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  • „Blue Moon“ (2025) – Zwischen Jazz, Dialog und Sentimentalität – Ein persönlicher Festivalessay über die Magie des Kinos

    „Blue Moon“ (2025) – Zwischen Jazz, Dialog und Sentimentalität – Ein persönlicher Festivalessay über die Magie des Kinos

    Bild: © Sabrina Lantos / Sony Pictures Classics

    Warum mich Richard Linklaters Echtzeitfilm über Kunst, Freundschaft und Musik nachhaltig berührt hat


    Wir schreiben meinen sechsten Festivaltag auf der Berlinale 2025. Vierzehn Filme haben bereits ihre Spuren hinterlassen – im Kopf wie auch im Körper. Denn mit jedem weiteren Festivaltag verdichtet sich nicht nur das Erlebte, sondern auch der Schlafmangel, unter dem die ein oder andere Früh- und Spätvorstellung bereits leiden musste.

    Doch an diesem Dienstagvormittag überwiegt vor allem eines: meine gute Laune und die pure Vorfreude auf die Weltpremiere von „Blue Moon“ (2025), dem neuen Film von Richard Linklater, wegen dem ich unter anderem überhaupt zur Berlinale wollte. Ein guter Freund und Kollege hält mir dankenswerterweise einen Platz im Berlinale Palast frei, die Vorstellung ist – wenig überraschend – auch als Pressevorführung gut besucht.

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    Der Film erzählt die Geschichte des Songwriters Lorenz Hart (Ethan Hawke), der den Abend des 31. März 1943 in der Bar Sardi’s verbringt. Hier findet die Premierenfeier des erfolgreichen Musicals „Oklahoma!“ seines ehemaligen Partners, dem Komponisten Richard Rodgers (Andrew Scott) statt, auf der es sich nur so nach anderen bekannten Künstler*innen mit Rang und Namen tummelt. In Echtzeit schildert der Film die Ereignisse des Abends, die ein Bild von Freundschaft, Liebe und Kunst zeichnen, welches mich zutiefst berührt hat.


    Schon lange habe ich nicht mehr so viel während eines Films geschmunzelt; vor Freude, Lachen und Traurigkeit Tränen vergossen. Es hat mich so glücklich gemacht, diesen Film in einem so großen Saal mit so vielen anderen Leuten zu sehen, die offenbar genauso viel Spaß hatten wie ich und an den gleichen Stellen wie ich sichtlich ergriffen waren. Ich hätte Ethan Hawke als Lorenz Hart stundenlang zuhören können – nicht nur, weil er diesen fantastisch spielte, sondern weil er dieser Figur derart Leben einhauchte, dass ich ihr hätte weiter zuhören wollen, wie sie begeistert ihre Anekdoten erzählt.


    Es fühlte sich für mich so an, als säße ich mit Lorenz Hart am Tresen bei Barkeeper Eddie (Bobby Cannavale) und lausche dem ganzen Geschehen – so als wäre ich wirklich vor Ort dabei und hätte alles miterlebt. Die Dialoge waren anekdotisch, philosophisch, poetisch, scharfsinnig, witzig und mit so viel Sanftmut, Detailverliebtheit und Sentimentalität versehen, dass ich jeder Figur etwas abgewinnen konnte, weil jede Figur in all ihrer Ambivalenz mit so viel Feingefühl und Liebe behandelt wurde.


    Trotzdem kam mir ein Andrew Scott ein wenig zu kurz als Richard Rodgers und eine Margaret Qualley ging auch etwas unter als Elizabeth Weiland. Inwiefern das dem Fokus auf Lorenz Hart geschuldet ist oder den wahren Begebenheiten zur damaligen Zeit, das kann ich so leider nicht beurteilen. Auch eine der Fragen, die ich sehr gerne auf der Pressekonferenz gestellt hätte.


    Macht es den Film für mich weniger gut? Nein, denn ich konnte mich voll und ganz auf den Film und seine Figuren einlassen. Ich hatte Spaß mit dem Film, war unterhalten, berührt und ergriffen. Dass Lorenz Hart ausgerechnet zwei meiner liebsten Jazzstandards mit „Blue Moon“ (1933) und „My Funny Valentine“ (1937) geschrieben hatte, machte das Kinoerlebnis für mich nur noch besonderer.

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    Nach dem Film joggen alle, die die Pressekonferenz von „Blue Moon“ im Anschluss auf dem Schirm haben, ins Grand Hyatt Hotel. Gerade so finde ich noch einen Platz. Ich überlege mir also während des Rennens die Fragen, die ich stellen möchte und schreibe diese am Platz als Notiz in mein Handy. Ich muss auf jeden Fall die Fragen ablesen, denke ich mir. Zu aufgeregt bin ich, mit Richard Linklater und Ethan Hawke in einem Raum zu sitzen. Zu übermüdet bin ich, um noch weiter klar denken und spontan reagieren zu können, denn der Schlafmangel der vergangenen Tage ist hiermit doch allgegenwärtig. So melde ich mich, allerdings nie energisch genug, nie auffällig genug. Ich werte ein Nicken des Moderators als ein OK zu viel und komme natürlich nicht mehr dran, weil ich mich ja auch noch nebenbei auf die Antworten und Fragen der anderen konzentriere. Schade!


    Doch schnell verfliegt die Enttäuschung über eine verpasste Frage. Zurück bleibt die Dankbarkeit, diesen Film einer meiner Lieblingsregisseure bei seiner Weltpremiere auf der Berlinale gesehen haben zu dürfen – ein besonderes Kinoerlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde.

    Gesehen im Rahmen der Berlinale 2025 in der Sektion Wettbewerb 2025.

    Bewertung: 9/10 ♥️

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  • Highlights & Lowlights – FILMZ 2025 – Festivallogbuch

    Highlights & Lowlights – FILMZ 2025 – Festivallogbuch

    Bild: © Melanie Eckert

    Hier ein kleiner Überblick über meine persönlichen Festivalhöhepunkte und ersten Eindrücke zur 24. Ausgabe des FILMZ – Festival des deutschen Kinos in Mainz. Der ausführliche Festivalbericht folgt bald.

    Als gebürtige Mainzerin könnte man meinen, dass FILMZ längst zu meinen festen Kinotraditionen gehört. Doch erstaunlicherweise war das bislang (noch) nicht der Fall. Dieser Festivalbesuch war damit tatsächlich überfällig.

    Schon zu Schulzeiten kannte ich das FILMZ – und nahm mir jedes Jahr vor, irgendwann hinzugehen. Aber damals fehlte mir der Mut. Ich dachte, dort irgendwie nicht hinzupassen: zu jung, zu wenig filmgebildet, zu unsicher. Und so blieb es lange beim Vorsatz.

    2018 hatte ich dann die Ehre, im Capitol & Palatin als Programmkinomitarbeiterin anzufangen. FILMZ habe ich in dieser Zeit vor allem hinter den Kulissen erlebt: hinter dem Tresen, im Projektionsraum, im Kinosaal. Das Festival des deutschen Kinos wird vor allem von ehrenamtlichen, filmbegeisterten Menschen organisiert – überwiegend jungen Filmwissenschafts-Studierenden der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

    Und wie es bei ehrenamtlich getragenen Festivals oft der Fall ist, waren die Ausgaben sehr unterschiedlich gut organisiert – je nachdem, wer in welchem Jahr welche Aufgaben übernommen hat. Das soll nicht nach versteckter Kritik klingen, das ist schlichtweg die Realität eines jeden Filmfestivals, das auf die Mitarbeit von Ehrenamtlichen und Volontär*innen – und damit auf deren Engagement und Idealismus – angewiesen ist.

    Mein „Irgendwann“ wurde schließlich die 24. Ausgabe von FILMZ – meine erste, die ich als akkreditierte Besucherin bewusst wahrgenommen und erlebt habe. Warum ausgerechnet 2025?

    Weil ich nach der Berlinale, dem Filmfest München und dem Locarno Filmfestival endlich nicht mehr das Gefühl hatte: Was mache ich hier? Ich gehöre hier nicht hin. Weder so richtig zu den passionierten Kinobesucher*innen noch zum professionellen Fachpublikum.
    Lange dachte ich, meine Liebe zum Film allein und der Traum, selbst mal Filme zu machen, gäben mir noch kein „Recht“, auf Festivals zu sein. Inzwischen weiß ich: doch genau oder gerade deswegen.

    Ich habe die besagten Festivals als sehr unterschiedliche Communities kennenlernen und erleben dürfen. Umso neugieriger war ich auf die FILMZ-Community in meiner Heimatstadt, die mir ja teilweise bereits bekannt war. Gleichzeitig hatte ich die Befürchtung, dass sich weniger junge Menschen für ein Filmwissenschaftsstudium in Mainz entscheiden – zumal die Medienstadt Mainz im Vergleich zu anderen Studienorten filmkulturell eher klein wirkt: ein Programmkino, ein Multiplex – das war’s.

    Da hab ich mich zum Glück getäuscht. Denn FILMZ hat spürbar jungen Zuwachs bekommen – und zwar nicht nur in Anzahl, sondern auch in Haltung. Viele neue Gesichter bereichern das Festivalteam mit ihrem Engagement, ihrer Freundlichkeit und Achtsamkeit; sie tragen das Festival in allen Bereichen mit, bis hinein in die Festivalleitung. Selten habe ich eine so herzliche, offene Danksagung an das eigene Festivalteam erlebt wie bei der Eröffnung (!) von FILMZ 2025. Dieser Moment allein hat mich sehr berührt – und hat gleichzeitig den Ton für die folgenden Festivaltage gesetzt.

    Highlights

    Features

    • Heldin | 9/10 ♥️
    • Night of the Coyotes | 8/10
    • Wohin mit mir? | 8/10 ♥️
    • Rabia | 7/10
    • Der Tod ist ein Arschloch | 7/10
    • Das deutsche Volk | 7/10

    Bild: © Letterboxd / @hungrylikeafox

    Highlights

    Shorts

    • Queer Exile | 7/10
    • Square Peg in a Black Hole | 7/10
    • Shut Up And Suffer | 6/10
    • Häppchen | 6/10

    Lowlights

    Hier findet sich nur ein Film wieder, der mich im Gegensatz zu vielen anderen im Publikum deutlich weniger überzeugt hat – und der ironischerweise aber den Langfilmwettbewerb gewonnen hat.

    • Danke für nichts | 4/10

    Fazit

    Neben der spürbaren Herzlichkeit des Festivalteams hat mich vor allem das Programm überzeugt: der Dokumentarfilm- und Kurzfilmwettbewerb, das Symposium „Arbeit und Klasse“, das Spotlight: Deutsch-Türkisches Kino sowie die vom Soroptimist Club Mainz kuratierten SI STAR-Filme.

    Dass die Wettbewerbe vom Publikum entschieden werden, macht das FILMZ nur noch sympathischer – und beschließt mein Festivaljahr auf genau die liebevolle, inspirierende Weise, die ich mir gewünscht hatte.

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  • „Rave On“ (2025) – Warum wir bleiben, wenn wir längst gehen sollten

    „Rave On“ (2025) – Warum wir bleiben, wenn wir längst gehen sollten

    Bild: © Weltkino

    Eine essayistische Filmkritik über Techno, Drogen, Eskapismus, Quarterlife Crisis und die Sehnsucht nach Verbindung – in der Berliner Clubkultur

    Eine Nacht, ein Rausch, ein Rave.

    In Rave On“ (Regie & Drehbuch: Viktor Jakovleski & Nikias Chryssos) wird nicht viel erklärt, sondern vielmehr erlebt. Wer hier eine stringente Handlung erwartet, wird vermutlich enttäuscht. Denn dieser Film funktioniert eher wie eine ausufernde Clubnacht: chaotisch, atmosphärisch, treibend, manchmal bewusstseinsverändernd, manchmal einfach nur anstrengend – aber irgendwie trotzdem aufregend und vor allem ehrlich in seiner vermeintlichen Inhaltslosigkeit.

    Im Zentrum steht Kosmo (Aaron Altaras), einst gefeierter DJ, heute Produzent, eher Beobachter seiner selbst. Sein Plan für den Abend ist schlicht, fast naiv: Er will seinem Idol Troy Porter (Jamal Moss aka Hieroglyphic Being) in seinem alten Lieblingsclub in Berlin seine neue Platte persönlich überreichen – ein letzter Versuch, einen Traum zu retten, der Jahre zuvor in genau diesem Club zerbrach. Was als relativ simpler Plan beginnt, entgleitet ihm schnell und verwandelt sich in einen fiebrigen Trip, in dem Realität und Rausch, Nostalgie und Ernüchterung miteinander verschwimmen.

    Rave On“ fühlt sich an wie ein durchtanzter Fiebertraum, der sich manchmal zieht, dann wieder beschleunigt, der sich in Stroboskoplicht auflöst und sich irgendwo zwischen Ekstase und Selbstverlust verflüssigt. Man kann ihn nicht kontrollieren. Man muss sich ihm hingeben – oder draußen bleiben.

    Die Dialoge wirken lebendig, ungefiltert, beiläufig – erstaunlich realistisch. Sie klingen selten nach „Film“, sondern eher wie die Gespräche, die man um fünf Uhr morgens an irgendeiner Bar führt – mal ehrlich, mal tiefgründig, mal belanglos, mal benebelt, aber für einen kurzen Moment verstanden.

    Das Schauspiel – allen voran Aaron Altaras – ist so nuanciert und unmittelbar, dass man die Figur Kosmo fast körperlich fühlen kann. Seine Entschlossenheit. Seine Unsicherheit. Seine Sehnsucht. Sein Stolpern. Sein Straucheln. Sein verzweifeltes Festhalten an einer Vision, die schon beim Betreten des Clubs zum Scheitern verurteilt scheint. Altaras’ bemerkenswerte Intensität und Leichtigkeit im Spiel tragen den Film und machen ihn greifbar. Weil man ihm glaubt. Weil man spürt, dass er etwas sucht – vielleicht Bestätigung, vielleicht Anschluss, vielleicht einfach nur ein kurzer Moment der Wärme.

    Kosmo will eigentlich nichts nehmen, will clean bleiben. Doch der Widerstand hält nur so lange, bis ihn die Nacht und ihre Versuchungen einholen. LSD, Speed, Hasch, Keta – der Cocktail wirkt. Nicht zuletzt durch Kamera-, Bild- und Toneffekte kann man förmlich spüren, wie sich die Wahrnehmung mit jeder Substanz verschiebt. Nicht überinszeniert, nicht bagatellisiert – authentisch. Der Geruch von triefendem Schweiß, ein klebriger Clubboden, bekannte Gesichter, pure Reizüberflutung. Einst Kosmos Zuhause, wirkt die Berliner Technoszene auf ihn heute eher fremd: weniger subversiver Rückzugsraum als ästhetisierte Scheinfreiheit, Fake-Deep-Talks, aber auch Momente echter Achtsamkeit und aufrichtiger Menschlichkeit.

    Film als Vibe & Kommentar Der Club als Spiegel der Gesellschaft

    Die Berliner Technoszene wird hier nicht verklärt, sondern gespiegelt. Es geht weniger um Musik als um Vibe und Style. Eine Clubnacht wird zur Sinnsuche, zum Fiebertraum zwischen Awareness-Raum und Keta-Überdosis, zwischen spirituellem Palaver und echter Verbundenheit, zwischen Zigaretten nach dem Sex und einem Schulterklopfen von Fremden, das mehr Trost spendet als das Hochgefühl auf dem Dancefloor.

    Ja, „Rave On“ hat wenig Plot. Aber genau das macht ihn so treffend. Wie eine echte Partynacht ist er weniger narrativ als atmosphärisch. Rhythmisch, synthetisch, hypnotisch, repetitiv – wie der Sound, den er einfängt. Man wandert von Raum zu Raum, verliert das Zeitgefühl, verliert die Orientierung, verliert irgendwann die eigenen Grenzen. Und am Morgen kommt die Hangxiety, der Comedown, die Leere – aber auch das eigenartige Gefühl, etwas erlebt zu haben, das nur in dieser diffusen Zwischenwelt möglich war.

    Da sind wir bei den Fragen, die der Film nur andeutet, aber nie direkt ausspricht – zur Mechanik hinter dem Rausch:

    Warum konsumieren wir eigentlich? Warum können wir nicht aufhören, wenn genug ist? Ballern weiter, trinken weiter… bis zum Blackout? Warum bleiben wir noch ein bisschen, wenn wir längst zu müde sind, draußen die Sonne schon aufgeht, der erste Bus wieder fährt?

    Ist es wirklich FOMO? Haben wir wirklich Angst, etwas zu verpassen oder ist es die Gier nach mehr? Und nein, nicht unbedingt die Gier im eigentlichen Sinne, kein reiner Hedonismus, sondern eher die Neugier, die einen antreibt, vielleicht eben doch noch zu bleiben? In der leisen Hoffnung, dass doch noch irgendetwas passiert? Etwas von Bedeutung? Etwas, das uns länger vom Alltag entfliehen lässt?

    Techno wird hier zur Metapher für Gier, Neugier, Selbstverlust – und das Bedürfnis, sich aufzulösen und gleichzeitig wiederzufinden.

    Der Film verharmlost Drogen nicht. Er entzaubert sie. Zeigt, wie leer das Versprechen dahinter ist. Wie fragil das Glück. Wie schnell man im Awareness-Raum landet, ohne sich an den Weg dorthin zu erinnern. Und wie viele Menschen in diesen Nächten eigentlich nach Verbindung suchen, nicht nach Ekstase.

    Freiheit & Privileg – die männliche Perspektive

    Man könnte fragen: Braucht es wirklich wieder einen männlichen Protagonisten in seiner Quarterlife Crisis?
    In diesem Fall: ja. Denn ein solcher Film funktioniert gerade deshalb, weil er zeigt, wie unbedarft, kopflos und frei ein Mann sich allein (!) in dieser Nacht treiben lassen kann – ohne Angst vor Übergriffen, ohne ständiges Kontrollieren der eigenen Grenzen. Eine weiblich gelesene Figur hätte diese Nacht nicht so selbstverständlich derart sorglos erleben können – und das ist keine Moralkeule, sondern Realität. Die Naivität, die Freiheit, die Unachtsamkeit des männlichen Protagonisten – das ist ein Privileg.

    Zeitgeist, Rausch & Realitäten

    Gleichzeitig spiegelt „Rave On“ auch unsere Gegenwart wider. Die Annahme, Gen Z würde kaum noch trinken – „Enthaltsamkeit ist der neue Rausch“ – scheint eine andere Realität auszublenden. Denn Perspektivlosigkeit, Angstzustände, Depression und Stress sind in dieser Generation präsent wie kaum zuvor. Es wäre naiv zu glauben, dass sie deshalb komplett enthaltsam lebt. Die Rauschmittel verändern sich, nicht jedoch der Wunsch nach Rausch. Der Wunsch nach einem kurzen Ausweg aus einer Welt, die zu laut, zu schnell, zu überwältigend ist.

    Der Film wird in seinen besten Momenten zu einem Spiegel dieser Lebenswelten. Man kann auch völlig nüchtern auf einem Rave sein und trotzdem oder gerade deswegen die unschönen Seiten und unangenehmen Wahrheiten der aktuellen Partykultur sehen, oder eben seine Augen davor verschließen und so tun, als hätte man diese Parallelwelt nie gesehen. Denn richtig, sich etwas vorzumachen, ist auch eine Form der Realitätsflucht, nur eben eine kontrolliertere und bewusstere.

    Rave On“ ist weder moralische Abrechnung noch verherrlichender Partyfilm. Er ist ein ungeschöntes Porträt einer Berliner Clubnacht – ein Rauschfilm ohne Romantisierung, ein Vibe-Film ohne Pose.

    Wer sich darauf einlässt, wird eine ehrliche, rohe, manchmal anstrengende, manchmal faszinierende Erfahrung machen – wie eine Nacht, die nicht unbedingt gut war, aber erkenntnisreich.
    Eine Nacht, die man teils bereut und gleichzeitig schätzt, weil man irgendwie froh ist, dabei gewesen zu sein.

    In diesem Sinne: Rave on – but be aware of the K-hole.

    Gesehen im Rahmen des Filmfest München 2025 in der Sektion Neues Deutsches Kino

    Bewertung: 7/10

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  • Highlights & Lowlights – Filmfest München 2025

    Highlights & Lowlights – Filmfest München 2025

    Bild: © Melanie Eckert

    Ein Überblick über meine persönlichen Festivalhöhepunkte, erste Eindrücke, besondere Entdeckungen und kurze Kurzkritiken. Der ausführliche Festivalbericht folgt bald.

    Vorweg sei gesagt – ich war noch nie so begeistert von einem Festivalprogramm wie von diesem! Ich konnte mich wirklich kaum entscheiden, welche Filme ich nicht auf meine Watchlist packen sollte, weil das Münchner Programm so derart vielfältig, interessant und bedacht zusammengestellt wurde. Eine wirklich erlesene Kuration wie ich sie so selten zuvor gesehen habe. Von American Independent Kino über deutsches Kino, Kinderfilme, Arthouse, Dokus bis hin zu Cannes-Festivaltiteln. Das Programm war sowohl sehr international aufgestellt, genretechnisch sehr vielfältig und auch thematisch sehr breit gefächert, aber immer mit gesellschaftlicher Relevanz.

    Highlights

    • I Only Rest in the Storm | 9/10 ♥️
    • The Life of Chuck | 9/10 ♥️
    • Un Poeta | 8/10 ♥️
    • Sentimental Value | 8/10
    • Yes | 8/10
    • Nouvelle Vague | 8/10
    • Le città di pianura | 7/10 ♥️
    • Rave On | 7/10
    • Sirāt | 7/10
    • American Sweatshop | 7/10
    • Urchin | 7/10
    • L’Attachement | 7/10
    • I Am Martin Parr | 7/10
    • Pinch | 7/10
    • My Uncle Jens | 7/10

    Bild: © Letterboxd / @hungrylikeafox

    Lowlights

    Auch Filme, die mich weniger überzeugen konnten, gehören zu einer ehrlichen Festivalbilanz dazu.

    • Okamoto | 4/10
    • Unterwegs im Namen der Kaiserin | 4/10
    • Together | 5/10

    Fazit

    Insgesamt war das Filmfest München 2025 für mich eines der stärksten Festivalerlebnisse des Jahres – voller Überraschungen, außergewöhnlicher Vielfalt und Filme, die noch lange nachwirken.

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