Schlagwort: Doku

  • Jahresrückblick 2025 | Leon 

    Jahresrückblick 2025 | Leon 

    Bild: © Two Seasons, Two Strangers Production / The Fool / Bitters End

    Das Kinojahr 2025 ist vorbei und für mich bleibt ein etwas ernüchterter Blick zurück. Ich habe mich in diesem Jahr eher auf ältere Filme (und meine Bachelorarbeit) konzentriert, weshalb ich weniger gesehen habe als gewöhnlich. Listenkandidaten wie „One Battle After Another“ oder „Sentimental Value“ blieben mir bisher verwehrt – Filme wie „Bugonia“ und „Ein einfacher Unfall“ haben mich leider enttäuscht.  

    Es verbleiben fünf Filme, die in für mich aktiveren Kinojahren teilweise auch auf einer Geheimtipp-Liste hätten landen können. Diese sollen nun hier gebührend Erwähnung finden! Achtung: Manche Filme haben ihren Kinostart erst 2026 oder suchen noch einen Verleih.

    Unter den Filmen finden sich zwei weitere Top-Listen: Eine mit Lang- und eine mit Kurzfilmen, die ich 2025 entdeckt habe. Wirf auch dort gerne einen Blick hinein!

    Ich blicke hinaus auf ein ereignisreicheres 2026 – für meinen Letterboxd-Account, aber auch für Cinescaped!   

    1. „The Mastermind“  

    Bild: © Mubi

    Mein Liebling aus diesem Jahr! Josh O’Conner spielt das, was er am besten spielt: Einen Drifter auf der Suche nach etwas – in diesem Fall etwas nicht Vorhandenem. Kelly Reichardt inszeniert hier einen Slow-Heist-Film, der seine eigenen Strukturen nach und nach auflöst.  

    2. „Eight Postcards from Utopia“ 

    Bild: © Heretic

    Hochinteressante Found-Footage-Dokumentation von Radu Jude und Christian Ferencz-Flatz, bestehend aus Werbeclips aus dem postsozialistischen Rumänien. In acht Kategorien aufgeteilt, offenbart der Film in den Kapitalismus gesetzte Hoffnungen, die heute (und wohl auch damals) absurd wirken. André Pitz schrieb passend in seiner Review: „Es wird suggeriert: Der Mensch ist nur, wenn er konsumiert.“ 

    3. „Do You Love Me?“

    Bild: © Lightdox / Films de Force Majeure / My Little Films / Wood Water Films

    Von Lana Daher kuratierte audiovisuelle Reise durch 70 Jahre libanesische Geschichte. Beim Q&A auf dem Filmfest Hamburg erzählte einer der Produzenten, dass Daher erst durch den Film erkannt habe, dass sie in einem Kriegsgebiet aufgewachsen ist. Die Spuren haben sich im Material verewigt. 

    4. „Kontinental 25‘“

    Bild: © Grandfilm

    Moralische Abgründe à la Radu Jude. Über eine Gerichtsvollzieherin (Eszter Tompa), die nach dem Selbstmord eines Obdachlosen, an dem sie eine Teilschuld trägt, verzweifelt versucht ihr Gewissen reinzuwaschen. Judes Satire wird begleitet von einem für ihn charakterisierenden Internet-Humor. Sidenote: In einer Bar hängt ein „Kuhle Wampe: oder Wem gehört die Welt?“-Poster! Über den Film habe ich im Sommer meine Bachelorarbeit geschrieben und zur Zensurgeschichte des Films erscheint demnächst ein Artikel. 

    5. „Two Seasons, Two Strangers“ 

    Bild: © Two Seasons, Two Strangers Production / The Fool / Bitters End

    Ein Film-in-Film: Regisseur Shô Miyake untersucht in zwei Episoden die Beziehungen von Fremden, die an unterschiedlichen Orten und Jahreszeiten aufeinandertreffen. Im Fokus stehen dabei nicht nur die Jahreszeiten Sommer und Winter, sondern auch die Elemente Wasser und Eis. Herausgekommen ist ein ruhiger, minimalistischer und angenehm zu schauender Film. 

    Alte Neu-Entdeckungen

    1. The Strange Case of Angelica (2010)
    2. High and Low (1963)
    3. Blow Out (1981)
    4. Once (2007)
    5. Jacquot de Nantes (1991)
    6. Mishima – Life in Four Chapters (1985)
    7. Deep Red (1975)
    8. The Bitter Stems (1956)
    9. Fargo (1996)
    10. Le Circle Rouge (1970)

    Kurzfilm-Entdeckungen

    1. Lloyd Wong, Unfinished (2025)
    2. Der Ausdruck der Hände (1997)
    3. Buba (1930)
    4. Castle of Otranto (1977)
    5. Roulement, rouerie, aubage (1978)
    6. Podwórka (2009)
    7. Nr. 1 – Aus Berichten der Wach- und Patrouillendienste (1985)
    8. The Exquisite Corpus (2015)
    9. Chess Fever (1925)
    10. New York Portrait, Chapter II (1981)

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  • „Das fantastische Leben des Ibelin“ (2024) – Filmkritik: Eine berührende Doku über Gaming, Gemeinschaft und digitale Unsterblichkeit

    „Das fantastische Leben des Ibelin“ (2024) – Filmkritik: Eine berührende Doku über Gaming, Gemeinschaft und digitale Unsterblichkeit

    Bild: (c) Netflix

    Benjamin Rees Dokumentarfilm erzählt die inspirierende Geschichte von Mats, dessen virtuelles Leben in „World of Warcraft“ zu einer tief bewegenden Hommage an Freundschaft, Inklusion und die Kraft digitaler Welten wird.

    Im Alter von 25 Jahren starb der Norweger Mats Steen an den Folgen der degenerativen Muskelerkrankung Duchenne. Seine Eltern betrauerten zunächst nicht nur den schmerzlichen Verlust ihres geliebten Sohnes, sondern auch das von ihnen angenommene, einsame Leben ihres Mats‘, was ihm durch seine Erkrankung die aktive Teilnahme am sozialen Leben erschwerte. So verbrachte Mats viel seiner Lebenszeit in „World of Warcraft“ (WoW). Als seine Eltern die traurige Nachricht über seinen Tod auf seinem Blog verkünden, überrollte sie eine Welle an Mitgefühl und warmen Worten von Spieler*innen aus aller Welt – engen Freund*innen ihres Sohnes, der seine Figur in WoW „Ibelin Redmoore“ nannte.

    „Dreams are nice that way. You can always visit again.“ ❤️‍🩹

    „Das fantastische Leben des Ibelin“ (2024) ist ein Dokumentarfilm des norwegischen Regisseurs Benjamin Ree. Er erzählt die berührende Geschichte eines Jungen, der aufgrund seiner Erkrankung und der damit einhergehenden Einschränkungen sich immer weiter aus dem aktiven Sozialleben zurückzog und sich in eine andere Welt flüchtete. 

    Doch für Mats war diese andere Welt in „World of Warcraft“ weniger Flucht als eine Welt der „unendlichen“ Möglichkeiten – Möglichkeiten des persönlichen Wirkens. So lernen wir Mats durch Heimvideos, Fotos und Interviews mit seiner Familie und Freund*innen, seinen persönlichen Blogeinträgen und eben seinem rekonstruierten virtuellen Leben in WoW näher kennen. 

    Hier sehen wir ein positives Beispiel der Chancen einer grenzenlosen virtuellen Realität, einer Gemeinschaft an Gamer*innen, die durch gemeinsame Abenteuer zusammengeschweißt werden, sich gegenseitig Halt geben und füreinander da sind. 

    Dabei behandelt der Film unterschiedlichste Themen wie die Frage nach dem Sinn des Lebens, der Bedeutung, die man dem beimisst, persönliche Verwirklichung, soziale Teilhabe, Inklusion, Liebe, Freundschaft, Familie, Gemeinschaftsgefühl, Anonymität und die Dynamik zwischen Nähe und Distanz im virtuellen Kontext. 

    Die Doku ist durch ihre einzigartige Geschichte, die sie auf besonders immersive, persönliche Art und Weise erzählen kann, faszinierend, herzerwärmend, traurig und hoffnungsvoll zugleich. Sie lehrt uns, vielleicht auch öfter unseren Mitmenschen und Liebsten zu sagen, dass wir sie schätzen für das, was sie uns bedeuten. Schließlich weiß man nie, wie schnell das Leben doch zu Ende gehen kann.

    Bewertung: 9/10 ♥️

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  • „The Barkley Marathons“ (2014) – Filmkritik: Die härteste Lauf-Challenge der Welt und ihre schräge Faszination

    „The Barkley Marathons“ (2014) – Filmkritik: Die härteste Lauf-Challenge der Welt und ihre schräge Faszination

    Bild: © Annika Iltis, Timothy James Kane, FilmRise

    Ein Rennen, das (fast) niemand beendet – warum die Doku „The Barkley Marathons“ ein Muss für Sport- und Abenteuerfans ist.

    It’s not gonna be the way you planned it.

    Mit wenig Vorwissen gehe ich in den Film (zum Glück!) und trotzdem kam vieles anders als erwartet für mich. 

    The Barkley Marathons: The Race That Eats Its Young fängt den besonderen Spirit des außergewöhnlichen Ultramarathon-Rennens in 89 min kompakt und trotzdem in all seinen menschlichen wie sportlichen Facetten ein. Ich habe gelacht (die Bücher <3), mitgefiebert, gestaunt und Tränen vor Rührung in den Augen gehabt!

    They are people who are used to succeed. We have such a high number of people who have graduated degrees, because they sat goals, they accomplished something. They don’t let anything stand in their way. The race appeals to them, because they could fail. 

    Dass die Idee des Wettkampfes eigentlich als Spott am gescheiterten Gefängnisausbruchs James Earl Rays 1977 zu verstehen ist, bestimmt den Grundtenor der Sache und damit auch der Doku. 

    Das liegt allen voran an Mitbegründer Lazarus Lake, der vor allem eines ist: weird, unberechenbar, selbstironisch gewitzt & seltsam inspirierendgenau wie der Film selbst, was den Film in seiner verrückten Faszination rund um herausfordernden Extremsport in erster Linie richtig sympathisch und nahbar macht. 

    Ganz klare Empfehlung!
    (Danke an André für den Geheimtipp!) 

    Some of the failures were spectacular and really funny. But you like to see people have the opportunity to really find that something about themselves. 

    Bewertung: 8/10 ♥️

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  • „Girls State“ (2024) – Filmkritik: Wie eine Doku über ein Demokratie-Experiment die Geschlechterungleichheit in den USA offenlegt

    „Girls State“ (2024) – Filmkritik: Wie eine Doku über ein Demokratie-Experiment die Geschlechterungleichheit in den USA offenlegt

    Bild: © AppleTV+

    Das weibliche Pendant zu „Boys State“ zeigt die politischen Hürden junger Frauen – und warum Gleichberechtigung noch immer ein Kampf ist.

    „In truth, femininity is powerful.“ 

    Seit Ende der 1930er wird in verschiedenen Bundesstaaten der USA ein politisches Planspiel für Teenager organisiert – der „Boys State“ und der „Girls State“. 

    In diesem Dokumentarfilm begleiten die Filmemacher*innen 500 Mädchen aus ganz Missouri bei dem einwöchigen Demokratieexperiment. So bauen die jungen Frauen u.a. eine eigene Regierung, wie auch einen Obersten Gerichtshof auf. So weit, so gut, würde da nicht zum ersten Mal parallel der „Boys State“ auf dem gleichen Campus-Gelände veranstaltet werden wie der „Girls State“. Ersterer sieht dagegen tatsächlich doch ziemlich anders aus als der der Mädchen…

    „The Boys State had a Republican and Democratic representative or senator on stage and they were discussing abortion. Do they have uteruses? No. Do we? Yeah.“ 

    „Incompatible for comparison?“ – Im Gegenteil! Nach dem preisgekrönten Dokumentarfilm „Boys State“ (2020) kommt nun mit „Girls State“ (2024) das Pendant von Filmemacher*innen Amanda McBaine und Jesse Moss. Während Boys State“ eher die positiven Seiten des Demokratie-Planspiels für die Teilnehmer zeigen kann, werden dagegen inGirls State“ im direkten Vergleich die eigentlichen Abgründe der Ungleichheit der Geschlechter deutlich herausgestellt. Der Zusammenhalt unter den heranwachsenden Frauen bleibt wiederum ungebrochen.

    „We as women are constantly pitted against each other and I’m sick of it.“

    Dem Ganzen kommt noch eine besondere Brisanz zu, wenn die jungen Frauen in der Doku über Abtreibungsgesetze im Kontext vom wichtigen Fall „Roe vs. Wade“ (1973) sprechen und kurz danach der Supreme Court 2022 genau dieses US-Abtreibungsrecht kippt.

    “ We are taking steps back as a society.“ – Yes, indeed.

    Damit ist die Doku am Ende fast schon ein Stück Investigativjournalismus, auch dank Emily, die Missstände im patriarchalen politischen System Amerikas, wie die Ungleichheit der Geschlechter in der Gesellschaft aufzeigt.

    Bewertung: 7/10

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