Kategorie: Kritik

  • „Return to Seoul“(2022) – Filmkritik: Zwischen Identitätssuche und kulturellem Verlorensein

    „Return to Seoul“(2022) – Filmkritik: Zwischen Identitätssuche und kulturellem Verlorensein

    Bild: © Rapid Eye Movies

    Davy Chous bewegendes Drama erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die in Südkorea ihre leiblichen Eltern sucht – und sich dabei inmitten von Sprachbarrieren, Projektionen und kulturellen Spannungen selbst zu verlieren droht.

    Freddie (Ji-Min Park) wurde als Kleinkind nach ihrer Geburt von einem französischen Paar adoptiert. Mit 25 Jahren reist sie nun zum ersten Mal nach Südkorea, in ihr Geburtsland, nachdem ihr eigentlicher Flug nach Tokyo gestrichen wurde. In Seoul begibt sie sich auf die Suche nach ihren biologischen Eltern, mithilfe der damaligen Adoptionsagentur.

    Auf der Suche nach ihren leiblichen Eltern begibt sich Protagonistin Freddie gleichzeitig auf die Suche nach ihrer Identität und findet sich verloren zwischen verschiedenen Kulturen und Projektionen wieder – buchstäblich „lost in translation.

    Freddie wird von den Projektionen und Emotionen, die sie in ihren Mitmenschen auslöst, förmlich überrollt. Sprachliche Barrieren erschweren weiter Kommunikation und Verständnis, zeigen Grenzen auf, die sie erst nicht so recht zu überwinden versucht. 

    Kommen Trauer, Schmerz oder Beklommenheit auf, lässt sie diese Emotionen nicht zu. Sie nimmt sich auf ihre Weise aus der Situation raus, um dieser zu entfliehen, sie zu verdrängen so gut wie möglich. Alkohol dient für Vater und Tochter zur Betäubung der Gefühle. Musik und Tanz dienen der Protagonistin als Ausflucht und Ventil, welche in den neongetränkten Bildern Seouls, wie eine Universalsprache zu uns sprechen, uns einen Einblick in ihre Gefühlswelt gewähren.

    Letztlich schafft es „Return to Seoul in einer Art Coming-of-Age-Odyssee, das Gefühl des Verlorenseins der Mittzwanziger-Protagonistin greifbarer zu machen, was mich teils zu Tränen gerührt hat, weil ich mich in einigen Punkten wiederfinden konnte. 

    Bewertung: 8/10 ♥️

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  • „Fellow Travelers“ (2023) (Miniserie) – Serienkritik: Zwischen Liebe, Macht und Unterdrückung

    „Fellow Travelers“ (2023) (Miniserie) – Serienkritik: Zwischen Liebe, Macht und Unterdrückung

    Bild: © Paramount Pictures Germany, Showtime

    Eine tiefgehende historische Liebesgeschichte von den 60ern bis zur AIDS-Krise – emotional, brillant gespielt und erschreckend aktuell.

    „Fellow Travelers“ ist eine Miniserie, die sich nicht damit begnügt, eine historische Romanze zu erzählen. Vielmehr legt sie offen, wie tief politischer Druck, religiöse Moralvorstellungen und staatliche Macht in das Privatleben zweier Männer hineinwirken – und wie viel Mut es braucht, unter solchen Bedingungen überhaupt lieben zu wollen.

    Die achtteilige Miniserie beginnt im Washington D.C. der 1950er-Jahre, inmitten der McCarthy-Ära, die sich nicht nur gegen vermeintliche Kommunist*innen richtete, sondern im Zuge des sogenannten „Lavender Scare“ gezielt gegen homosexuelle Menschen. Ausgerechnet in diesem Klima begegnen sich Hawkins Fuller (Matt Bomer), ein kontrollierter Kriegsveteran und charismatischer Regierungsmitarbeiter, und der religiöse, zutiefst idealistische Arbeitskollege Tim Laughlin (Jonathan Bailey). Was als Zurückhaltung beginnt, wird Schritt für Schritt zu einer Verbindung, die für beide existenziell wird – und gefährlich.

    It’s not who we sleep with, it’s who we love.“ – Tim (Ep.3)

    Serienschöpfer Ron Nyswaner, der schon mit dem Drehbuch zu „Philadelphia“ (1993) ein zentrales Werk über Homophobie und AIDS prägte, verwebt hier persönliche und politische Geschichte zu einem eindringlichen Zeitporträt. Die Miniserie spannt ihren Bogen über mehrere Jahrzehnte, von den Protestbewegungen der 60er bis zur AIDS-Krise der 80er – und erzählt damit nicht nur eine Liebesgeschichte, sondern die Chronik einer queeren amerikanischen Erfahrung.

    Was „Fellow Travelers“ so stark macht, ist seine Fähigkeit, historische Atmosphäre nicht nur nachzustellen, sondern fühlbar zu machen. In vielen Momenten erinnert die Serie an die Präzision von „Mad Men“ (2007): die Blicke, die Kleidung, die gesellschaftliche Engstirnigkeit und die subtile Systemgewalt, die in jedem Raum mitschwingt. Die Mechanismen von Macht – und wer sie nutzen darf – sind das unsichtbare Netz, in dem sich Hawk und Tim verfangen.

    Neben der politischen Dimension trägt vor allem das Schauspiel die Miniserie. Matt Bomer spielt Hawk mit einer Mischung aus Charisma, emotionaler Disziplin und tief vergrabener Verletzlichkeit; Jonathan Bailey verleiht Tim eine glühende Aufrichtigkeit, die im Laufe der Serie immer wieder gebrochen und neu zusammengesetzt wird. Die Chemie zwischen den beiden ist nicht nur glaubwürdig, sondern zentral – sie hält die Serie auch in ihren schmerzvollsten Momenten zusammen.

    Was bleibt, ist das große Thema der Serie: der Preis des Schweigens. Die Angst, entdeckt zu werden. Die Angst, die eigene Integrität zu verlieren. Die Angst, jemanden zu lieben, den man nicht offen lieben darf. Und gleichzeitig das Beharren auf genau dieser Liebe, selbst wenn die Welt sie bestrafen will. Diese beklemmende erdrückende Dynamik wird durch das intelligente Drehbuch anhand der Ausarbeitung der verschiedenen interessanten Charaktere deutlich und durch ein durchweg überzeugendes Schauspiel des Gesamtcasts getragen.

    Dramaturgisch clever aufgebaut, kulminiert die Miniserie in ein sehr überzeugendes Finale, das vor allem zutiefst menschlich ist – eines der rundesten Serienfinales, die ich in den letzten Jahren gesehen habe.

    „Fellow Travelers“ ist damit weit mehr als eine historische Miniserie. Es ist ein Stück queere Zeitgeschichte, verpackt als erschütternde Liebesgeschichte – brillant gespielt, präzise inszeniert und leider erschreckend aktuell.

    „We are not dying from AIDS, we are dying from indifference.“ – Jerome (Ep.8)

    Bewertung: 9/10 ♥️

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  • „Oppenheimer“ (2023) – Filmkritik: Zwischen Genialität und Zerstörung: Ein fesselndes Meisterwerk voller moralischer Dilemmata

    „Oppenheimer“ (2023) – Filmkritik: Zwischen Genialität und Zerstörung: Ein fesselndes Meisterwerk voller moralischer Dilemmata

    Bild: © Universal Pictures

    Christopher Nolans Oppenheimer ist überwältigend und ambivalent zugleich – ein filmisches Ereignis über die Verantwortung der Wissenschaft, das uns auch nach dem Abspann nicht loslässt.

    Durch und durch überladen & in sich zerrissenStärke & Schwäche zugleich.

    Kann „Oppenheimer“ überwältigend und fesselnd wirken durch den gewählten Schnitt & die Erzählstruktur, die sinnbildlich für das Innenleben der Hauptfigur & der Atombombe gelesen werden können, kann der Film auch unentschlossen, unfokussiert, zerfasert, ambivalent und oberflächlich auf einen wirken.

    Mich persönlich hat der Film mit purem Schauspielkino-Hochgenuss bekommen – einer bombastischen Ensembleleistung bis in die kleinsten Rollen mit fantastischem Dialog.
    Schnitt, Ton und Soundtrack wirkten gerade zur Thematik sehr immersiv auf mich und sorgten für eine innere Unruhe & ein Unwohlsein, was mich selbst zuhause noch nicht losgelassen hat, sodass ich mich noch stundenlang auf Wikipedia und YouTube zum Thema verloren habe. 

    „Oppenheimer“ hat mich gar zu Tränen gerührt, dass Menschen doch tatsächlich diese tödliche Errungenschaft derart zelebriert haben und wir Menschen seit dem immer in der Lage sein werden, die ganze Menschheit auf Knopfdruck auszulöschen.

    Der Film verhandelt wie kaum ein anderer das Thema der Verantwortung der Menschen, der Wissenschaft & des Fortschritts gegenüber der eigenen Existenz & Endlichkeit des Seins auf dieser Erde.

    Das Dilemma, was sich da nicht nur auf moralischer Ebene offenbart, wirft dabei immer neue Fragen auf, ob nun rund um die Bedeutung der Atombombe, der Besitz dieser, der Abwurf auf Japan damals oder in geopolitischer Hinsicht mit Weitsicht auf das Gleichgewicht des Schreckens, MAD vs NUTS… Es ist so abscheulich wie zugleich faszinierend, welche Tragweite diese Erfindung damals wie auch heute noch hat.



    Wenn mich ein Film derart bewegt und zum Nachdenken anregt weit nach Kinobesuch, dann hat er vieles verdammt richtig gemacht. 

    Bewertung: 8/10 ♥️

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  • „The Barkley Marathons“ (2014) – Filmkritik: Die härteste Lauf-Challenge der Welt und ihre schräge Faszination

    „The Barkley Marathons“ (2014) – Filmkritik: Die härteste Lauf-Challenge der Welt und ihre schräge Faszination

    Bild: © Annika Iltis, Timothy James Kane, FilmRise

    Ein Rennen, das (fast) niemand beendet – warum die Doku „The Barkley Marathons“ ein Muss für Sport- und Abenteuerfans ist.

    It’s not gonna be the way you planned it.

    Mit wenig Vorwissen gehe ich in den Film (zum Glück!) und trotzdem kam vieles anders als erwartet für mich. 

    The Barkley Marathons: The Race That Eats Its Young fängt den besonderen Spirit des außergewöhnlichen Ultramarathon-Rennens in 89 min kompakt und trotzdem in all seinen menschlichen wie sportlichen Facetten ein. Ich habe gelacht (die Bücher <3), mitgefiebert, gestaunt und Tränen vor Rührung in den Augen gehabt!

    They are people who are used to succeed. We have such a high number of people who have graduated degrees, because they sat goals, they accomplished something. They don’t let anything stand in their way. The race appeals to them, because they could fail. 

    Dass die Idee des Wettkampfes eigentlich als Spott am gescheiterten Gefängnisausbruchs James Earl Rays 1977 zu verstehen ist, bestimmt den Grundtenor der Sache und damit auch der Doku. 

    Das liegt allen voran an Mitbegründer Lazarus Lake, der vor allem eines ist: weird, unberechenbar, selbstironisch gewitzt & seltsam inspirierendgenau wie der Film selbst, was den Film in seiner verrückten Faszination rund um herausfordernden Extremsport in erster Linie richtig sympathisch und nahbar macht. 

    Ganz klare Empfehlung!
    (Danke an André für den Geheimtipp!) 

    Some of the failures were spectacular and really funny. But you like to see people have the opportunity to really find that something about themselves. 

    Bewertung: 8/10 ♥️

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  • „Suzume“ (2022) – Filmkritik: Makoto Shinkais bewegendes Abenteuer über Verlust, Vergangenheitsbewältigung und Selbstfindung

    „Suzume“ (2022) – Filmkritik: Makoto Shinkais bewegendes Abenteuer über Verlust, Vergangenheitsbewältigung und Selbstfindung

    Bild: © Crunchyroll

    Fantastische Animation, emotionale Tiefe und ein Hauch von Kitsch: Warum „Suzume“ das Publikum verzaubert – aber nicht ohne Kritik bleibt.

    Kyūshū, Japan: Die 17-jährige Suzume verlor im Kindesalter ihre geliebte Mutter. Eines Tages trifft sie auf einen jungen Mann namens Sōta, der „auf der Suche nach Türen“ ist. Aus Neugier & Furchtlosigkeit folgt sie ihm bis zu einer verlassenen Dorfruine. Dort findet sie eine freistehende Tür, von der sie, wie von unsichtbarer Hand, angezogen wird. Doch mit dem Öffnen der Tür scheint sie die Bevölkerung Japans zu gefährden. Um weitere Katastrophen zu verhindern, macht sich Suzume gemeinsam mit Sōta auf die Suche nach weiteren geöffneten Türen landesweit und begibt sich dabei auch auf ein ganz persönliches Abenteuer.

    Vorweg sei gesagt, dass dies mein erster Film von Makoto Shinkai war, sodass ich über Ähnlichkeiten zu seinen anderen Werken wie „Your Name “(2016) oder „Weathering With You“ (2019) nichts sagen kann.

    „We live side by side with death.“ 

    Suzume(2022) gleicht einem fantastischen Coming-of-Age-Abenteuerfilm, in dem die Protagonistin Suzume im Laufe ihres Roadtrips Trauma, Verlust und Herausforderungen zu bewältigen lernt, die ihr u. A. die Augen für zwischenmenschliche Beziehungen öffnen. 

    Dabei verzaubert der Film mit seinen atemberaubenden Bildern und seinem wunderschönen Score. Durch seinen kreativen Charme hat er mich erstaunlich oft zum Lachen, wie auch bitter zum Weinen gebracht, letzteres aus sehr persönlichen Gründen. 

    Alles in allem ist es dem Film so ein Leichtes sich in die Herzen des Publikums zu spielen. 

    Punktabzug gibt es für mich wegen der in meinen Augen eher stumpfen bis unnötigen Liebesgeschichte zwischen Sota und Suzume, die es für Suzumes Selbstfindung für meinen Geschmack so nicht gebraucht hätte, vor allem nicht so kitschig. Auch auf den ein oder anderen klischeehaften Dialog hätte ich verzichten können (oder liegt es an der Synchro / Subs?). Das es den ein oder anderen Plothole gibt, darüber kann ich gut und gerne hinwegsehen. Der Weg ist ja das Ziel und so.

    Bewertung: 7/10

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  • „Köln 75“ (2025) – Filmkritik: Die unglaubliche Geschichte hinter dem legendären „Köln Concert“

    „Köln 75“ (2025) – Filmkritik: Die unglaubliche Geschichte hinter dem legendären „Köln Concert“

    Bild: © Wolfgang Ennenbach / One Two Films

    Wie eine 18-Jährige das Konzert eines der meistverkauften Jazz-Soloplatten überhaupt möglich machte – und warum der Film ein Muss für Musikfans ist.

    Benannt ist der Film vom israelischen Regisseur und Drehbuchautor Ido Fluk nach der wahren Geschichte hinter einer der am häufigsten verkauften Jazz-Soloplatten bis heute, dem „The Köln Concert“ vom Pianisten Keith Jarrett aus dem Jahr 1975.

    Das Kuriose daran: Das Konzert stand kurz vor dem Scheitern. Wäre da nicht die entschlossene 18-jährige Vera Brandes gewesen, die das Konzert unbedingt auf die Bühne der Kölner Oper bringen wollte, während sie noch so nebenbei auf die Schule geht. Schon früh promotet und organisiert Vera erfolgreich Musikevents in Köln. Wie wahrscheinlich ist es, dass eine 18-Jährige mit einem einzigen Telefonanruf Musikgeschichte schreibt?

    Es ist eine Geschichte, die sich lohnt, erzählt zu werden, weil sie so unwirklich wirkt als wertvolles Zeitdokument, aber auch eine Charakter- wie Milieustudie ist, die zu faszinieren weiß. Mala Emde spielt Vera mit einer beeindruckender Präsenz und zeigt, wie weit sie es mit schierer Willenskraft, Selbstvertrauen und einer Portion Glück letztlich schafft. Es geht um Freiheit, Emanzipation und Rebellion, wie auch um die Kunst der Improvisation.

    Dabei zieht sich der Jazz durch jede Einstellung, ob in Set-Pieces, der Musikwahl, im Drehbuch, dem dramaturgischen Aufbau, im Tempo oder im Schnitt. Layer für Layer harmonisieren die verschiedenen Klangfarben miteinander, wie eingespielte Musiker*innen einer Band. Was entsteht, ist eine stimmige Gesamtkomposition, die auch durch das fantastische Schauspielensemble (John Magaro, Michael Chernus, Alexander Scheer, Ulrich Tukur) getragen wird. 

    Köln 75“ bereitet nicht nur Jazzliebhaber*innen beim Zuschauen und Zuhören Spaß, sondern gewährt auch generell für Newbies einen guten Zugang zum Jazz, wie auch Regisseur Ido Fluk während seiner Arbeit am Film bei sich selbst bemerkte. 

    Fazit:Köln 75“ ist ein Film, der nur so vor Dynamik, Charme und Lebensfreude strotzt, eine Tour de Force der etwas anderen Art, dessen Herzstück die berauschende Performance Mala Emdes in der Rolle der Vera Brandes darstellt.

    Spannend, witzig und unterhaltsam erzählt, mitreißend gespielt und clever inszeniert, trifft „Köln 75“ genau die richtigen Töne.

    Der Film ist wie ein Konzert, in das man spontan reingestolpert ist, sich von einer Freund*in hat überreden lassen und noch nicht genau weiß, wo die musikalische Reise hingeht.

    Wenn man sich aber auf die Musik einlassen kann, ist die Leidenschaft der Künstler*innen richtig ansteckend.

    Eine klare Empfehlung für jedes Publikum!

    Gesehen im Rahmen der Berlinale 2025 in der Sektion Berlinale Special Gala.

    Bewertung: 8/10 ♥️

    Abenteuer Animation Berlinale Berlinale 2025 Biopic Deutsches Kino Doku Drama Fantasy Festivalberichterstattung Filme Filmfestival Filmfest München FILMZ Horror Kino Komödie Krimi Kurzfilm Liebe Miniserie Musik Mystery Neo-Noir Psychothriller Romanze Satire Sci-Fi Serie Streaming Thriller Wahre Begebenheiten

  • „Girls State“ (2024) – Filmkritik: Wie eine Doku über ein Demokratie-Experiment die Geschlechterungleichheit in den USA offenlegt

    „Girls State“ (2024) – Filmkritik: Wie eine Doku über ein Demokratie-Experiment die Geschlechterungleichheit in den USA offenlegt

    Bild: © AppleTV+

    Das weibliche Pendant zu „Boys State“ zeigt die politischen Hürden junger Frauen – und warum Gleichberechtigung noch immer ein Kampf ist.

    „In truth, femininity is powerful.“ 

    Seit Ende der 1930er wird in verschiedenen Bundesstaaten der USA ein politisches Planspiel für Teenager organisiert – der „Boys State“ und der „Girls State“. 

    In diesem Dokumentarfilm begleiten die Filmemacher*innen 500 Mädchen aus ganz Missouri bei dem einwöchigen Demokratieexperiment. So bauen die jungen Frauen u.a. eine eigene Regierung, wie auch einen Obersten Gerichtshof auf. So weit, so gut, würde da nicht zum ersten Mal parallel der „Boys State“ auf dem gleichen Campus-Gelände veranstaltet werden wie der „Girls State“. Ersterer sieht dagegen tatsächlich doch ziemlich anders aus als der der Mädchen…

    „The Boys State had a Republican and Democratic representative or senator on stage and they were discussing abortion. Do they have uteruses? No. Do we? Yeah.“ 

    „Incompatible for comparison?“ – Im Gegenteil! Nach dem preisgekrönten Dokumentarfilm „Boys State“ (2020) kommt nun mit „Girls State“ (2024) das Pendant von Filmemacher*innen Amanda McBaine und Jesse Moss. Während Boys State“ eher die positiven Seiten des Demokratie-Planspiels für die Teilnehmer zeigen kann, werden dagegen inGirls State“ im direkten Vergleich die eigentlichen Abgründe der Ungleichheit der Geschlechter deutlich herausgestellt. Der Zusammenhalt unter den heranwachsenden Frauen bleibt wiederum ungebrochen.

    „We as women are constantly pitted against each other and I’m sick of it.“

    Dem Ganzen kommt noch eine besondere Brisanz zu, wenn die jungen Frauen in der Doku über Abtreibungsgesetze im Kontext vom wichtigen Fall „Roe vs. Wade“ (1973) sprechen und kurz danach der Supreme Court 2022 genau dieses US-Abtreibungsrecht kippt.

    “ We are taking steps back as a society.“ – Yes, indeed.

    Damit ist die Doku am Ende fast schon ein Stück Investigativjournalismus, auch dank Emily, die Missstände im patriarchalen politischen System Amerikas, wie die Ungleichheit der Geschlechter in der Gesellschaft aufzeigt.

    Bewertung: 7/10

    Abenteuer Animation Berlinale Berlinale 2025 Biopic Deutsches Kino Doku Drama Fantasy Festivalberichterstattung Filme Filmfestival Filmfest München FILMZ Horror Kino Komödie Krimi Kurzfilm Liebe Miniserie Musik Mystery Neo-Noir Psychothriller Romanze Satire Sci-Fi Serie Streaming Thriller Wahre Begebenheiten

  • „Der Killer“ (2023) – Filmkritik: David Finchers eiskalter Thriller in Perfektion

    „Der Killer“ (2023) – Filmkritik: David Finchers eiskalter Thriller in Perfektion

    Bild: (c) Netflix

    Minimalistisch, effektiv und stylish – Michael Fassbender brilliert in einem präzise inszenierten Neo-Noir mit Killer-Soundtrack und packender Atmosphäre.

    Der Killer (Michael Fassbender) arbeitet schon jahrelang als skrupelloser Auftragsmörder, der immer äußerst methodisch und kalt bei seiner Arbeit vorgeht. Doch das alles ändert sich nach einem gescheiterten Auftrag, der ihm zum Verhängnis wird. Der Jäger wird zum Gejagten.

    „Stick to the plan. Anticipate, don’t improvise. Trust no one.“ Except for the Smiths. They had some Killer songs.

    Dieses Mantra zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Film, sowohl auf der Plot-Ebene wie auch der ästhetischen Ebene. Fassbenders Spiel fügt sich dabei wunderbar in die simple Effizienz des Films ein, sagt seine Figur auch passend an einer Stelle:

    „If I’m effective, it’s because of one simple fact. I don’t give a fuck.“

    „Der Killer“ (sowohl Film wie Figur) ist simpel und effektiv, genau darin liegt auch die Stärke des Films. Getragen von dem top Schnitt, der top Kamera und einem gelungenen Drehbuch, hat der Film ein sehr angenehmes Pacing. 

    Das Colorgrading in Kombination mit dem (wieder mal) brillanten Score von Trent Reznor & Atticus Ross und dem fantastischen Sounddesign sorgen für eine unheimlich dichte Atmosphäre, die mit Fassbenders Killer Monologen aus dem Off eine besondere Sogkraft entfalten, wobei letzteres auch sehr an Dexter Morgan erinnert. 

    Auch Witz und Cleverness kommen an dieser Stelle nicht zu kurz, sei es der Nutzen von AirBnBs, den Vorteilen von Amazon Prime oder auch der Griff zur Käsereibe. Dabei darf die herausragend choreographierte Kampfszene nicht unerwähnt bleiben, die sehr mitreißend inszeniert wurde. 

    Fazit: Der Film ist einfach durch und durch crisp ohne große Spielereien und unnötigen Twists. Dafür ist er aber verdammt effektiv in dem was er macht und was er letztlich ist. Mag vielleicht nichts „Besonderes“ sein, ich mag’s jedenfalls. Es lebe der Hund!

    Bewertung: 8/10 ♥️

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  • „Styx“ (2018) – Filmkritik: Ein kompromissloser Blick auf Menschlichkeit, Privilegien und moralische Dilemmata auf hoher See

    „Styx“ (2018) – Filmkritik: Ein kompromissloser Blick auf Menschlichkeit, Privilegien und moralische Dilemmata auf hoher See

    Bild: © Zorro / 24 Bilder

    Wolfgang Fischers „Styx“ überzeugt mit starker Bildsprache und intensiver Stille, hinterlässt aber auch einen faden Beigeschmack westlicher Perspektiven.

    Styx“ ist nüchtern, kompromisslos, aber auch privilegiert.

    Viele Fragen tun sich im Laufe des Films auf, auf die weder die Figuren, noch der Film, noch das Publikum so recht eine Antwort suchen bzw. wissen.

    Sicherlich sind die mythologischen Verweise spannend bis passend und auch die metaphorische Kontextualisierung zu Charles Darwins Insel Ascension wie Asa Gray wirkt erstmal stimmig. Für mich bleibt in diesem Zusammenhang allerdings eher ein fader Beigeschmack, da „Styx“, vor allem beim Drehbuch und den Dialogen, doch immer eine westliche, bildungsbürgerliche Perspektive auf die Geschehnisse im Film einnimmt und diese unangenehm durchdringt.

    Hier funktioniert „Styx“ für mich in den wortlosen bis wortkargen Szenen wesentlich besser, ist in diesen insgesamt deutlich stärker.

    Susanne Wolffs Schauspiel wirkt dem schwächelnden Drehbuch deutlich entgegen, doch ist mir die Rolle des Jungen viel zu einseitig geschrieben, wenngleich fantastisch durch Gedion Oduar Wekesa gespielt.

    Fazit: Das reine Schauspiel, wie auch die Kamera- und Tonarbeit, sorgen letztlich trotzdem für einen bildgewaltigen Film, der einen wichtigen Beitrag zum Flüchtlingsthema leistet und die Fragen nach Menschlichkeit und Altruismus aufwirft, jedoch angenehm unbequem unbeantwortet lässt.

    Bewertung: 7/10

    Abenteuer Animation Berlinale Berlinale 2025 Biopic Deutsches Kino Doku Drama Fantasy Festivalberichterstattung Filme Filmfestival Filmfest München FILMZ Horror Kino Komödie Krimi Kurzfilm Liebe Miniserie Musik Mystery Neo-Noir Psychothriller Romanze Satire Sci-Fi Serie Streaming Thriller Wahre Begebenheiten

  • „American Fiction“ (2023) – Filmkritik: Satire trifft Familiendrama, doch bleibt beides an der Oberfläche

    „American Fiction“ (2023) – Filmkritik: Satire trifft Familiendrama, doch bleibt beides an der Oberfläche

    Bild: © MGM, Orion Pictures

    Cord Jeffersons Film beleuchtet die Absurdität von Authentizität in der Literaturbranche und hinterfragt Erwartungen sowie Vorurteile – bleibt dabei jedoch erzählerisch zwiegespalten.

    Thelonious Ellison, genannt „Monk“, (Jeffrey Wright) arbeitet als Universitätsprofessor für englische Literatur. Neben der Hochschullehre schreibt Monk auch selbst Romane, gilt zwar als angesehener Schriftsteller, jedoch hält sein Verleger seine letzten Manuskripte für „nicht schwarz genug“ für die breite Leserschaft. Frustriert vom Erfolg des in seinen Augen klischeebehafteten Bestseller-Romandebüts der Afroamerikanerin Sintara Golden (Issa Rae), beginnt er selbst einen derart plakativen Roman unter einem Pseudonym zu schreiben. Dieser wird zu Freuden seines Verlegers direkt von einem angesehenen Verlag abgekauft und unmittelbar nach seiner Veröffentlichung schon zum Bestseller – zum Leidwesen Monks, der sich beschämt hinter dem Pseudonym versteckt und von Gewissensbissen geplagt wird.

    Ich mag die Prämisse von „American Fiction“ sehr, mir gefällt die Idee, aber die Umsetzung hat mich leider nicht soo abgeholt.

    Es wirkt für mich stellenweise so als ob der Film zwei Geschichten erzählt, die satirische Leidensgeschichte eines Schriftstellers und ein eigentlich vielschichtiges Familiendrama auf der anderen Seite. In beiden Geschichten kratzt man für meinen Geschmack mehr an der Oberfläche, wo doch beide Geschichten viel mehr bieten. 

    Die Charakterentwicklung Monks ist für mich nicht immer ganz nachvollziehbar, einige zwischenmenschlichen Entwicklungen kommen etwas aus dem Nichts, weil doch alle Charaktere außer Monk eher eindimensional bleiben. Das liegt nicht am Schauspiel, sondern viel mehr am Drehbuch. 

    Auch die Dialoge wirken manchmal etwas hölzern, fast unnatürlich. Zwar mögen die weiblichen Charaktere auf den ersten Blick alle erstmal stark geschrieben sein, jedoch wirken sie durch ihre Eindimensionalität streckenweise künstlich feministisch. Denn ein

    „Geniuses are lonely, because they can’t connect with the rest of us.“ – Agnes Ellison

    hab ich von Monks Mutter nun wirklich nicht gebraucht, als sie Monks Vater und ihren Sohn als Genies bezeichnet.

    „Potential is what people see, when they think, what’s in front of them isn’t good enough.“ – Sintara Golden

    „One Day you will maybe learn that not being able to relate to other people isn’t a badge of honor.“ – Coraline

    Auch diese klugen Sätze wirken am Ende auf mich eher wie Kalendersprüche, zwar klug, aber viel folgt darauf nicht. 

    Trotz alldem trifft der Film wie seine Romanvorlage „Erasure“ (2001) einen wichtigen Punkt in diesen Zeiten mit seiner Kritik am Establishment der Afroamerikanischen Literatur, unseren Erwartungen und Vorurteilen.

    American Fiction ist für mich ein Film, der einen darüber nachdenken lässt, ob man „Authentizität“ in einer Film-/Literatur-/Kunstkritik generell überhaupt anführen sollte bzw. jemals wirklich konnte. 

    Bewertung: 6/10

    Abenteuer Animation Berlinale Berlinale 2025 Biopic Deutsches Kino Doku Drama Fantasy Festivalberichterstattung Filme Filmfestival Filmfest München FILMZ Horror Kino Komödie Krimi Kurzfilm Liebe Miniserie Musik Mystery Neo-Noir Psychothriller Romanze Satire Sci-Fi Serie Streaming Thriller Wahre Begebenheiten