Bild: © Chi-Fou-Mi Productions, Atelier de Production
Ein unerwarteter Theatercrash wird zur schonungslosen Reflexion über Privilegien, Empathie und den fehlenden Dialog in unserer Gesellschaft.
„Yannick“ ist viel mehr als eine böse Gesellschaftssatire, die mit den Zuschauererwartungen spielt. Ist der Film auf der Meta-Ebene sicherlich auf den ersten Blick vor allem auch als Kritik an den eingefahrenen Formen von Kunst, Intellektualismus & Elitismus zu verstehen, entfaltet das Kammerspiel in seiner kurzen Laufzeit peu à peu noch viel mehr Spielraum für Interpretationen und regt weiter Diskurse über Kunstverständnis & Konventionen an.
Letztlich geht es tatsächlich auch genau um die titelgebende Variable Yannick – ein Mensch, ein Zuschauer, der seiner Welt kurz entfliehen möchte und im Theater nach Zuflucht und Unterhaltung sucht. Er kritisiert das Theaterstück, die Schauspieler*innen, aber vor allen Dingen die herablassende, pseudointellektuelle Attitüde dieser. Dabei hat Yannick sehr wohl auch berechtigte Punkte und gute Argumente, die für ihn sprechen. Er sei aber ja nur ein Nachtwächter, der sich extra für dieses Stück Entertainment frei genommen hat, ein „Loser“, der sich hier so derart aufspielt.
Blöd, dass man dem Loser erst zuhört, wenn er zur „Gefahr“ für andere wird, für die doch eher privilegiertere Mehrheit.
Genau hier liegt meiner Meinung nach die Kernaussage des Films – unserer Gesellschaft fehlt es an Dialog und der Fähigkeit anderen Menschen wirklich zuzuhören, uns für diese zu interessieren.
Es darf uns nicht erst interessieren, wenn es uns direkt betrifft. Interesse am Gegenüber hat dabei auch viel mit Menschlichkeit und Empathie zu tun, die in unserer schnelllebigen Leistungsgesellschaft oft auf der Strecke bleiben, uns aber ja sogar auch immer persönlich bereichern können, da der Mensch ohne soziale Bindungen nun mal auch nicht (über-)leben kann. Anstatt unserem Gegenüber wirklich zuzuhören und verstehen zu wollen, warum diese Person dieser Meinung ist und dementsprechend handelt, verpassen wir die Chance etwas dazu zu lernen und eine gute Lösung zu finden, entscheiden uns dann doch lieber für die gewaltvolle/gewaltbereite Eskalation.
Unterschätze eben nie deine Mitmenschen, dein Gegenüber! Behandele Menschen nie von oben herab. Denn es wird immer jemanden geben, der es besser weiß als du und etwas besser kann als du. Und ist es nur eine unterhaltsamere Geschichte zu erzählen…
Bewertung: 9/10 ♥️
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