Schlagwort: Komödie

  • „Yannick“ (2023) – Filmkritik: Quentin Dupieux’ clevere Gesellschaftssatire über Kunst, Elitismus und die Macht des Zuhörens

    „Yannick“ (2023) – Filmkritik: Quentin Dupieux’ clevere Gesellschaftssatire über Kunst, Elitismus und die Macht des Zuhörens

    Bild: © Chi-Fou-Mi Productions, Atelier de Production

    Ein unerwarteter Theatercrash wird zur schonungslosen Reflexion über Privilegien, Empathie und den fehlenden Dialog in unserer Gesellschaft.

    Yannick“ ist viel mehr als eine böse Gesellschaftssatire, die mit den Zuschauererwartungen spielt. Ist der Film auf der Meta-Ebene sicherlich auf den ersten Blick vor allem auch als Kritik an den eingefahrenen Formen von Kunst, Intellektualismus & Elitismus zu verstehen, entfaltet das Kammerspiel in seiner kurzen Laufzeit peu à peu noch viel mehr Spielraum für Interpretationen und regt weiter Diskurse über Kunstverständnis & Konventionen an.

    Letztlich geht es tatsächlich auch genau um die titelgebende Variable Yannick – ein Mensch, ein Zuschauer, der seiner Welt kurz entfliehen möchte und im Theater nach Zuflucht und Unterhaltung sucht. Er kritisiert das Theaterstück, die Schauspieler*innen, aber vor allen Dingen die herablassende, pseudointellektuelle Attitüde dieser. Dabei hat Yannick sehr wohl auch berechtigte Punkte und gute Argumente, die für ihn sprechen. Er sei aber ja nur ein Nachtwächter, der sich extra für dieses Stück Entertainment frei genommen hat, ein „Loser“, der sich hier so derart aufspielt.
    Blöd, dass man dem Loser erst zuhört, wenn er zur „Gefahr“ für andere wird, für die doch eher privilegiertere Mehrheit.

    Genau hier liegt meiner Meinung nach die Kernaussage des Films – unserer Gesellschaft fehlt es an Dialog und der Fähigkeit anderen Menschen wirklich zuzuhören, uns für diese zu interessieren.

    Es darf uns nicht erst interessieren, wenn es uns direkt betrifft. Interesse am Gegenüber hat dabei auch viel mit Menschlichkeit und Empathie zu tun, die in unserer schnelllebigen Leistungsgesellschaft oft auf der Strecke bleiben, uns aber ja sogar auch immer persönlich bereichern können, da der Mensch ohne soziale Bindungen nun mal auch nicht (über-)leben kann. Anstatt unserem Gegenüber wirklich zuzuhören und verstehen zu wollen, warum diese Person dieser Meinung ist und dementsprechend handelt, verpassen wir die Chance etwas dazu zu lernen und eine gute Lösung zu finden, entscheiden uns dann doch lieber für die gewaltvolle/gewaltbereite Eskalation.

    Unterschätze eben nie deine Mitmenschen, dein Gegenüber! Behandele Menschen nie von oben herab. Denn es wird immer jemanden geben, der es besser weiß als du und etwas besser kann als du. Und ist es nur eine unterhaltsamere Geschichte zu erzählen…

    Bewertung: 9/10 ♥️

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  • „American Fiction“ (2023) – Filmkritik: Satire trifft Familiendrama, doch bleibt beides an der Oberfläche

    „American Fiction“ (2023) – Filmkritik: Satire trifft Familiendrama, doch bleibt beides an der Oberfläche

    Bild: © MGM, Orion Pictures

    Cord Jeffersons Film beleuchtet die Absurdität von Authentizität in der Literaturbranche und hinterfragt Erwartungen sowie Vorurteile – bleibt dabei jedoch erzählerisch zwiegespalten.

    Thelonious Ellison, genannt „Monk“, (Jeffrey Wright) arbeitet als Universitätsprofessor für englische Literatur. Neben der Hochschullehre schreibt Monk auch selbst Romane, gilt zwar als angesehener Schriftsteller, jedoch hält sein Verleger seine letzten Manuskripte für „nicht schwarz genug“ für die breite Leserschaft. Frustriert vom Erfolg des in seinen Augen klischeebehafteten Bestseller-Romandebüts der Afroamerikanerin Sintara Golden (Issa Rae), beginnt er selbst einen derart plakativen Roman unter einem Pseudonym zu schreiben. Dieser wird zu Freuden seines Verlegers direkt von einem angesehenen Verlag abgekauft und unmittelbar nach seiner Veröffentlichung schon zum Bestseller – zum Leidwesen Monks, der sich beschämt hinter dem Pseudonym versteckt und von Gewissensbissen geplagt wird.

    Ich mag die Prämisse von „American Fiction“ sehr, mir gefällt die Idee, aber die Umsetzung hat mich leider nicht soo abgeholt.

    Es wirkt für mich stellenweise so als ob der Film zwei Geschichten erzählt, die satirische Leidensgeschichte eines Schriftstellers und ein eigentlich vielschichtiges Familiendrama auf der anderen Seite. In beiden Geschichten kratzt man für meinen Geschmack mehr an der Oberfläche, wo doch beide Geschichten viel mehr bieten. 

    Die Charakterentwicklung Monks ist für mich nicht immer ganz nachvollziehbar, einige zwischenmenschlichen Entwicklungen kommen etwas aus dem Nichts, weil doch alle Charaktere außer Monk eher eindimensional bleiben. Das liegt nicht am Schauspiel, sondern viel mehr am Drehbuch. 

    Auch die Dialoge wirken manchmal etwas hölzern, fast unnatürlich. Zwar mögen die weiblichen Charaktere auf den ersten Blick alle erstmal stark geschrieben sein, jedoch wirken sie durch ihre Eindimensionalität streckenweise künstlich feministisch. Denn ein

    „Geniuses are lonely, because they can’t connect with the rest of us.“ – Agnes Ellison

    hab ich von Monks Mutter nun wirklich nicht gebraucht, als sie Monks Vater und ihren Sohn als Genies bezeichnet.

    „Potential is what people see, when they think, what’s in front of them isn’t good enough.“ – Sintara Golden

    „One Day you will maybe learn that not being able to relate to other people isn’t a badge of honor.“ – Coraline

    Auch diese klugen Sätze wirken am Ende auf mich eher wie Kalendersprüche, zwar klug, aber viel folgt darauf nicht. 

    Trotz alldem trifft der Film wie seine Romanvorlage „Erasure“ (2001) einen wichtigen Punkt in diesen Zeiten mit seiner Kritik am Establishment der Afroamerikanischen Literatur, unseren Erwartungen und Vorurteilen.

    American Fiction ist für mich ein Film, der einen darüber nachdenken lässt, ob man „Authentizität“ in einer Film-/Literatur-/Kunstkritik generell überhaupt anführen sollte bzw. jemals wirklich konnte. 

    Bewertung: 6/10

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