2025?

    Weil ich nach der Berlinale, dem Filmfest München und dem Locarno Filmfestival endlich nicht mehr das Gefühl hatte: Was mache ich hier? Ich gehöre hier nicht hin. Weder so richtig zu den passionierten Kinobesucher*innen noch zum professionellen Fachpublikum.
    Lange dachte ich, meine Liebe zum Film allein und der Traum, selbst mal Filme zu machen, gäben mir noch kein „Recht“, auf Festivals zu sein. Inzwischen weiß ich: doch genau oder gerade deswegen.

    Ich habe die besagten Festivals als sehr unterschiedliche Communities kennenlernen und erleben dürfen. Umso neugieriger war ich auf die FILMZ-Community in meiner Heimatstadt, die mir ja teilweise bereits bekannt war. Gleichzeitig hatte ich die Befürchtung, dass sich weniger junge Menschen für ein Filmwissenschaftsstudium in Mainz entscheiden – zumal die Medienstadt Mainz im Vergleich zu anderen Studienorten filmkulturell eher klein wirkt: ein Programmkino, ein Multiplex – das war’s.

    Da hab ich mich zum Glück getäuscht. Denn FILMZ hat spürbar jungen Zuwachs bekommen – und zwar nicht nur in Anzahl, sondern auch in Haltung. Viele neue Gesichter bereichern das Festivalteam mit ihrem Engagement, ihrer Freundlichkeit und Achtsamkeit; sie tragen das Festival in allen Bereichen mit, bis hinein in die Festivalleitung. Selten habe ich eine so herzliche, offene Danksagung an das eigene Festivalteam erlebt wie bei der Eröffnung (!) von FILMZ 2025. Dieser Moment allein hat mich sehr berührt – und hat gleichzeitig den Ton für die folgenden Festivaltage gesetzt.

    Highlights – Features

    • Heldin | 9/10 ♥️
    • Night of the Coyotes | 8/10
    • Wohin mit mir? | 8/10 ♥️
    • Rabia | 7/10
    • Der Tod ist ein Arschloch | 7/10
    • Das deutsche Volk | 7/10

    Bild: © Letterboxd / @hungrylikeafox

    Highlights – Shorts

    • Queer Exile | 7/10
    • Square Peg in a Black Hole | 7/10
    • Shut Up And Suffer | 6/10
    • Häppchen | 6/10

    Lowlights

    Hier findet sich nur ein Film wieder, der mich im Gegensatz zu vielen anderen im Publikum deutlich weniger überzeugt hat – und der ironischerweise aber den Langfilmwettbewerb gewonnen hat.

    • Danke für nichts | 4/10

    Fazit

    Neben der spürbaren Herzlichkeit des Festivalteams hat mich vor allem das Programm überzeugt: der Dokumentarfilm- und Kurzfilmwettbewerb, das Symposium „Arbeit und Klasse“, das Spotlight: Deutsch-Türkisches Kino sowie die vom Soroptimist Club Mainz kuratierten SI STAR-Filme.

    Dass die Wettbewerbe vom Publikum entschieden werden, macht das FILMZ nur noch sympathischer – und beschließt mein Festivaljahr auf genau die liebevolle, inspirierende Weise, die ich mir gewünscht hatte.

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  • „Rave On“ (2025) – Warum wir bleiben, wenn wir längst gehen sollten

    „Rave On“ (2025) – Warum wir bleiben, wenn wir längst gehen sollten

    Bild: © Weltkino

    Eine essayistische Filmkritik über Techno, Drogen, Eskapismus, Quarterlife Crisis und die Sehnsucht nach Verbindung – in der Berliner Clubkultur

    Eine Nacht, ein Rausch, ein Rave.

    In Rave On“ (Regie & Drehbuch: Viktor Jakovleski & Nikias Chryssos) wird nicht viel erklärt, sondern vielmehr erlebt. Wer hier eine stringente Handlung erwartet, wird vermutlich enttäuscht. Denn dieser Film funktioniert eher wie eine ausufernde Clubnacht: chaotisch, atmosphärisch, treibend, manchmal bewusstseinsverändernd, manchmal einfach nur anstrengend – aber irgendwie trotzdem aufregend und vor allem ehrlich in seiner vermeintlichen Inhaltslosigkeit.

    Im Zentrum steht Kosmo (Aaron Altaras), einst gefeierter DJ, heute Produzent, eher Beobachter seiner selbst. Sein Plan für den Abend ist schlicht, fast naiv: Er will seinem Idol Troy Porter (Jamal Moss aka Hieroglyphic Being) in seinem alten Lieblingsclub in Berlin seine neue Platte persönlich überreichen – ein letzter Versuch, einen Traum zu retten, der Jahre zuvor in genau diesem Club zerbrach. Was als relativ simpler Plan beginnt, entgleitet ihm schnell und verwandelt sich in einen fiebrigen Trip, in dem Realität und Rausch, Nostalgie und Ernüchterung miteinander verschwimmen.

    Rave On“ fühlt sich an wie ein durchtanzter Fiebertraum, der sich manchmal zieht, dann wieder beschleunigt, der sich in Stroboskoplicht auflöst und sich irgendwo zwischen Ekstase und Selbstverlust verflüssigt. Man kann ihn nicht kontrollieren. Man muss sich ihm hingeben – oder draußen bleiben.

    Die Dialoge wirken lebendig, ungefiltert, beiläufig – erstaunlich realistisch. Sie klingen selten nach „Film“, sondern eher wie die Gespräche, die man um fünf Uhr morgens an irgendeiner Bar führt – mal ehrlich, mal tiefgründig, mal belanglos, mal benebelt, aber für einen kurzen Moment verstanden.

    Das Schauspiel – allen voran Aaron Altaras – ist so nuanciert und unmittelbar, dass man die Figur Kosmo fast körperlich fühlen kann. Seine Entschlossenheit. Seine Unsicherheit. Seine Sehnsucht. Sein Stolpern. Sein Straucheln. Sein verzweifeltes Festhalten an einer Vision, die schon beim Betreten des Clubs zum Scheitern verurteilt scheint. Altaras’ bemerkenswerte Intensität und Leichtigkeit im Spiel tragen den Film und machen ihn greifbar. Weil man ihm glaubt. Weil man spürt, dass er etwas sucht – vielleicht Bestätigung, vielleicht Anschluss, vielleicht einfach nur ein kurzer Moment der Wärme.

    Kosmo will eigentlich nichts nehmen, will clean bleiben. Doch der Widerstand hält nur so lange, bis ihn die Nacht und ihre Versuchungen einholen. LSD, Speed, Hasch, Keta – der Cocktail wirkt. Nicht zuletzt durch Kamera-, Bild- und Toneffekte kann man förmlich spüren, wie sich die Wahrnehmung mit jeder Substanz verschiebt. Nicht überinszeniert, nicht bagatellisiert – authentisch. Der Geruch von triefendem Schweiß, ein klebriger Clubboden, bekannte Gesichter, pure Reizüberflutung. Einst Kosmos Zuhause, wirkt die Berliner Technoszene auf ihn heute eher fremd: weniger subversiver Rückzugsraum als ästhetisierte Scheinfreiheit, Fake-Deep-Talks, aber auch Momente echter Achtsamkeit und aufrichtiger Menschlichkeit.

    Film als Vibe & Kommentar Der Club als Spiegel der Gesellschaft

    Die Berliner Technoszene wird hier nicht verklärt, sondern gespiegelt. Es geht weniger um Musik als um Vibe und Style. Eine Clubnacht wird zur Sinnsuche, zum Fiebertraum zwischen Awareness-Raum und Keta-Überdosis, zwischen spirituellem Palaver und echter Verbundenheit, zwischen Zigaretten nach dem Sex und einem Schulterklopfen von Fremden, das mehr Trost spendet als das Hochgefühl auf dem Dancefloor.

    Ja, „Rave On“ hat wenig Plot. Aber genau das macht ihn so treffend. Wie eine echte Partynacht ist er weniger narrativ als atmosphärisch. Rhythmisch, synthetisch, hypnotisch, repetitiv – wie der Sound, den er einfängt. Man wandert von Raum zu Raum, verliert das Zeitgefühl, verliert die Orientierung, verliert irgendwann die eigenen Grenzen. Und am Morgen kommt die Hangxiety, der Comedown, die Leere – aber auch das eigenartige Gefühl, etwas erlebt zu haben, das nur in dieser diffusen Zwischenwelt möglich war.

    Da sind wir bei den Fragen, die der Film nur andeutet, aber nie direkt ausspricht – zur Mechanik hinter dem Rausch:

    Warum konsumieren wir eigentlich? Warum können wir nicht aufhören, wenn genug ist? Ballern weiter, trinken weiter… bis zum Blackout? Warum bleiben wir noch ein bisschen, wenn wir längst zu müde sind, draußen die Sonne schon aufgeht, der erste Bus wieder fährt?

    Ist es wirklich FOMO? Haben wir wirklich Angst, etwas zu verpassen oder ist es die Gier nach mehr? Und nein, nicht unbedingt die Gier im eigentlichen Sinne, kein reiner Hedonismus, sondern eher die Neugier, die einen antreibt, vielleicht eben doch noch zu bleiben? In der leisen Hoffnung, dass doch noch irgendetwas passiert? Etwas von Bedeutung? Etwas, das uns länger vom Alltag entfliehen lässt?

    Techno wird hier zur Metapher für Gier, Neugier, Selbstverlust – und das Bedürfnis, sich aufzulösen und gleichzeitig wiederzufinden.

    Der Film verharmlost Drogen nicht. Er entzaubert sie. Zeigt, wie leer das Versprechen dahinter ist. Wie fragil das Glück. Wie schnell man im Awareness-Raum landet, ohne sich an den Weg dorthin zu erinnern. Und wie viele Menschen in diesen Nächten eigentlich nach Verbindung suchen, nicht nach Ekstase.

    Freiheit & Privileg – die männliche Perspektive

    Man könnte fragen: Braucht es wirklich wieder einen männlichen Protagonisten in seiner Quarterlife Crisis?
    In diesem Fall: ja. Denn ein solcher Film funktioniert gerade deshalb, weil er zeigt, wie unbedarft, kopflos und frei ein Mann sich allein (!) in dieser Nacht treiben lassen kann – ohne Angst vor Übergriffen, ohne ständiges Kontrollieren der eigenen Grenzen. Eine weiblich gelesene Figur hätte diese Nacht nicht so selbstverständlich derart sorglos erleben können – und das ist keine Moralkeule, sondern Realität. Die Naivität, die Freiheit, die Unachtsamkeit des männlichen Protagonisten – das ist ein Privileg.

    Zeitgeist, Rausch & Realitäten

    Gleichzeitig spiegelt „Rave On“ auch unsere Gegenwart wider. Die Annahme, Gen Z würde kaum noch trinken – „Enthaltsamkeit ist der neue Rausch“ – scheint eine andere Realität auszublenden. Denn Perspektivlosigkeit, Angstzustände, Depression und Stress sind in dieser Generation präsent wie kaum zuvor. Es wäre naiv zu glauben, dass sie deshalb komplett enthaltsam lebt. Die Rauschmittel verändern sich, nicht jedoch der Wunsch nach Rausch. Der Wunsch nach einem kurzen Ausweg aus einer Welt, die zu laut, zu schnell, zu überwältigend ist.

    Der Film wird in seinen besten Momenten zu einem Spiegel dieser Lebenswelten. Man kann auch völlig nüchtern auf einem Rave sein und trotzdem oder gerade deswegen die unschönen Seiten und unangenehmen Wahrheiten der aktuellen Partykultur sehen, oder eben seine Augen davor verschließen und so tun, als hätte man diese Parallelwelt nie gesehen. Denn richtig, sich etwas vorzumachen, ist auch eine Form der Realitätsflucht, nur eben eine kontrolliertere und bewusstere.

    Rave On“ ist weder moralische Abrechnung noch verherrlichender Partyfilm. Er ist ein ungeschöntes Porträt einer Berliner Clubnacht – ein Rauschfilm ohne Romantisierung, ein Vibe-Film ohne Pose.

    Wer sich darauf einlässt, wird eine ehrliche, rohe, manchmal anstrengende, manchmal faszinierende Erfahrung machen – wie eine Nacht, die nicht unbedingt gut war, aber erkenntnisreich.
    Eine Nacht, die man teils bereut und gleichzeitig schätzt, weil man irgendwie froh ist, dabei gewesen zu sein.

    In diesem Sinne: Rave on – but be aware of the K-hole.

    Gesehen im Rahmen des Filmfest München 2025 in der Sektion Neues Deutsches Kino

    Bewertung: 7/10

    Abenteuer Animation Berlinale Berlinale 2025 Biopic Deutsches Kino Doku Drama Fantasy Festivalberichterstattung Filme Filmfest Hamburg Filmfestival Filmfest München FILMZ Geschichte Horror Kino Komödie Krimi Kurzfilm Lichter Filmfest Frankfurt International Liebe Locarno Filmfestival Miniserie Musik Mystery Neo-Noir Psychothriller Romanze Satire Sci-Fi Serie Streaming Thriller Wahre Begebenheiten

  • „Aus meiner Haut“ (2022) – Filmkritik: Ein intelligenter Sci-Fi-Liebesfilm über Identität, Körper und Selbstwahrnehmung

    „Aus meiner Haut“ (2022) – Filmkritik: Ein intelligenter Sci-Fi-Liebesfilm über Identität, Körper und Selbstwahrnehmung

    Bild:(c) X Verleih

    Wie viel trennt Körper und Geist? „Aus meiner Haut“ wirft große Fragen über Identität, Liebe und Selbstakzeptanz auf – in einer faszinierenden Mischung aus magischem Realismus und emotionaler Tiefe.

    „Aus meiner Haut“ ist kein komplizierter, verschachtelter Mysteryfilm, wenngleich er sich Elementen des magischen Realismus bedient, welche das komplexe Beziehungskonstrukt unserer beiden Hauptprotagonisten, Tristan (Jonas Dassler) und Leyla (Mala Emde), zum Wanken bringen.
    Dabei geht es hier eigentlich gar nicht unbedingt primär um die Beziehung zwischen Tristan und Leyla, sondern letztlich viel mehr um die Beziehung zu sich selbst und seinem Körper, allen voran der Frage, ob Körper und Geist getrennt oder als Einheit betrachtet werden sollten.

    Kann ein kranker, gebeutelter Körper auch den Geist krank machen oder ist es gar andersherum? Eine Frage mit der sich z. B. auch die Psychosomatik bereits in der Medizin immer häufiger auseinandersetzt, schließlich macht die mentale Gesundheit einiges an der ganzheitlichen körperlichen Gesundheit eines Menschen aus.

    Zwar erfahren wir im Verlauf des Films nur wenig über die Vergangenheit von Leyla und Tristan, dem vorliegenden Trauma und den Gründen der Depression Leylas, was für mich aber gerade die Stärke dieses Films ausmacht.

    Denn wie oft beantwortet man die Frage „Wie geht’s dir?“ eigentlich wahrheitsgemäß? Mal antwortet man aus Höflichkeit unehrlich, mal aus Schamgefühl, weil man den anderen nicht damit belasten will oder aus Selbstschutz, um sich nicht weiter damit auseinandersetzen zu müssen.
    Wie oft nehmen wir uns denn wirklich mal die Zeit, in uns hineinzuhorchen und zu ergründen wie es uns ergeht?

    Und wie soll eine außenstehende Person verstehen können, was man selbst gerade fühlt, wie man sich gerade fühlt, wenn diese so etwas noch nicht erlebt hat – eben nicht in deinem Körper steckt. Das muss sich auch Leyla gedacht haben, nachdem Tristan sie fragt „Geht es dir denn wirklich so schlecht?“

    Leyla fühlt sich anfangs gefangen im eigenen Körper, sieht das Experiment als eine Art Chance auf „Heilung“ und fühlt sich in anderen Körpern befreiter und lebendiger denn je. Im Verlauf des Films erlernt sie quasi nach und nach wieder zu leben ohne ihren schweren „Altlasten“ auf den Schultern ihres gebeutelten Körpers.

    Leylas psychischer wie körperlicher Zustand stellt ihre Beziehung zu Tristan auf die Probe. Kann man eine andere Person lieben, wenn man sich selbst nicht liebt? Verliebt man sich wirklich in den Menschen, die Persönlichkeit eines diesen oder doch viel mehr in die eigene Vorstellung dessen? Oder ist es doch das Oberflächliche eines Menschen, welches wir als Projektionsfläche nutzen?

    „Aus meiner Haut“ ist ein Film der viele Themen anreißt, einige Fässer aufmacht und in verschiedenste Gewässer mit seinen Fußspitzen eintaucht, um in erster Linie zum Nachdenken anzuregen. Dabei muss er nicht alles aussprechen, weiter konkretisieren oder ausmalen, darin liegt viel mehr die Stärke wie auch Freiheit des filmischen Gedankenexperiments.

    Hier wird nicht geurteilt oder vermessen etwas behauptet, nicht stigmatisiert oder bewertet – es liegt alles im Auge des Betrachters, der Perspektive, die man einzunehmen vermag.

    Der Film von Alex Schaad bietet viel Hirnfutter als Buffet an, wie sehr man sich daran bedient, hängt davon ab wie viel Hunger man mitbringt und wie schnell man von den Häppchen gesättigt ist.

    Wer Lust auf ein philosophisches Gedankenexperiment mit Körpertauschelementen aus „Altered Carbon“ und der mysteriösen Kommunenatmosphäre aus „Midsommar“ (ohne Horror!) hat, wird hier definitiv fündig.

    Fazit:Aus meiner Haut“ ist ein intelligenter SciFi-Liebesfilm aus Deutschland, der mit einfachen, aber cleveren, authentischen Dialogen und Wendungen äußerst erfrischend und geistig anregend auf mich wirkte. Klare Empfehlung, wer sich nach etwas zum Nachdenken sehnt!

    Bewertung: 8/10 ♥️

    Abenteuer Animation Berlinale Berlinale 2025 Biopic Deutsches Kino Doku Drama Fantasy Festivalberichterstattung Filme Filmfest Hamburg Filmfestival Filmfest München FILMZ Geschichte Horror Kino Komödie Krimi Kurzfilm Lichter Filmfest Frankfurt International Liebe Locarno Filmfestival Miniserie Musik Mystery Neo-Noir Psychothriller Romanze Satire Sci-Fi Serie Streaming Thriller Wahre Begebenheiten

  • „Styx“ (2018) – Filmkritik: Ein kompromissloser Blick auf Menschlichkeit, Privilegien und moralische Dilemmata auf hoher See

    „Styx“ (2018) – Filmkritik: Ein kompromissloser Blick auf Menschlichkeit, Privilegien und moralische Dilemmata auf hoher See

    Bild: © Zorro / 24 Bilder

    Wolfgang Fischers „Styx“ überzeugt mit starker Bildsprache und intensiver Stille, hinterlässt aber auch einen faden Beigeschmack westlicher Perspektiven.

    Styx“ ist nüchtern, kompromisslos, aber auch privilegiert.

    Viele Fragen tun sich im Laufe des Films auf, auf die weder die Figuren, noch der Film, noch das Publikum so recht eine Antwort suchen bzw. wissen.

    Sicherlich sind die mythologischen Verweise spannend bis passend und auch die metaphorische Kontextualisierung zu Charles Darwins Insel Ascension wie Asa Gray wirkt erstmal stimmig. Für mich bleibt in diesem Zusammenhang allerdings eher ein fader Beigeschmack, da „Styx“, vor allem beim Drehbuch und den Dialogen, doch immer eine westliche, bildungsbürgerliche Perspektive auf die Geschehnisse im Film einnimmt und diese unangenehm durchdringt.

    Hier funktioniert „Styx“ für mich in den wortlosen bis wortkargen Szenen wesentlich besser, ist in diesen insgesamt deutlich stärker.

    Susanne Wolffs Schauspiel wirkt dem schwächelnden Drehbuch deutlich entgegen, doch ist mir die Rolle des Jungen viel zu einseitig geschrieben, wenngleich fantastisch durch Gedion Oduar Wekesa gespielt.

    Fazit: Das reine Schauspiel, wie auch die Kamera- und Tonarbeit, sorgen letztlich trotzdem für einen bildgewaltigen Film, der einen wichtigen Beitrag zum Flüchtlingsthema leistet und die Fragen nach Menschlichkeit und Altruismus aufwirft, jedoch angenehm unbequem unbeantwortet lässt.

    Bewertung: 7/10

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