Bild: © DCM / Master Mind Ltd, The Match Factory
Ein Film über Routinen, Menschlichkeit und die Kunst, Glück in den kleinen Momenten zu finden.
Hirayama (Koji Yakusho) wirkt sehr zufrieden mit seinem einfachen Leben als Toilettenreiniger in Tokio. Abseits seines strukturierten Alltags geht er seiner Leidenschaft für Musik und Büchern nach, hört Kassetten und liest Lektüre aus Second-Hand-Läden. Außerdem liebt er Bäume und fotografiert diese auch gerne. Eine Reihe unerwarteter Begegnungen geben nach und nach mehr über seine Vergangenheit preis und warum die Einfachheit seines täglichen Lebens ihm das ersehnte Glück zu geben scheint.
Wim Wenders gelingt mit „Perfect Days“ ein intimes, wie universales Porträt der Menschlichkeit und des Lebensgefühls in Tokio in Form einer Narrative rund um den Protagonisten Hirayama. Schauspieler Kōji Yakusho gewann zurecht in Cannes den Preis als bester Hauptdarsteller, transportiert er in seiner noch so kleinen Mimik & Gestik so viel mehr als nur ein Gefühl.
„That’s Hirayama, my senior at work. Great worker, but not a great speaker. I don’t even know his voice.“
Hirayama sagt nicht viel, redet wenig mit seinen Mitmenschen, ob Kollegen oder Bekannten. Und trotzdem ist er ein wahrer Philanthrop, geht achtsam und rücksichtsvoll mit seinen Mitmenschen um, erfreut sich daran, wenn andere Menschen glücklich sind, freut sich für sie und mit ihnen. Hirayama ist aber nicht nur Menschenfreund, sondern auch ein Pflanzenfreund. Er kümmert sich aufopferungsvoll um seine Pflanzensetzlinge zuhause, fotografiert gerne ganz bestimmte Bäume.
Dass Hirayama Toiletten putzt, spielt einerseits keine Rolle, und zwar für ihn selbst, andererseits eine große Rolle, und zwar für andere, die ihn aufgrund dessen weniger beachten oder gar bemitleiden. Er scheint den Job allerdings gerne zu machen, nimmt diesen sehr ernst und ist dabei akkurat bis pedantisch. Und das zurecht! Ob Müllabfuhr, Straßen- oder Toilettenreiniger – ohne diese Menschen würden unsere Zivilisationen vor die Hunde gehen, was man jedoch immer erst merkt, wenn es mal nicht funktioniert. Speziell (öffentliche) Toiletten haben in Japan nochmal einen ganz anderen Stellenwert als hier. Auch darüber sollte wir reden, kamen nicht nur griechischen Philosophen ihre besten Ideen auf Toilette. Woran das liegt? Weil wir diese Prozesse, ob nun das Duschen oder den Toilettengang, derart verinnerlicht haben, dass wir darüber kaum mehr nachdenken müssen, dafür unsere Gedanken frei schweifen lassen können, abschalten können. Sollten wir solche Orte dann nicht eigentlich auch mehr wertschätzen für die tägliche Auszeit, die sie uns gewähren?
„Next time is next time. And now is now.“ – Hirayama
Der Film erforscht die Schönheit der kleinen Dinge, wirkt dabei fast wie eine poetische Meditation, da die Rituale und Routinen unseres Protagonisten auch immer etwas entspannendes, etwas friedliches an sich haben, was wir, wie der Protagonist auch, langsam verinnerlichen.
Sei es nun das Geräusch von zwitschernden Vögeln oder die fegende Nachbarin, das Falten der Decke am Morgen, das Zähne putzen, die ersten Lichtstrahlen der Sonne oder der morgendliche Kaffee. Zwar könnte man von einer gewissen Monotonie sprechen, doch haben all diese Dinge doch auch etwas beruhigendes gemeinsam, vermitteln einem etwas Sicherheit in ihrer vorgeblichen Redundanz.
Es ist die Einstellung Hirayamas zum Tag, zum Leben selbst. Mit einer inneren Ruhe und Begeisterungsfähigkeit an den vermeintlichen Banalitäten des Alltags begeht er Tag für Tag und nimmt dabei immer seine Umgebung und seine Mitmenschen wahr. Ihn kümmert es, was um ihn herum passiert. Irgendwie kennt man ja dann doch ein bisschen die Menschen, denen man täglich auf dem Weg zur Arbeit oder auf der Arbeit begegnet, ohne sie wirklich zu kennen.
„The world is made up of many worlds. Some are connected and some are not. My world and your mum’s world are very different.“ – Hirayama
Als seine Nichte plötzlich bei ihm auftaucht, beleuchtet der Film noch eine weitere Seite der Figur. Hirayama scheint auch ein Sammler von Erinnerungen in Form von Büchern, Musikkassetten und Fotografien zu sein. Durch die Neugier seiner Nichte teilt er diese auch mit ihr, womit sich eine neue Dimension für beide eröffnet, geht es dann schließlich auch um Familie, verschiedene Generationen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser.
Wie passend, dass der Film gegen Ende auch den Punkt macht, dass wenn Menschen zu viel arbeiten, sie nichts mehr vom Leben haben, weil sie keine Zeit für sich haben, zu erschöpft sind und letztlich Lebenslust und Zufriedenheit verlieren.
„Perfect Days“ ist ein herzerwärmendes Drama, welches einen glücklich zurücklässt, jedoch auch zum Nachdenken anregt, was für uns individuell Zufriedenheit eigentlich ausmacht.
Bewertung: 9/10 ♥️
Abenteuer Animation Berlinale Berlinale 2025 Biopic Deutsches Kino Doku Drama Fantasy Festivalberichterstattung Filme Filmfestival Filmfest München FILMZ Horror Kino Komödie Krimi Kurzfilm Liebe Miniserie Musik Mystery Neo-Noir Psychothriller Romanze Satire Sci-Fi Serie Streaming Thriller Wahre Begebenheiten

Hinterlasse einen Kommentar