Bild: © Paramount Pictures Germany, Showtime
Eine tiefgehende historische Liebesgeschichte von den 60ern bis zur AIDS-Krise – emotional, brillant gespielt und erschreckend aktuell.
„Fellow Travelers“ ist eine Miniserie, die sich nicht damit begnügt, eine historische Romanze zu erzählen. Vielmehr legt sie offen, wie tief politischer Druck, religiöse Moralvorstellungen und staatliche Macht in das Privatleben zweier Männer hineinwirken – und wie viel Mut es braucht, unter solchen Bedingungen überhaupt lieben zu wollen.
Die achtteilige Miniserie beginnt im Washington D.C. der 1950er-Jahre, inmitten der McCarthy-Ära, die sich nicht nur gegen vermeintliche Kommunist*innen richtete, sondern im Zuge des sogenannten „Lavender Scare“ gezielt gegen homosexuelle Menschen. Ausgerechnet in diesem Klima begegnen sich Hawkins Fuller (Matt Bomer), ein kontrollierter Kriegsveteran und charismatischer Regierungsmitarbeiter, und der religiöse, zutiefst idealistische Arbeitskollege Tim Laughlin (Jonathan Bailey). Was als Zurückhaltung beginnt, wird Schritt für Schritt zu einer Verbindung, die für beide existenziell wird – und gefährlich.
„It’s not who we sleep with, it’s who we love.“ – Tim (Ep.3)
Serienschöpfer Ron Nyswaner, der schon mit dem Drehbuch zu „Philadelphia“ (1993) ein zentrales Werk über Homophobie und AIDS prägte, verwebt hier persönliche und politische Geschichte zu einem eindringlichen Zeitporträt. Die Miniserie spannt ihren Bogen über mehrere Jahrzehnte, von den Protestbewegungen der 60er bis zur AIDS-Krise der 80er – und erzählt damit nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern die Chronik einer queeren amerikanischen Erfahrung.
Was „Fellow Travelers“ so stark macht, ist seine Fähigkeit, historische Atmosphäre nicht nur nachzustellen, sondern fühlbar zu machen. In vielen Momenten erinnert die Serie an die Präzision von „Mad Men“ (2007): die Blicke, die Kleidung, die gesellschaftliche Engstirnigkeit und die subtile Systemgewalt, die in jedem Raum mitschwingt. Die Mechanismen von Macht – und wer sie nutzen darf – sind das unsichtbare Netz, in dem sich Hawk und Tim verfangen.
Neben der politischen Dimension trägt vor allem das Schauspiel die Miniserie. Matt Bomer spielt Hawk mit einer Mischung aus Charisma, emotionaler Disziplin und tief vergrabener Verletzlichkeit; Jonathan Bailey verleiht Tim eine glühende Aufrichtigkeit, die im Laufe der Serie immer wieder gebrochen und neu zusammengesetzt wird. Die Chemie zwischen den beiden ist nicht nur glaubwürdig, sondern zentral – sie hält die Serie auch in ihren schmerzvollsten Momenten zusammen.
Was bleibt, ist das große Thema der Serie: der Preis des Schweigens. Die Angst, entdeckt zu werden. Die Angst, die eigene Integrität zu verlieren. Die Angst, jemanden zu lieben, den man nicht offen lieben darf. Und gleichzeitig das Beharren auf genau dieser Liebe, selbst wenn die Welt sie bestrafen will. Diese beklemmende erdrückende Dynamik wird durch das intelligente Drehbuch anhand der Ausarbeitung der verschiedenen interessanten Charaktere deutlich und durch ein durchweg überzeugendes Schauspiel des Gesamtcasts getragen.
Dramaturgisch clever aufgebaut, kulminiert die Miniserie in ein sehr überzeugendes Finale, das vor allem zutiefst menschlich ist – eines der rundesten Serienfinales, die ich in den letzten Jahren gesehen habe.
„Fellow Travelers“ ist damit weit mehr als eine historische Miniserie. Es ist ein Stück queere Zeitgeschichte, verpackt als erschütternde Liebesgeschichte – brillant gespielt, präzise inszeniert und leider erschreckend aktuell.
„We are not dying from AIDS, we are dying from indifference.“ – Jerome (Ep.8)
Bewertung: 9/10 ♥️
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