„American Fiction“ (2023) – Filmkritik: Satire trifft Familiendrama, doch bleibt beides an der Oberfläche

Bild: © MGM, Orion Pictures

Cord Jeffersons Film beleuchtet die Absurdität von Authentizität in der Literaturbranche und hinterfragt Erwartungen sowie Vorurteile – bleibt dabei jedoch erzählerisch zwiegespalten.

Thelonious Ellison, genannt „Monk“, (Jeffrey Wright) arbeitet als Universitätsprofessor für englische Literatur. Neben der Hochschullehre schreibt Monk auch selbst Romane, gilt zwar als angesehener Schriftsteller, jedoch hält sein Verleger seine letzten Manuskripte für „nicht schwarz genug“ für die breite Leserschaft. Frustriert vom Erfolg des in seinen Augen klischeebehafteten Bestseller-Romandebüts der Afroamerikanerin Sintara Golden (Issa Rae), beginnt er selbst einen derart plakativen Roman unter einem Pseudonym zu schreiben. Dieser wird zu Freuden seines Verlegers direkt von einem angesehenen Verlag abgekauft und unmittelbar nach seiner Veröffentlichung schon zum Bestseller – zum Leidwesen Monks, der sich beschämt hinter dem Pseudonym versteckt und von Gewissensbissen geplagt wird.

Ich mag die Prämisse von „American Fiction“ sehr, mir gefällt die Idee, aber die Umsetzung hat mich leider nicht soo abgeholt.

Es wirkt für mich stellenweise so als ob der Film zwei Geschichten erzählt, die satirische Leidensgeschichte eines Schriftstellers und ein eigentlich vielschichtiges Familiendrama auf der anderen Seite. In beiden Geschichten kratzt man für meinen Geschmack mehr an der Oberfläche, wo doch beide Geschichten viel mehr bieten. 

Die Charakterentwicklung Monks ist für mich nicht immer ganz nachvollziehbar, einige zwischenmenschlichen Entwicklungen kommen etwas aus dem Nichts, weil doch alle Charaktere außer Monk eher eindimensional bleiben. Das liegt nicht am Schauspiel, sondern viel mehr am Drehbuch. 

Auch die Dialoge wirken manchmal etwas hölzern, fast unnatürlich. Zwar mögen die weiblichen Charaktere auf den ersten Blick alle erstmal stark geschrieben sein, jedoch wirken sie durch ihre Eindimensionalität streckenweise künstlich feministisch. Denn ein

„Geniuses are lonely, because they can’t connect with the rest of us.“ – Agnes Ellison

hab ich von Monks Mutter nun wirklich nicht gebraucht, als sie Monks Vater und ihren Sohn als Genies bezeichnet.

„Potential is what people see, when they think, what’s in front of them isn’t good enough.“ – Sintara Golden

„One Day you will maybe learn that not being able to relate to other people isn’t a badge of honor.“ – Coraline

Auch diese klugen Sätze wirken am Ende auf mich eher wie Kalendersprüche, zwar klug, aber viel folgt darauf nicht. 

Trotz alldem trifft der Film wie seine Romanvorlage „Erasure“ (2001) einen wichtigen Punkt in diesen Zeiten mit seiner Kritik am Establishment der Afroamerikanischen Literatur, unseren Erwartungen und Vorurteilen.

American Fiction ist für mich ein Film, der einen darüber nachdenken lässt, ob man „Authentizität“ in einer Film-/Literatur-/Kunstkritik generell überhaupt anführen sollte bzw. jemals wirklich konnte. 

Bewertung: 6/10

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