Kategorie: Artikel

  • Jahresrückblick 2025 | Leon 

    Jahresrückblick 2025 | Leon 

    Bild: © Two Seasons, Two Strangers Production / The Fool / Bitters End

    Das Kinojahr 2025 ist vorbei und für mich bleibt ein etwas ernüchterter Blick zurück. Ich habe mich in diesem Jahr eher auf ältere Filme (und meine Bachelorarbeit) konzentriert, weshalb ich weniger gesehen habe als gewöhnlich. Listenkandidaten wie „One Battle After Another“ oder „Sentimental Value“ blieben mir bisher verwehrt – Filme wie „Bugonia“ und „Ein einfacher Unfall“ haben mich leider enttäuscht.  

    Es verbleiben fünf Filme, die in für mich aktiveren Kinojahren teilweise auch auf einer Geheimtipp-Liste hätten landen können. Diese sollen nun hier gebührend Erwähnung finden! Achtung: Manche Filme haben ihren Kinostart erst 2026 oder suchen noch einen Verleih.

    Unter den Filmen finden sich zwei weitere Top-Listen: Eine mit Lang- und eine mit Kurzfilmen, die ich 2025 entdeckt habe. Wirf auch dort gerne einen Blick hinein!

    Ich blicke hinaus auf ein ereignisreicheres 2026 – für meinen Letterboxd-Account, aber auch für Cinescaped!   

    1. „The Mastermind“  

    Bild: © Mubi

    Mein Liebling aus diesem Jahr! Josh O’Conner spielt das, was er am besten spielt: Einen Drifter auf der Suche nach etwas – in diesem Fall etwas nicht Vorhandenem. Kelly Reichardt inszeniert hier einen Slow-Heist-Film, der seine eigenen Strukturen nach und nach auflöst.  

    2. „Eight Postcards from Utopia“ 

    Bild: © Heretic

    Hochinteressante Found-Footage-Dokumentation von Radu Jude und Christian Ferencz-Flatz, bestehend aus Werbeclips aus dem postsozialistischen Rumänien. In acht Kategorien aufgeteilt, offenbart der Film in den Kapitalismus gesetzte Hoffnungen, die heute (und wohl auch damals) absurd wirken. André Pitz schrieb passend in seiner Review: „Es wird suggeriert: Der Mensch ist nur, wenn er konsumiert.“ 

    3. „Do You Love Me?“

    Bild: © Lightdox / Films de Force Majeure / My Little Films / Wood Water Films

    Von Lana Daher kuratierte audiovisuelle Reise durch 70 Jahre libanesische Geschichte. Beim Q&A auf dem Filmfest Hamburg erzählte einer der Produzenten, dass Daher erst durch den Film erkannt habe, dass sie in einem Kriegsgebiet aufgewachsen ist. Die Spuren haben sich im Material verewigt. 

    4. „Kontinental 25‘“

    Bild: © Grandfilm

    Moralische Abgründe à la Radu Jude. Über eine Gerichtsvollzieherin (Eszter Tompa), die nach dem Selbstmord eines Obdachlosen, an dem sie eine Teilschuld trägt, verzweifelt versucht ihr Gewissen reinzuwaschen. Judes Satire wird begleitet von einem für ihn charakterisierenden Internet-Humor. Sidenote: In einer Bar hängt ein „Kuhle Wampe: oder Wem gehört die Welt?“-Poster! Über den Film habe ich im Sommer meine Bachelorarbeit geschrieben und zur Zensurgeschichte des Films erscheint demnächst ein Artikel. 

    5. „Two Seasons, Two Strangers“ 

    Bild: © Two Seasons, Two Strangers Production / The Fool / Bitters End

    Ein Film-in-Film: Regisseur Shô Miyake untersucht in zwei Episoden die Beziehungen von Fremden, die an unterschiedlichen Orten und Jahreszeiten aufeinandertreffen. Im Fokus stehen dabei nicht nur die Jahreszeiten Sommer und Winter, sondern auch die Elemente Wasser und Eis. Herausgekommen ist ein ruhiger, minimalistischer und angenehm zu schauender Film. 

    Alte Neu-Entdeckungen

    1. The Strange Case of Angelica (2010)
    2. High and Low (1963)
    3. Blow Out (1981)
    4. Once (2007)
    5. Jacquot de Nantes (1991)
    6. Mishima – Life in Four Chapters (1985)
    7. Deep Red (1975)
    8. The Bitter Stems (1956)
    9. Fargo (1996)
    10. Le Circle Rouge (1970)

    Kurzfilm-Entdeckungen

    1. Lloyd Wong, Unfinished (2025)
    2. Der Ausdruck der Hände (1997)
    3. Buba (1930)
    4. Castle of Otranto (1977)
    5. Roulement, rouerie, aubage (1978)
    6. Podwórka (2009)
    7. Nr. 1 – Aus Berichten der Wach- und Patrouillendienste (1985)
    8. The Exquisite Corpus (2015)
    9. Chess Fever (1925)
    10. New York Portrait, Chapter II (1981)

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  • „Blue Moon“ (2025) – Zwischen Jazz, Dialog und Sentimentalität – Ein persönlicher Festivalessay über die Magie des Kinos

    „Blue Moon“ (2025) – Zwischen Jazz, Dialog und Sentimentalität – Ein persönlicher Festivalessay über die Magie des Kinos

    Bild: © Sabrina Lantos / Sony Pictures Classics

    Warum mich Richard Linklaters Echtzeitfilm über Kunst, Freundschaft und Musik nachhaltig berührt hat


    Wir schreiben meinen sechsten Festivaltag auf der Berlinale 2025. Vierzehn Filme haben bereits ihre Spuren hinterlassen – im Kopf wie auch im Körper. Denn mit jedem weiteren Festivaltag verdichtet sich nicht nur das Erlebte, sondern auch der Schlafmangel, unter dem die ein oder andere Früh- und Spätvorstellung bereits leiden musste.

    Doch an diesem Dienstagvormittag überwiegt vor allem eines: meine gute Laune und die pure Vorfreude auf die Weltpremiere von „Blue Moon“ (2025), dem neuen Film von Richard Linklater, wegen dem ich unter anderem überhaupt zur Berlinale wollte. Ein guter Freund und Kollege hält mir dankenswerterweise einen Platz im Berlinale Palast frei, die Vorstellung ist – wenig überraschend – auch als Pressevorführung gut besucht.

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    Der Film erzählt die Geschichte des Songwriters Lorenz Hart (Ethan Hawke), der den Abend des 31. März 1943 in der Bar Sardi’s verbringt. Hier findet die Premierenfeier des erfolgreichen Musicals „Oklahoma!“ seines ehemaligen Partners, dem Komponisten Richard Rodgers (Andrew Scott) statt, auf der es sich nur so nach anderen bekannten Künstler*innen mit Rang und Namen tummelt. In Echtzeit schildert der Film die Ereignisse des Abends, die ein Bild von Freundschaft, Liebe und Kunst zeichnen, welches mich zutiefst berührt hat.


    Schon lange habe ich nicht mehr so viel während eines Films geschmunzelt; vor Freude, Lachen und Traurigkeit Tränen vergossen. Es hat mich so glücklich gemacht, diesen Film in einem so großen Saal mit so vielen anderen Leuten zu sehen, die offenbar genauso viel Spaß hatten wie ich und an den gleichen Stellen wie ich sichtlich ergriffen waren. Ich hätte Ethan Hawke als Lorenz Hart stundenlang zuhören können – nicht nur, weil er diesen fantastisch spielte, sondern weil er dieser Figur derart Leben einhauchte, dass ich ihr hätte weiter zuhören wollen, wie sie begeistert ihre Anekdoten erzählt.


    Es fühlte sich für mich so an, als säße ich mit Lorenz Hart am Tresen bei Barkeeper Eddie (Bobby Cannavale) und lausche dem ganzen Geschehen – so als wäre ich wirklich vor Ort dabei und hätte alles miterlebt. Die Dialoge waren anekdotisch, philosophisch, poetisch, scharfsinnig, witzig und mit so viel Sanftmut, Detailverliebtheit und Sentimentalität versehen, dass ich jeder Figur etwas abgewinnen konnte, weil jede Figur in all ihrer Ambivalenz mit so viel Feingefühl und Liebe behandelt wurde.


    Trotzdem kam mir ein Andrew Scott ein wenig zu kurz als Richard Rodgers und eine Margaret Qualley ging auch etwas unter als Elizabeth Weiland. Inwiefern das dem Fokus auf Lorenz Hart geschuldet ist oder den wahren Begebenheiten zur damaligen Zeit, das kann ich so leider nicht beurteilen. Auch eine der Fragen, die ich sehr gerne auf der Pressekonferenz gestellt hätte.


    Macht es den Film für mich weniger gut? Nein, denn ich konnte mich voll und ganz auf den Film und seine Figuren einlassen. Ich hatte Spaß mit dem Film, war unterhalten, berührt und ergriffen. Dass Lorenz Hart ausgerechnet zwei meiner liebsten Jazzstandards mit „Blue Moon“ (1933) und „My Funny Valentine“ (1937) geschrieben hatte, machte das Kinoerlebnis für mich nur noch besonderer.

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    Nach dem Film joggen alle, die die Pressekonferenz von „Blue Moon“ im Anschluss auf dem Schirm haben, ins Grand Hyatt Hotel. Gerade so finde ich noch einen Platz. Ich überlege mir also während des Rennens die Fragen, die ich stellen möchte und schreibe diese am Platz als Notiz in mein Handy. Ich muss auf jeden Fall die Fragen ablesen, denke ich mir. Zu aufgeregt bin ich, mit Richard Linklater und Ethan Hawke in einem Raum zu sitzen. Zu übermüdet bin ich, um noch weiter klar denken und spontan reagieren zu können, denn der Schlafmangel der vergangenen Tage ist hiermit doch allgegenwärtig. So melde ich mich, allerdings nie energisch genug, nie auffällig genug. Ich werte ein Nicken des Moderators als ein OK zu viel und komme natürlich nicht mehr dran, weil ich mich ja auch noch nebenbei auf die Antworten und Fragen der anderen konzentriere. Schade!


    Doch schnell verfliegt die Enttäuschung über eine verpasste Frage. Zurück bleibt die Dankbarkeit, diesen Film einer meiner Lieblingsregisseure bei seiner Weltpremiere auf der Berlinale gesehen haben zu dürfen – ein besonderes Kinoerlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde.

    Gesehen im Rahmen der Berlinale 2025 in der Sektion Wettbewerb 2025.

    Bewertung: 9/10 ♥️

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  • „Lurker“ (2025) – Filmkritik: Wenn Fan-Sein zur Obsession wird

    „Lurker“ (2025) – Filmkritik: Wenn Fan-Sein zur Obsession wird

    Bild: © Universal Pictures International Germany

    Théodore Pellerin und Archie Madekwe glänzen in Alex Russells Regiedebüt – Ein Psychothriller über Ruhm, Anerkennung und soziale Hierarchien

    Der junge Matthew (Théodore Pellerin) arbeitet in einem Bekleidungsladen, wo er auf den angehenden Popstar Oliver (Archie Madekwe) trifft. Mit einer scheinbar unbedeutenden Geste zieht er Olivers Aufmerksamkeit auf sich – und gewinnt ihn für sich. Oliver nimmt Matthew in seinen inneren Kreis auf. Matthew genießt diesen besonderen Status in Olivers Entourage, bis er merkt, dass er gar nicht so besonders ist, wie er dachte und eben doch austauschbar ist.


    Zu Beginn erweckt „Lurker“ den Eindruck eines leichten Dramas über eine ungleiche Freundschaft – vielleicht sogar einer schwulen Liebesgeschichte. Stattdessen entfaltet sich eine tiefgründige Charakterstudie über Star und Fan.


    Oliver lebt in einer Blase aus Ja-Sagern, die ihm genau das geben, was er hören und sehen will. Eine klare soziale Hierarchie bestimmt sein Umfeld. Für seine Fans und seine Entourage ist er „jemand“ – bewundert, beachtet, unantastbar. In diese Welt tritt Matthew, der vermeintlich naive Außenseiter, der jedoch genau weiß, wie er Oliver beeindrucken kann. Was anfangs wie eine authentische Freundschaft wirkt, wird bald zu einem manipulativen Spiel um Einfluss und Status.


    Hier zeigt sich das zentrale Thema des Films: Menschen wollen gesehen werden. Und manche gehen dafür weit – um bestimmten Menschen zu gefallen, um zu bestimmten Bubbles zu gehören. Ein gewisses Ansehen, eine gewisse Sinnhaftigkeit zu genießen, weil sie sich dann wie „jemand“ fühlen. Weil sie sich dann so fühlen, als wären sie etwas Besonderes. Matthews Streben nach Anerkennung spiegelt sich in Olivers Selbstinszenierung als gefeierter Künstler wider, der seine Bestätigung aus der Bewunderung seiner Fans zieht.

    Mit seinem cleveren Drehbuch und einer inszenatorischen Finesse, dem wiederholten Spiel mit Meta-Perspektiven, entwickelt der Film eine düstere Sogwirkung mit erfrischend kreativen Kniffen. Der Plot ist nicht so leicht zu durchschauen und hält einen konstant neugierig. Besonders hervorzuheben ist der raffinierte Einsatz der Kamera, die eine zusätzliche narrative Ebene eröffnet, die unter anderem Matthews Blick auf die Welt und seine wachsende Obsession spürbar macht.


    Nicht zuletzt sorgt das überragend nuancierte Schauspiel von Théodore Pellerin und Archie Madekwe in den Hauptrollen, wie auch das stimmige Spiel des gesamten Casts, dafür, dass wir mit den Figuren mitfühlen, mitfiebern, leiden und rätseln.


    So entfaltet sich ein spannender, verstörender Psychothriller, dessen zynisches Ende voller schwarzem Humor noch lange nachhallt. Subtil, aber konsequent, spiegelt der Film die Einsamkeit, fehlende Selbstwirksamkeit, mangelnde Reflektionsfähigkeit und Orientierungslosigkeit unserer Gesellschaft in der Social-Media-Ära wider. Man sehnt sich augenscheinlich nach Ehrlichkeit und Authentizität, sieht sich dieser dann doch nicht gewachsen und flüchtet sich in oberflächliche Verbindungen.


    Tonal bewegt sich der Film geschickt zwischen Indie-Ästhetik, stylischen Bildern und bewusstem Cringe. Doch nicht nur das: Der Film ist auch ein scharfsinniger Kommentar über Stardom, blindem Fan-Sein, die Musikindustrie, Selbstbild und künstlerische Wahrheit – über das, was wir verkaufen und wie wir es verkaufen.

    Gesehen im Rahmen der Berlinale 2025 in der Sektion Berlinale Special Gala.

    Bewertung: 9/10 ♥️

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  • Highlights & Lowlights – FILMZ 2025 – Festivallogbuch

    Highlights & Lowlights – FILMZ 2025 – Festivallogbuch

    Bild: © Melanie Eckert

    Hier ein kleiner Überblick über meine persönlichen Festivalhöhepunkte und ersten Eindrücke zur 24. Ausgabe des FILMZ – Festival des deutschen Kinos in Mainz. Der ausführliche Festivalbericht folgt bald.

    Als gebürtige Mainzerin könnte man meinen, dass FILMZ längst zu meinen festen Kinotraditionen gehört. Doch erstaunlicherweise war das bislang (noch) nicht der Fall. Dieser Festivalbesuch war damit tatsächlich überfällig.

    Schon zu Schulzeiten kannte ich das FILMZ – und nahm mir jedes Jahr vor, irgendwann hinzugehen. Aber damals fehlte mir der Mut. Ich dachte, dort irgendwie nicht hinzupassen: zu jung, zu wenig filmgebildet, zu unsicher. Und so blieb es lange beim Vorsatz.

    2018 hatte ich dann die Ehre, im Capitol & Palatin als Programmkinomitarbeiterin anzufangen. FILMZ habe ich in dieser Zeit vor allem hinter den Kulissen erlebt: hinter dem Tresen, im Projektionsraum, im Kinosaal. Das Festival des deutschen Kinos wird vor allem von ehrenamtlichen, filmbegeisterten Menschen organisiert – überwiegend jungen Filmwissenschafts-Studierenden der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

    Und wie es bei ehrenamtlich getragenen Festivals oft der Fall ist, waren die Ausgaben sehr unterschiedlich gut organisiert – je nachdem, wer in welchem Jahr welche Aufgaben übernommen hat. Das soll nicht nach versteckter Kritik klingen, das ist schlichtweg die Realität eines jeden Filmfestivals, das auf die Mitarbeit von Ehrenamtlichen und Volontär*innen – und damit auf deren Engagement und Idealismus – angewiesen ist.

    Mein „Irgendwann“ wurde schließlich die 24. Ausgabe von FILMZ – meine erste, die ich als akkreditierte Besucherin bewusst wahrgenommen und erlebt habe. Warum ausgerechnet 2025?

    Weil ich nach der Berlinale, dem Filmfest München und dem Locarno Filmfestival endlich nicht mehr das Gefühl hatte: Was mache ich hier? Ich gehöre hier nicht hin. Weder so richtig zu den passionierten Kinobesucher*innen noch zum professionellen Fachpublikum.
    Lange dachte ich, meine Liebe zum Film allein und der Traum, selbst mal Filme zu machen, gäben mir noch kein „Recht“, auf Festivals zu sein. Inzwischen weiß ich: doch genau oder gerade deswegen.

    Ich habe die besagten Festivals als sehr unterschiedliche Communities kennenlernen und erleben dürfen. Umso neugieriger war ich auf die FILMZ-Community in meiner Heimatstadt, die mir ja teilweise bereits bekannt war. Gleichzeitig hatte ich die Befürchtung, dass sich weniger junge Menschen für ein Filmwissenschaftsstudium in Mainz entscheiden – zumal die Medienstadt Mainz im Vergleich zu anderen Studienorten filmkulturell eher klein wirkt: ein Programmkino, ein Multiplex – das war’s.

    Da hab ich mich zum Glück getäuscht. Denn FILMZ hat spürbar jungen Zuwachs bekommen – und zwar nicht nur in Anzahl, sondern auch in Haltung. Viele neue Gesichter bereichern das Festivalteam mit ihrem Engagement, ihrer Freundlichkeit und Achtsamkeit; sie tragen das Festival in allen Bereichen mit, bis hinein in die Festivalleitung. Selten habe ich eine so herzliche, offene Danksagung an das eigene Festivalteam erlebt wie bei der Eröffnung (!) von FILMZ 2025. Dieser Moment allein hat mich sehr berührt – und hat gleichzeitig den Ton für die folgenden Festivaltage gesetzt.

    Highlights

    Features

    • Heldin | 9/10 ♥️
    • Night of the Coyotes | 8/10
    • Wohin mit mir? | 8/10 ♥️
    • Rabia | 7/10
    • Der Tod ist ein Arschloch | 7/10
    • Das deutsche Volk | 7/10

    Bild: © Letterboxd / @hungrylikeafox

    Highlights

    Shorts

    • Queer Exile | 7/10
    • Square Peg in a Black Hole | 7/10
    • Shut Up And Suffer | 6/10
    • Häppchen | 6/10

    Lowlights

    Hier findet sich nur ein Film wieder, der mich im Gegensatz zu vielen anderen im Publikum deutlich weniger überzeugt hat – und der ironischerweise aber den Langfilmwettbewerb gewonnen hat.

    • Danke für nichts | 4/10

    Fazit

    Neben der spürbaren Herzlichkeit des Festivalteams hat mich vor allem das Programm überzeugt: der Dokumentarfilm- und Kurzfilmwettbewerb, das Symposium „Arbeit und Klasse“, das Spotlight: Deutsch-Türkisches Kino sowie die vom Soroptimist Club Mainz kuratierten SI STAR-Filme.

    Dass die Wettbewerbe vom Publikum entschieden werden, macht das FILMZ nur noch sympathischer – und beschließt mein Festivaljahr auf genau die liebevolle, inspirierende Weise, die ich mir gewünscht hatte.

    Abenteuer Animation Berlinale Berlinale 2025 Biopic Deutsches Kino Doku Drama Fantasy Festivalberichterstattung Filme Filmfestival Filmfest München FILMZ Horror Kino Komödie Krimi Kurzfilm Liebe Miniserie Musik Mystery Neo-Noir Psychothriller Romanze Satire Sci-Fi Serie Streaming Thriller Wahre Begebenheiten

  • „Rave On“ (2025) – Warum wir bleiben, wenn wir längst gehen sollten

    „Rave On“ (2025) – Warum wir bleiben, wenn wir längst gehen sollten

    Bild: © Weltkino

    Eine essayistische Filmkritik über Techno, Drogen, Eskapismus, Quarterlife Crisis und die Sehnsucht nach Verbindung – in der Berliner Clubkultur

    Eine Nacht, ein Rausch, ein Rave.

    In Rave On“ (Regie & Drehbuch: Viktor Jakovleski & Nikias Chryssos) wird nicht viel erklärt, sondern vielmehr erlebt. Wer hier eine stringente Handlung erwartet, wird vermutlich enttäuscht. Denn dieser Film funktioniert eher wie eine ausufernde Clubnacht: chaotisch, atmosphärisch, treibend, manchmal bewusstseinsverändernd, manchmal einfach nur anstrengend – aber irgendwie trotzdem aufregend und vor allem ehrlich in seiner vermeintlichen Inhaltslosigkeit.

    Im Zentrum steht Kosmo (Aaron Altaras), einst gefeierter DJ, heute Produzent, eher Beobachter seiner selbst. Sein Plan für den Abend ist schlicht, fast naiv: Er will seinem Idol Troy Porter (Jamal Moss aka Hieroglyphic Being) in seinem alten Lieblingsclub in Berlin seine neue Platte persönlich überreichen – ein letzter Versuch, einen Traum zu retten, der Jahre zuvor in genau diesem Club zerbrach. Was als relativ simpler Plan beginnt, entgleitet ihm schnell und verwandelt sich in einen fiebrigen Trip, in dem Realität und Rausch, Nostalgie und Ernüchterung miteinander verschwimmen.

    Rave On“ fühlt sich an wie ein durchtanzter Fiebertraum, der sich manchmal zieht, dann wieder beschleunigt, der sich in Stroboskoplicht auflöst und sich irgendwo zwischen Ekstase und Selbstverlust verflüssigt. Man kann ihn nicht kontrollieren. Man muss sich ihm hingeben – oder draußen bleiben.

    Die Dialoge wirken lebendig, ungefiltert, beiläufig – erstaunlich realistisch. Sie klingen selten nach „Film“, sondern eher wie die Gespräche, die man um fünf Uhr morgens an irgendeiner Bar führt – mal ehrlich, mal tiefgründig, mal belanglos, mal benebelt, aber für einen kurzen Moment verstanden.

    Das Schauspiel – allen voran Aaron Altaras – ist so nuanciert und unmittelbar, dass man die Figur Kosmo fast körperlich fühlen kann. Seine Entschlossenheit. Seine Unsicherheit. Seine Sehnsucht. Sein Stolpern. Sein Straucheln. Sein verzweifeltes Festhalten an einer Vision, die schon beim Betreten des Clubs zum Scheitern verurteilt scheint. Altaras’ bemerkenswerte Intensität und Leichtigkeit im Spiel tragen den Film und machen ihn greifbar. Weil man ihm glaubt. Weil man spürt, dass er etwas sucht – vielleicht Bestätigung, vielleicht Anschluss, vielleicht einfach nur ein kurzer Moment der Wärme.

    Kosmo will eigentlich nichts nehmen, will clean bleiben. Doch der Widerstand hält nur so lange, bis ihn die Nacht und ihre Versuchungen einholen. LSD, Speed, Hasch, Keta – der Cocktail wirkt. Nicht zuletzt durch Kamera-, Bild- und Toneffekte kann man förmlich spüren, wie sich die Wahrnehmung mit jeder Substanz verschiebt. Nicht überinszeniert, nicht bagatellisiert – authentisch. Der Geruch von triefendem Schweiß, ein klebriger Clubboden, bekannte Gesichter, pure Reizüberflutung. Einst Kosmos Zuhause, wirkt die Berliner Technoszene auf ihn heute eher fremd: weniger subversiver Rückzugsraum als ästhetisierte Scheinfreiheit, Fake-Deep-Talks, aber auch Momente echter Achtsamkeit und aufrichtiger Menschlichkeit.

    Film als Vibe & Kommentar Der Club als Spiegel der Gesellschaft

    Die Berliner Technoszene wird hier nicht verklärt, sondern gespiegelt. Es geht weniger um Musik als um Vibe und Style. Eine Clubnacht wird zur Sinnsuche, zum Fiebertraum zwischen Awareness-Raum und Keta-Überdosis, zwischen spirituellem Palaver und echter Verbundenheit, zwischen Zigaretten nach dem Sex und einem Schulterklopfen von Fremden, das mehr Trost spendet als das Hochgefühl auf dem Dancefloor.

    Ja, „Rave On“ hat wenig Plot. Aber genau das macht ihn so treffend. Wie eine echte Partynacht ist er weniger narrativ als atmosphärisch. Rhythmisch, synthetisch, hypnotisch, repetitiv – wie der Sound, den er einfängt. Man wandert von Raum zu Raum, verliert das Zeitgefühl, verliert die Orientierung, verliert irgendwann die eigenen Grenzen. Und am Morgen kommt die Hangxiety, der Comedown, die Leere – aber auch das eigenartige Gefühl, etwas erlebt zu haben, das nur in dieser diffusen Zwischenwelt möglich war.

    Da sind wir bei den Fragen, die der Film nur andeutet, aber nie direkt ausspricht – zur Mechanik hinter dem Rausch:

    Warum konsumieren wir eigentlich? Warum können wir nicht aufhören, wenn genug ist? Ballern weiter, trinken weiter… bis zum Blackout? Warum bleiben wir noch ein bisschen, wenn wir längst zu müde sind, draußen die Sonne schon aufgeht, der erste Bus wieder fährt?

    Ist es wirklich FOMO? Haben wir wirklich Angst, etwas zu verpassen oder ist es die Gier nach mehr? Und nein, nicht unbedingt die Gier im eigentlichen Sinne, kein reiner Hedonismus, sondern eher die Neugier, die einen antreibt, vielleicht eben doch noch zu bleiben? In der leisen Hoffnung, dass doch noch irgendetwas passiert? Etwas von Bedeutung? Etwas, das uns länger vom Alltag entfliehen lässt?

    Techno wird hier zur Metapher für Gier, Neugier, Selbstverlust – und das Bedürfnis, sich aufzulösen und gleichzeitig wiederzufinden.

    Der Film verharmlost Drogen nicht. Er entzaubert sie. Zeigt, wie leer das Versprechen dahinter ist. Wie fragil das Glück. Wie schnell man im Awareness-Raum landet, ohne sich an den Weg dorthin zu erinnern. Und wie viele Menschen in diesen Nächten eigentlich nach Verbindung suchen, nicht nach Ekstase.

    Freiheit & Privileg – die männliche Perspektive

    Man könnte fragen: Braucht es wirklich wieder einen männlichen Protagonisten in seiner Quarterlife Crisis?
    In diesem Fall: ja. Denn ein solcher Film funktioniert gerade deshalb, weil er zeigt, wie unbedarft, kopflos und frei ein Mann sich allein (!) in dieser Nacht treiben lassen kann – ohne Angst vor Übergriffen, ohne ständiges Kontrollieren der eigenen Grenzen. Eine weiblich gelesene Figur hätte diese Nacht nicht so selbstverständlich derart sorglos erleben können – und das ist keine Moralkeule, sondern Realität. Die Naivität, die Freiheit, die Unachtsamkeit des männlichen Protagonisten – das ist ein Privileg.

    Zeitgeist, Rausch & Realitäten

    Gleichzeitig spiegelt „Rave On“ auch unsere Gegenwart wider. Die Annahme, Gen Z würde kaum noch trinken – „Enthaltsamkeit ist der neue Rausch“ – scheint eine andere Realität auszublenden. Denn Perspektivlosigkeit, Angstzustände, Depression und Stress sind in dieser Generation präsent wie kaum zuvor. Es wäre naiv zu glauben, dass sie deshalb komplett enthaltsam lebt. Die Rauschmittel verändern sich, nicht jedoch der Wunsch nach Rausch. Der Wunsch nach einem kurzen Ausweg aus einer Welt, die zu laut, zu schnell, zu überwältigend ist.

    Der Film wird in seinen besten Momenten zu einem Spiegel dieser Lebenswelten. Man kann auch völlig nüchtern auf einem Rave sein und trotzdem oder gerade deswegen die unschönen Seiten und unangenehmen Wahrheiten der aktuellen Partykultur sehen, oder eben seine Augen davor verschließen und so tun, als hätte man diese Parallelwelt nie gesehen. Denn richtig, sich etwas vorzumachen, ist auch eine Form der Realitätsflucht, nur eben eine kontrolliertere und bewusstere.

    Rave On“ ist weder moralische Abrechnung noch verherrlichender Partyfilm. Er ist ein ungeschöntes Porträt einer Berliner Clubnacht – ein Rauschfilm ohne Romantisierung, ein Vibe-Film ohne Pose.

    Wer sich darauf einlässt, wird eine ehrliche, rohe, manchmal anstrengende, manchmal faszinierende Erfahrung machen – wie eine Nacht, die nicht unbedingt gut war, aber erkenntnisreich.
    Eine Nacht, die man teils bereut und gleichzeitig schätzt, weil man irgendwie froh ist, dabei gewesen zu sein.

    In diesem Sinne: Rave on – but be aware of the K-hole.

    Gesehen im Rahmen des Filmfest München 2025 in der Sektion Neues Deutsches Kino

    Bewertung: 7/10

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  • Highlights & Lowlights – Filmfest München 2025

    Highlights & Lowlights – Filmfest München 2025

    Bild: © Melanie Eckert

    Ein Überblick über meine persönlichen Festivalhöhepunkte, erste Eindrücke, besondere Entdeckungen und kurze Kurzkritiken. Der ausführliche Festivalbericht folgt bald.

    Vorweg sei gesagt – ich war noch nie so begeistert von einem Festivalprogramm wie von diesem! Ich konnte mich wirklich kaum entscheiden, welche Filme ich nicht auf meine Watchlist packen sollte, weil das Münchner Programm so derart vielfältig, interessant und bedacht zusammengestellt wurde. Eine wirklich erlesene Kuration wie ich sie so selten zuvor gesehen habe. Von American Independent Kino über deutsches Kino, Kinderfilme, Arthouse, Dokus bis hin zu Cannes-Festivaltiteln. Das Programm war sowohl sehr international aufgestellt, genretechnisch sehr vielfältig und auch thematisch sehr breit gefächert, aber immer mit gesellschaftlicher Relevanz.

    Highlights

    • I Only Rest in the Storm | 9/10 ♥️
    • The Life of Chuck | 9/10 ♥️
    • Un Poeta | 8/10 ♥️
    • Sentimental Value | 8/10
    • Yes | 8/10
    • Nouvelle Vague | 8/10
    • Le città di pianura | 7/10 ♥️
    • Rave On | 7/10
    • Sirāt | 7/10
    • American Sweatshop | 7/10
    • Urchin | 7/10
    • L’Attachement | 7/10
    • I Am Martin Parr | 7/10
    • Pinch | 7/10
    • My Uncle Jens | 7/10

    Bild: © Letterboxd / @hungrylikeafox

    Lowlights

    Auch Filme, die mich weniger überzeugen konnten, gehören zu einer ehrlichen Festivalbilanz dazu.

    • Okamoto | 4/10
    • Unterwegs im Namen der Kaiserin | 4/10
    • Together | 5/10

    Fazit

    Insgesamt war das Filmfest München 2025 für mich eines der stärksten Festivalerlebnisse des Jahres – voller Überraschungen, außergewöhnlicher Vielfalt und Filme, die noch lange nachwirken.

    Abenteuer Animation Berlinale Berlinale 2025 Biopic Deutsches Kino Doku Drama Fantasy Festivalberichterstattung Filme Filmfestival Filmfest München FILMZ Horror Kino Komödie Krimi Kurzfilm Liebe Miniserie Musik Mystery Neo-Noir Psychothriller Romanze Satire Sci-Fi Serie Streaming Thriller Wahre Begebenheiten

  • „Islands“ (2025) – Filmkritik: Slow-Burn Mystery-Thriller im Urlaubsgewand

    „Islands“ (2025) – Filmkritik: Slow-Burn Mystery-Thriller im Urlaubsgewand

    Bild: © Juan Sarmiento G. / 2025 augenschein Filmproduktion, LEONINE Studios

    Jan-Ole Gersters Vacation Noir setzt auf subtile Spannung, hypnotische Atmosphäre und ein rätselhaftes Beziehungsgeflecht auf Fuerteventura.

    In „Islands“ sehen wir Tennistrainer Tom (Sam Riley) bei seiner Arbeit auf der kanarischen Insel Fuerteventura. Wenn er nicht auf dem Tennisplatz ist, vertreibt er sich seine Zeit mit Partys, Alkohol und flüchtigen Affären. Bis er eines Tages die Familie Maguire kennenlernt, die ihn aus seiner Alltagsmonotomie herauszuholen scheint. Anne (Stacy Martin) möchte unbedingt Tennisstunden für ihren Sohn Anton (Dylan Torrell) bei Tom buchen und freundet sich mit ihm an. Tom versteht sich auf Anhieb gut mit Anne, ihrem Mann Dave (Jack Farthing) und dem kleinen Anton und führt die Familie auf der Insel herum. Doch die Idylle trügt: Spannungen zwischen Anne und Dave werden immer spürbarer und plötzlich verschwindet Dave spurlos. Anne und Tom werden verdächtigt, etwas mit dem Verschwinden zu tun zu haben.


    „Islands“ ist ein Paradebeispiel für meisterhaftes Slow-Burn-Kino. Ein Vacation Noir, der mit faszinierenden Bildkompositionen und einer dichten, geheimnisvollen Atmosphäre fesseln kann – ähnlich wie „Burning“ (2018) oder die Serie „Ripley“ (2024). Natürlich weckt der Film auch Assoziationen an „Der talentierte Mr. Ripley“ (1999) – allein durch die Dreier-Figuren-Konstellation und das Urlaubs-Setting.

    Stilistisch erinnert der Film allerdings weit stärker an die Serie „Ripley“, insbesondere in der statischen, perfekt komponierten Bildsprache, die eine trügerische Harmonie ausstrahlt bis kleine Unruhemomente diese Ordnung brechen und Unbehagen erzeugen. Dieser visuelle Stil weist auch Parallelen zu Yorgos Lanthimos auf, der mit seinen fotografisch anmutenden, beinahe triptychonartigen Kompositionen ein ähnliches Spannungsverhältnis schafft.

    Doch „Islands“ funktioniert nicht nur über seine hypnotischen Bilder. Es ist das langsame Erzähltempo, das seine eigene Sogkraft entfalten kann. Der Film packt dabei nicht mit klassischen Thriller-Mechanismen, sondern zieht durch eine stetige, schleichende Ungewissheit seine Zuschauer*innen in seinen Bann.

    Wer sich darauf einlässt, wird in einen rätselhaften Strudel aus Andeutungen und latenter Bedrohung gezogen, was wiederum an „Burning“ erinnert.

    Sam Rileys Schauspiel ist so facettenreich in seiner Subtilität, dass das, was durch Mimik oder Gestik transportiert wird, oft mehr sagt als die gesprochenen Worte allein.

    So entsteht ein Mystery-Crime-Film, der viel Raum für unterschiedliche Interpretationen und Lesarten lässt.

    Für mich ist es ein Film über verpasste Chancen, Verantwortung, Verpflichtung, Freiheit und die eigene Sinnhaftigkeit.

    Gesehen im Rahmen der Berlinale 2025 in der Sektion Berlinale Special Gala.

    Bewertung: 8/10 ♥️

    Ausschnitt von Melanie aus der Pressekonferenz zu Islands vom 16.02.2025

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  • „A Thousand and One“ (2023) – Filmkritik: Ein bewegendes Sozialdrama über Identität, Gentrifizierung und Mutterliebe

    „A Thousand and One“ (2023) – Filmkritik: Ein bewegendes Sozialdrama über Identität, Gentrifizierung und Mutterliebe

    Bild: (c)Universal Pictures / Focus Features, eOne Features, LLC

    Ein kraftvolles Regiedebüt von A.V. RockwellTeyana Taylor brilliert in einer authentischen Geschichte über Kampf, Hoffnung und die Schattenseiten New Yorks.

    New York City, 1994: Die obdachlose Inez (Teyana Taylor) kehrt von einem Gefängnisaufenthalt zurück in die Straßen Brooklyns und versucht sich als Friseurin durchzuschlagen. Als sie mitbekommt, dass sich ihr 6-jähriger Sohn Terry (Aaron Kingsley Adetola), nach dem Versuch aus seiner Pflegefamilie auszubrechen, verletzt im Krankenhaus befindet, beschließt die unerschrockene Inez ihren Sohn zu entführen. Gemeinsam gelingt es ihnen, sich ein neues, gutes Leben aufzubauen, bis ihr Geheimnis aufzufliegen droht.

    „I’ll go to war for you, you know that? Against anybody. Against this whole fucked-up city.“ 

    A Thousand and One (2023) ist ein Film über Mutter und Sohn auf der Suche nach Identität & Stabilität in einer Welt voller Armut, Rassismus & systemischer Diskriminierung

    Mit starken, lebendigen Bildern der sich wandelnden, gentrifizierenden Stadt New York Citys, einem eindrucksvoll atmosphärischem Score und einem großartigen Schauspiel des gesamten Casts, überzeugt der Film mit dem Realismus seiner Bilder, übt damit beobachtend seine eindringliche Kritik an Politik und Gesellschaft. 

    Der unermüdliche Kampf der Mutter Inez, ihrem Kind unter allen Umständen eine Zukunft zu ermöglichen, die ihr selbst aufgrund ihrer Herkunft und Biographie verwehrt geblieben ist, berührt dank der hervorragend nuancierten Performance Teyana Taylors.

    „Look. I don’t know what the fuck to tell you, T. But there’s more to life than fucked-up beginnings.“ 

    Der Film schafft eine Form der Authentizität, die über erzählstrukturelle Lücken und Längen hinwegsehen lässt, da sie sich trotz episodenartigen Aufbaus organisch nachvollziehbar zu einem stimmigen Mosaik zusammenfügen

    Nur zurecht wurde das Debüt (!!) der afroamerikanischen Regisseurin und Drehbuchautorin A.V. Rockwell, die selbst in Queens, New York geboren und aufgewachsen ist, mit dem Hauptpreis der Jury auf dem Sundance-Festival prämiert.

    Bewertung: 8/10 ♥️

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  • „Yannick“ (2023) – Filmkritik: Quentin Dupieux’ clevere Gesellschaftssatire über Kunst, Elitismus und die Macht des Zuhörens

    „Yannick“ (2023) – Filmkritik: Quentin Dupieux’ clevere Gesellschaftssatire über Kunst, Elitismus und die Macht des Zuhörens

    Bild: © Chi-Fou-Mi Productions, Atelier de Production

    Ein unerwarteter Theatercrash wird zur schonungslosen Reflexion über Privilegien, Empathie und den fehlenden Dialog in unserer Gesellschaft.

    Yannick“ ist viel mehr als eine böse Gesellschaftssatire, die mit den Zuschauererwartungen spielt. Ist der Film auf der Meta-Ebene sicherlich auf den ersten Blick vor allem auch als Kritik an den eingefahrenen Formen von Kunst, Intellektualismus & Elitismus zu verstehen, entfaltet das Kammerspiel in seiner kurzen Laufzeit peu à peu noch viel mehr Spielraum für Interpretationen und regt weiter Diskurse über Kunstverständnis & Konventionen an.

    Letztlich geht es tatsächlich auch genau um die titelgebende Variable Yannick – ein Mensch, ein Zuschauer, der seiner Welt kurz entfliehen möchte und im Theater nach Zuflucht und Unterhaltung sucht. Er kritisiert das Theaterstück, die Schauspieler*innen, aber vor allen Dingen die herablassende, pseudointellektuelle Attitüde dieser. Dabei hat Yannick sehr wohl auch berechtigte Punkte und gute Argumente, die für ihn sprechen. Er sei aber ja nur ein Nachtwächter, der sich extra für dieses Stück Entertainment frei genommen hat, ein „Loser“, der sich hier so derart aufspielt.
    Blöd, dass man dem Loser erst zuhört, wenn er zur „Gefahr“ für andere wird, für die doch eher privilegiertere Mehrheit.

    Genau hier liegt meiner Meinung nach die Kernaussage des Films – unserer Gesellschaft fehlt es an Dialog und der Fähigkeit anderen Menschen wirklich zuzuhören, uns für diese zu interessieren.

    Es darf uns nicht erst interessieren, wenn es uns direkt betrifft. Interesse am Gegenüber hat dabei auch viel mit Menschlichkeit und Empathie zu tun, die in unserer schnelllebigen Leistungsgesellschaft oft auf der Strecke bleiben, uns aber ja sogar auch immer persönlich bereichern können, da der Mensch ohne soziale Bindungen nun mal auch nicht (über-)leben kann. Anstatt unserem Gegenüber wirklich zuzuhören und verstehen zu wollen, warum diese Person dieser Meinung ist und dementsprechend handelt, verpassen wir die Chance etwas dazu zu lernen und eine gute Lösung zu finden, entscheiden uns dann doch lieber für die gewaltvolle/gewaltbereite Eskalation.

    Unterschätze eben nie deine Mitmenschen, dein Gegenüber! Behandele Menschen nie von oben herab. Denn es wird immer jemanden geben, der es besser weiß als du und etwas besser kann als du. Und ist es nur eine unterhaltsamere Geschichte zu erzählen…

    Bewertung: 9/10 ♥️

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  • „Das fantastische Leben des Ibelin“ (2024) – Filmkritik: Eine berührende Doku über Gaming, Gemeinschaft und digitale Unsterblichkeit

    „Das fantastische Leben des Ibelin“ (2024) – Filmkritik: Eine berührende Doku über Gaming, Gemeinschaft und digitale Unsterblichkeit

    Bild: (c) Netflix

    Benjamin Rees Dokumentarfilm erzählt die inspirierende Geschichte von Mats, dessen virtuelles Leben in „World of Warcraft“ zu einer tief bewegenden Hommage an Freundschaft, Inklusion und die Kraft digitaler Welten wird.

    Im Alter von 25 Jahren starb der Norweger Mats Steen an den Folgen der degenerativen Muskelerkrankung Duchenne. Seine Eltern betrauerten zunächst nicht nur den schmerzlichen Verlust ihres geliebten Sohnes, sondern auch das von ihnen angenommene, einsame Leben ihres Mats‘, was ihm durch seine Erkrankung die aktive Teilnahme am sozialen Leben erschwerte. So verbrachte Mats viel seiner Lebenszeit in „World of Warcraft“ (WoW). Als seine Eltern die traurige Nachricht über seinen Tod auf seinem Blog verkünden, überrollte sie eine Welle an Mitgefühl und warmen Worten von Spieler*innen aus aller Welt – engen Freund*innen ihres Sohnes, der seine Figur in WoW „Ibelin Redmoore“ nannte.

    „Dreams are nice that way. You can always visit again.“ ❤️‍🩹

    „Das fantastische Leben des Ibelin“ (2024) ist ein Dokumentarfilm des norwegischen Regisseurs Benjamin Ree. Er erzählt die berührende Geschichte eines Jungen, der aufgrund seiner Erkrankung und der damit einhergehenden Einschränkungen sich immer weiter aus dem aktiven Sozialleben zurückzog und sich in eine andere Welt flüchtete. 

    Doch für Mats war diese andere Welt in „World of Warcraft“ weniger Flucht als eine Welt der „unendlichen“ Möglichkeiten – Möglichkeiten des persönlichen Wirkens. So lernen wir Mats durch Heimvideos, Fotos und Interviews mit seiner Familie und Freund*innen, seinen persönlichen Blogeinträgen und eben seinem rekonstruierten virtuellen Leben in WoW näher kennen. 

    Hier sehen wir ein positives Beispiel der Chancen einer grenzenlosen virtuellen Realität, einer Gemeinschaft an Gamer*innen, die durch gemeinsame Abenteuer zusammengeschweißt werden, sich gegenseitig Halt geben und füreinander da sind. 

    Dabei behandelt der Film unterschiedlichste Themen wie die Frage nach dem Sinn des Lebens, der Bedeutung, die man dem beimisst, persönliche Verwirklichung, soziale Teilhabe, Inklusion, Liebe, Freundschaft, Familie, Gemeinschaftsgefühl, Anonymität und die Dynamik zwischen Nähe und Distanz im virtuellen Kontext. 

    Die Doku ist durch ihre einzigartige Geschichte, die sie auf besonders immersive, persönliche Art und Weise erzählen kann, faszinierend, herzerwärmend, traurig und hoffnungsvoll zugleich. Sie lehrt uns, vielleicht auch öfter unseren Mitmenschen und Liebsten zu sagen, dass wir sie schätzen für das, was sie uns bedeuten. Schließlich weiß man nie, wie schnell das Leben doch zu Ende gehen kann.

    Bewertung: 9/10 ♥️

    Abenteuer Animation Berlinale Berlinale 2025 Biopic Deutsches Kino Doku Drama Fantasy Festivalberichterstattung Filme Filmfestival Filmfest München FILMZ Horror Kino Komödie Krimi Kurzfilm Liebe Miniserie Musik Mystery Neo-Noir Psychothriller Romanze Satire Sci-Fi Serie Streaming Thriller Wahre Begebenheiten