Bild:(c) X Verleih
Wie viel trennt Körper und Geist? „Aus meiner Haut“ wirft große Fragen über Identität, Liebe und Selbstakzeptanz auf – in einer faszinierenden Mischung aus magischem Realismus und emotionaler Tiefe.
„Aus meiner Haut“ ist kein komplizierter, verschachtelter Mysteryfilm, wenngleich er sich Elementen des magischen Realismus bedient, welche das komplexe Beziehungskonstrukt unserer beiden Hauptprotagonisten, Tristan (Jonas Dassler) und Leyla (Mala Emde), zum Wanken bringen.
Dabei geht es hier eigentlich gar nicht unbedingt primär um die Beziehung zwischen Tristan und Leyla, sondern letztlich viel mehr um die Beziehung zu sich selbst und seinem Körper, allen voran der Frage, ob Körper und Geist getrennt oder als Einheit betrachtet werden sollten.
Kann ein kranker, gebeutelter Körper auch den Geist krank machen oder ist es gar andersherum? Eine Frage mit der sich z. B. auch die Psychosomatik bereits in der Medizin immer häufiger auseinandersetzt, schließlich macht die mentale Gesundheit einiges an der ganzheitlichen körperlichen Gesundheit eines Menschen aus.
Zwar erfahren wir im Verlauf des Films nur wenig über die Vergangenheit von Leyla und Tristan, dem vorliegenden Trauma und den Gründen der Depression Leylas, was für mich aber gerade die Stärke dieses Films ausmacht.
Denn wie oft beantwortet man die Frage „Wie geht’s dir?“ eigentlich wahrheitsgemäß? Mal antwortet man aus Höflichkeit unehrlich, mal aus Schamgefühl, weil man den anderen nicht damit belasten will oder aus Selbstschutz, um sich nicht weiter damit auseinandersetzen zu müssen.
Wie oft nehmen wir uns denn wirklich mal die Zeit, in uns hineinzuhorchen und zu ergründen wie es uns ergeht?
Und wie soll eine außenstehende Person verstehen können, was man selbst gerade fühlt, wie man sich gerade fühlt, wenn diese so etwas noch nicht erlebt hat – eben nicht in deinem Körper steckt. Das muss sich auch Leyla gedacht haben, nachdem Tristan sie fragt „Geht es dir denn wirklich so schlecht?“
Leyla fühlt sich anfangs gefangen im eigenen Körper, sieht das Experiment als eine Art Chance auf „Heilung“ und fühlt sich in anderen Körpern befreiter und lebendiger denn je. Im Verlauf des Films erlernt sie quasi nach und nach wieder zu leben ohne ihren schweren „Altlasten“ auf den Schultern ihres gebeutelten Körpers.
Leylas psychischer wie körperlicher Zustand stellt ihre Beziehung zu Tristan auf die Probe. Kann man eine andere Person lieben, wenn man sich selbst nicht liebt? Verliebt man sich wirklich in den Menschen, die Persönlichkeit eines diesen oder doch viel mehr in die eigene Vorstellung dessen? Oder ist es doch das Oberflächliche eines Menschen, welches wir als Projektionsfläche nutzen?
„Aus meiner Haut“ ist ein Film der viele Themen anreißt, einige Fässer aufmacht und in verschiedenste Gewässer mit seinen Fußspitzen eintaucht, um in erster Linie zum Nachdenken anzuregen. Dabei muss er nicht alles aussprechen, weiter konkretisieren oder ausmalen, darin liegt viel mehr die Stärke wie auch Freiheit des filmischen Gedankenexperiments.
Hier wird nicht geurteilt oder vermessen etwas behauptet, nicht stigmatisiert oder bewertet – es liegt alles im Auge des Betrachters, der Perspektive, die man einzunehmen vermag.
Der Film von Alex Schaad bietet viel Hirnfutter als Buffet an, wie sehr man sich daran bedient, hängt davon ab wie viel Hunger man mitbringt und wie schnell man von den Häppchen gesättigt ist.
Wer Lust auf ein philosophisches Gedankenexperiment mit Körpertauschelementen aus „Altered Carbon“ und der mysteriösen Kommunenatmosphäre aus „Midsommar“ (ohne Horror!) hat, wird hier definitiv fündig.
Fazit: „Aus meiner Haut“ ist ein intelligenter SciFi-Liebesfilm aus Deutschland, der mit einfachen, aber cleveren, authentischen Dialogen und Wendungen äußerst erfrischend und geistig anregend auf mich wirkte. Klare Empfehlung, wer sich nach etwas zum Nachdenken sehnt!
Bewertung: 8/10 ♥️
Abenteuer Animation Berlinale Berlinale 2025 Biopic Deutsches Kino Doku Drama Fantasy Festivalberichterstattung Filme Filmfestival Filmfest München FILMZ Horror Kino Komödie Krimi Kurzfilm Liebe Miniserie Musik Mystery Neo-Noir Psychothriller Romanze Satire Sci-Fi Serie Streaming Thriller Wahre Begebenheiten

Hinterlasse einen Kommentar